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Erfolgreiche Suche nach dem tödlichen Keim

Pressekonferenz in Münster: Der derzeitige Ausbruch von EHEC-Infektionen ist nach Einschätzung der Experten der Universität Münster sehr ungewöhnlich.Großansicht

Münster/Hamburg (dpa) - Tag und Nacht haben Forscher unter Hochdruck gearbeitet, um die Quelle des gefährlichen EHEC-Keims aufzuspüren. Jetzt ist das zumindest teilweise gelungen: Mikrobiologen in Münster haben den Typ des Erregers identifiziert.

Das Bakterium fanden Mitarbeiter Hygiene-Instituts in Hamburg an spanischen Gurken.

Nach dem Ausschlussprinzip entlarvten Professor Helge Karch und sein Team den EHEC-Typ. Das Problem dabei: Der Erreger findet sich zusammen mit anderen, ungefährlichen Darmbakterien im Stuhl. Er muss zunächst von anderen getrennt werden. Dafür wird jede Probe eines Patienten, die in dem kleinen Labor in der Robert-Koch-Straße ankommt, in einen Brutkasten auf Körpertemperatur gebracht. So wachsen die Keime. Die entstandenen Zellkolonien können die Forscher einzeln untersuchen. «Die EHEC-Erreger haben wir daran erkannt, dass sie Gifte produzieren», erklärt Karch.

Wenn sie einen EHEC-Stamm isoliert haben, fertigten die Forscher einen Steckbrief. In einer Kartei haben Karch und seine Kollegen alle Merkmale der in Deutschland je aufgetauchten 42 EHEC-Typen gesammelt. Der Abgleich mit den Stuhlproben der vergangenen Tage ergab, dass nur einer der Typen für den Ausbruch verantwortlich sein konnte: HUSEC 041, Sequenztyp 678.

Die Infektionsquelle ist deswegen aber noch längst nicht gefunden. Erst, wenn in Umweltproben - also zum Beispiel in Lebensmitteln - der gleiche Bakterien-Typ auftaucht, herrscht Klarheit.

Bis zu 80 Lebensmittelproben sind deshalb in den vergangenen Tagen beim Hygiene-Institut in Hamburg eingegangen, «vornehmlich frisches Obst und Gemüse», heißt es in einer Mitteilung. In mikrobiologischer Kleinstarbeit haben die Forscher dieses auf den gefährlichen EHEC-Erreger untersucht. Bei Salatgurken aus Spanien meldeten die Wissenschaftler am Donnerstag schließlich einen Treffer. Die Proben stammten vom Großmarkt in Hamburg.

Mit den Gurken ist nun immerhin ein Auslöser für den Ausbruch identifiziert. Das Bakterium könnte aber noch an anderen Gurken oder weiteren Lebensmitteln haften. Jetzt gilt es deshalb für das Forscher-Team in Münster, die Erbsubstanz (DNA) des Keims zu lesen. Denn je genauer Karch und sein Team den Erreger charakterisieren können, desto konkreter wissen ihre Kollegen, wonach sie suchen müssen.

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Korr-Inland / Gesundheit / Infektionen
27.05.2011 · 22:35 Uhr
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