News
 

Entführung aus Jugendherberge weckt Erinnerungen

Nach der Entführung aus einer Jugendherberge prüft die Polizei nun Parallelen zu ähnlichen Fällen.Großansicht
Münster/Rheine (dpa) - Die Erinnerung an den Fall Dennis, dessen Entführung und gewaltsamer Tod 2001 die Menschen in ganz Deutschland erschauern ließ, waren im Münsterland schnell präsent.

Noch können und wollen die Ermittler keine voreiligen Schlüsse ziehen und einen direkten Zusammenhang herstellen zwischen der Entführung eines Zehnjährigen am Wochenende aus einer Jugendherberge im münsterländischen Rheine und dem schrecklichen Tod des neunjährigen Dennis in Niedersachsen vor acht Jahren. Dennoch: Die Ermittler sprechen von «frappierenden Ähnlichkeiten zumindest bei der Vorgehensweise» des mutmaßlichen Kinderschänders. Konkrete Hinweise gibt es aber nicht, wie Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer am Mittwoch in Münster betonte.

Bei der Sonderkommission Dennis der Polizei Verden, die nach Jahren intensiver Ermittlungen insgesamt 43 ähnliche Fällen meist in Norddeutschland zusammengetragen hat, sieht man «offenkundig gewisse Parallelen». Immer wieder geht es um Entführung - vornehmlich aus Zeltlagern oder Schullandheimen, um sexuellen Missbrauch und in fünf Fällen auch um bestialischen Mord, die alle auf das Konto eines Serien-Sexualtäters gehen könnten.

Im Fokus steht ein Unbekannter, der seit 1992 - in dem Jahr beginnt nach Einschätzung der Soko die Serie - zugeschlagen hat. Im Fall Dennis konnten die Ermittler dank Zeugenaussagen sogar ein Phantombild erstellen. Die Fahndung blieb dennoch damals ohne Erfolg. Im aktuellen Fall Rheine wird der Täter vom Opfer als großer Mann mit weißen Turnschuhen beschrieben.

Ob sich die Entführung des aus Osterode (Niedersachsen) stammenden Zehnjährigen aus der Jugendherberge in Rheine in die Serie einreiht, muss zunächst offen bleiben. Derzeit widmen sich die Beamten im Münsterland der polizeilichen Puzzle-Arbeit: Mögliche DNA-Spuren am Schlafanzug des Jungen müssen gesichert werden, Aussagen der Beteiligen ausgewertet werden - «alles in engem Austausch» mit Verden, sagte ein Polizeisprecher in Steinfurt.

Während einige der teils viele Jahre zurückliegenden Fälle grausam und tödlich endeten, entkam der halbnackte Junge in Rheine den Fängen seines Peinigers körperlich unbeschadet. Der Täter hatte den Schlafenden am frühen Samstagmorgen aus einem Mehrbettzimmer der Jugendherberge ins Freie getragen. Im nahen Stadtpark musste sich das Kind ausziehen. Aus der jüngsten Befragung des Zehnjährigen am Mittwoch geht hervor, das der Mann den Jungen dann laufen ließ. Zunächst waren die Ermittler davon ausgegangen, er habe in einem günstigen Moment fliehen können. «Der Hintergrund der Freilassung, ob sich der Täter etwa gestört fühlte, ist unklar», sagte Staatsanwalt Schweer.

Die Schlafanzughose des Zehnjährigen wurde später gefunden. Seine Unterhose blieb aber auch nach einer neuerlichen Suche am Dienstagabend in dem Stadtpark verschwunden. Von einem Missbrauch ist laut Polizei nicht auszugehen. Ein glimpflicher Ausgang wohl nur auf den ersten Blick, denn ganz ohne seelische Folgen wird das Kidnapping für den Jungen nicht geblieben sein.

Kriminalität
17.06.2009 · 16:53 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

News-Suche

 

Weitere Themen