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Entwarnung nach Inferno auf der Ostseefähre «Gloria»

Schwere Zerstörungen und Reste von Fahrzeugen auf dem ausgebrannten Deck der Ostseefähre «Lisco Gloria».Großansicht

Langeland (dpa) - Die Flammen sind erloschen, die «Lisco Gloria» liegt ruhig vor Anker: Eineinhalb Tage nach Ausbruch des Infernos auf der Ostseefähre ist das Schlimmste überstanden. 236 Menschen wurden von Bord gerettet; 28 Menschen kamen mit meist leichten Verletzungen davon.

Am Sonntagvormittag waren am Schiff keine Flammen mehr zu sehen, noch steigt am Vorder- und Achterschiff schwarzer Rauch auf. Knapp vier Kilometer südlich der dänischen Insel Langeland zeigt die einst schneeweiße «Gloria» schwere Brandschäden. Der deutsche Schlepper «Fairplay 26» lässt Wasserfontänen gegen die litauische Auto- und Passagierfähre krachen, um den Rumpf zu kühlen.

Das Feuer hat auf der Steuerbordseite zwei Löcher gefressen. Eines ist an einem überdachten Außengang zwei mal vier Meter groß. «Das Metall ist in dem Bereich abgeschmolzen», sagt Havarie-Experte Dirk Reichenbach. «Die Metallkonstruktion im Außenbereich hat massiv gelitten.» Auf dem Autodeck sehen Journalisten, die mit dem Schlepper «Kitzeberg» gekommen sind, wie das Feuer gewütet hat: Wo am Freitag dutzende Lastwagen standen, liegt eine dunkle Trümmermasse.

Mit an Bord war der litauische Lkw-Fahrer Edmundas. «Wir hatten sehr viel Angst; da war das Feuer, und es war dunkel und kalt», sagt der 29-Jährige. «Wer weiß, was passiert wäre, wenn wir nur ein paar Minuten länger geschlafen hätten.»    

Schäden am Unterwasserschiff sind nicht zu sehen. Besonders wichtig: «Die Schlagseite ist nicht so gravierend, dass man mit einem Umkippen rechnen muss. Die Situation sieht absolut stabil aus», so Reichenbach. Das Schiff wird weggeschleppt werden können. Eine Firma aus Holland bekam von der Reederei DFDS den lukrativen Auftrag.

Sieben Schlepper, Bergungs- und Mehrzweckschiffe sind am Sonntag vor der dänischen Insel Langeland, vor der die Fähre ankert. Wichtig ist, Umweltschäden zu verhindern. Rund 200 Tonnen Schweröl, 18 Tonnen Diesel und 25 Tonnen Maschinenöl waren an Bord, als das Schiff verlassen wurde.

Das Drama auf der Ostsee hatte sich elf Kilometer nördlich der Insel Fehmarn ereignet, zwei Stunden nachdem die «Lisco Gloria» am späten Freitagabend von Kiel nach Klaipeda in Litauen abgelegt hatte. Eine Explosion erschütterte das 200 Meter lange Schiff, ausgelöst von einem Aggregat auf einem Laster.

Schnell tobten die Flammen, dramatische Szenen spielen sich ab. Die Passagiere können sich auf die «Deutschland» retten. Glück im Unglück, dass so eine große Fähre hier ständig zwischen Fehmarn und der dänischen Insel Lolland auf der Vogelfluglinie in der Nähe unterwegs ist.

Es brennt lichterloh, als ein Marinehubschrauberteam aus Kiel jemanden aus einer Kabine winken sieht. Ein 14-Jähriger hat das Bullauge seiner Kabine eingeschlagen. Pilot Sebastian Steffens sagt: «Wir sind dann im Schwebeflug angeflogen und haben ihn mit dem Rettungskorb herausgeholt. «Es war kalt, er hatte nur eine Unterhose an und war mehr als aufgewühlt», sagt Steffens über den Jungen. «Er hat dann wohl eine Viertelstunde beim «Lopo» im Arm gelegen.» Das ist der Luftfahrzeugoperationsoffizier.

Die Reisenden kommen aus Deutschland, Litauen, Lettland, Russland, Dänemark und Argentinien. Drei Schwerverletzte werden nach Kiel geflogen. Insgesamt behandeln Ärzte dort 28 Menschen, die Rauchgas eingeatmet haben und leichtere Brandverletzungen erlitten. 23 kamen ins Krankenhaus, unter ihnen ein Säugling.

Spekulationen zur Unglücksursache widerspricht der Leiter des Lagedienstes in Kiel, Joachim Gutt, schon am Samstag kategorisch: Vorsätzliche strafbare Handlungen oder einen Terroranschlag schließt er aus. Das Lkw-Aggregat sei die Ursache gewesen.

An der dramatischen Rettungsaktion mitgewirkt hat der Mediziner Andreas Bielstein aus Kiel. Mit einem weiteren Notarzt und vier Rettungsassistenten fliegt er zum Havaristen. Er lässt sich auf der «Deutschland» absetzen, um Verletzte zu behandeln.

In Kiel warten am frühen Samstagmorgen im Marinehafen Ärzte, Sanitäter, Feuerwehrleute und psychologische Betreuer. Es ist noch stockdunkel an der Förde, als kurz nach 6.00 Uhr die «Deutschland» festmacht. «Die Leute sind sehr erschöpft, einige sind körperlich in einem sehr schlechten Zustand», schildert Revierleiter Uwe Marxen von der Wasserschutzpolizei. Er sah an Bord von dem Unglück gezeichnete Frauen, Männer, Kinder. «Sie haben sehr schwere Stunden hinter sich.»

Kurz nach dem Unglück fuhr Lkw-Fahrer Edmundas mit vielen Gefährten abgeschirmt wieder zum Ostuferhafen. Dort steht die «Lisco Maxima» mit Ziel Klaipeda. «Einige natürlich haben Angst», sagte der Deutschland-Geschäftsführer von DFDS, Heikki Tapionlinna.

Für die Geretteten gab es in Kiel Kaffee, Tee und etwas zu essen. Am Abend gehen dann viele an Bord der «Lisco Maxima». Vitalja Bartkuviene hatte Glück im Unglück mit ihrem Mann und drei Söhnen. «Wir wollten gestern fahren, aber wir haben es nicht geschafft», sagt die 35-jährige Deutsch-Litauerin vor dem Ablegen. «Jetzt haben wir sehr viel Angst.» Niemand sei geschützt vor solchen Unfällen. «Das weiß nur Gott.»

Unfälle / Schifffahrt
10.10.2010 · 16:40 Uhr
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