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Entführungsopfer Dugard verklagt US-Regierung

Ein Polizist untersucht im August 2009 Haus und Grundstück des Kindesentführers Phillip GarridoGroßansicht

San Francisco (dpa) - Die Amerikanerin Jaycee Dugard, die 18 Jahre von einem Entführer gefangen gehalten und missbraucht wurde, hat die US-Regierung auf Schadenersatz verklagt.

Die 31-jährige Kalifornierin reichte ihre Klage am Donnerstag (Ortszeit) bei einem Bundesgericht in San Francisco ein, berichtete der «San Francisco Chronicle». Sie wirft den Behörden schwere Versäumnisse bei den Ermittlungen vor. So hätten Beamte bei der Überprüfung ihres Peinigers, einem vorbestraften Sexualverbrecher, nachlässig gehandelt.

Dugard war als Elfjährige von Phillip Garrido und dessen Frau Nancy auf offener Straße entführt worden. 18 Jahre lang wurde sie in einem Gartenversteck des Paares gefangen gehalten. Sie wurde immer wieder vergewaltigt und brachte als Teenager zwei Mädchen zur Welt. Bewährungshelfer hatten bei Routineüberprüfungen das Haus des vorbestraften Mannes besucht und dabei auch mit Dugard und der älteren Tochter gesprochen. Sie schöpften aber keinen Verdacht und versäumten es, der Identität der jungen Mutter und ihrer beiden Kinder sowie der Beziehung zu Garrido nachzugehen.

Erst im August 2009 wurde Dugard mit ihren Töchter in einem Vorort der Stadt Antioch entdeckt. Im vergangenen Juni wurde Garrido zu 431 Jahren, seine Frau zu 36 Jahren Haft verurteilt.

Der Bundesstaat Kalifornien hatte Dugard bereits im vergangenen Jahr eine Entschädigung von 20 Millionen Dollar zugesprochen. Der größte Teil davon sei für ihre Töchter und für Gerichtskosten ausgegeben worden, sagte Dugards Anwalt Dale Kinsella. In ihrer Klage gegen die US-Bundesregierung habe Dugard keine Forderung festgelegt. Seine Mandatin wollte im Falle einer Entschädigung die ganze Summe einer Stiftung für Entführungsopfer und Familien in Not zukommen lassen, teilte Kinsella mit.

Im Juli brachte Dugard in den USA ihre Autobiografie «A Stolen Life» (Ein gestohlenes Leben) heraus. Die junge Frau lebt heute mit ihren Töchtern bei ihrer Mutter in Nordkalifornien.

Es handelt sich um einen der spektakulärsten Entführungsfälle in der US-Geschichte, der Erinnerungen an die Österreicherin Natascha Kampusch weckt, die als Zehnjährige verschleppt wurde und acht Jahre in der Hand ihres Kidnappers leiden musste.

Prozesse / Kriminalität / USA
23.09.2011 · 10:08 Uhr
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