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Ende einer Ära: Edward Kennedy ist tot

Edward Kennedy ist im Alter von 77 Jahren gestorben.Großansicht
Washington (dpa) - Amerika trauert um Edward Kennedy. Der letzte der drei legendären Kennedy-Brüder und einer der einflussreichsten US-Senatoren erlag am späten Dienstagabend im Alter von 77 Jahren in seinem Haus in Hyannis Port (US-Staat Massachusetts) einem Gehirntumor.

Es ist das Ende eine Ära: Seit der Ermordung von Präsident John F. Kennedy 1963 und Senator Robert Kennedy fünf Jahre später galt er als Oberhaupt des mächtigen Familien-Clans und als «soziales Gewissen» Amerikas. Fast ein halbes Jahrhundert saß er im Senat und zählte als Kämpfer für soziale Gerechtigkeit zu den politischen Schwergewichten der USA. Der Tod des «Patriarchen» löste international Bestürzung und Trauer aus.

Angehörige und Weggefährten, aber auch politische Gegner zollten «Ted» Kennedy Anerkennung für sein Engagement und für seine Lebensleistung. «Ein wichtiges Kapitel unserer Geschichte ist nun beendet», sagte Präsident Barack Obama, für den Kennedy im Senat ein bedeutender Mentor war. «Unser Land hat einen großen Mann verloren, der den Stab von seinen gefallenen Brüdern übernahm und der größte Senator der Vereinigten Staaten in unserer Zeit wurde.» Kennedy sei «eine einzige Figur in der amerikanischen Geschichte». «Für seine Familie war er Beschützer, für Amerika der Verteidiger eines Traums.»

Bundeskanzlerin Angela Merkel schrieb: «Deutschland und Europa verlieren mit Senator Kennedy einen guten und geschätzten Freund.» Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier nannte ihn «eine herausragende Persönlichkeit, die ein Vorbild und ein Vorkämpfer für Gerechtigkeit und Frieden war».

Edward Kennedy saß seit 1962 für die Demokraten im US-Senat. Zeitlebens setzte er sich vehement für Chancengleichheit und gegen die Rassentrennung ein. Ende der 60er Jahre galt er als aussichtsreicher Kandidat der Demokraten für das Präsidentenamt. Seine Ambitionen wurden aber durch einen von ihm verursachten Autounfall auf der Halbinsel Chappaquiddick (Massachusetts) erschüttert, bei dem seine Beifahrerin ertrank. Einen letzten Versuch, das einflussreichste Amt der Welt zu erobern, unternahm er zur Präsidentenwahl 1980, wo er aber im innerparteilichen Rennen um die Kandidatur Amtsinhaber Jimmy Carter unterlag. In seinem Heimatstaat Massachusetts wurde er dennoch sieben Mal für den Senat wiedergewählt.

Im Mai 2008 stellten Ärzte bei Kennedy einen unheilbaren Gehirntumor fest. Bei der Amtseinführung Obamas im vergangenen Januar erlitt er einen Krampfanfall und wurde ins Krankenhaus gebracht. In den vergangenen Wochen hatte er sich darum bemüht, die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass gleich nach seinem Tod ein Ersatzmann seinen Platz im Senat einnimmt. Nach dem in Massachusetts geltenden Gesetz wird erst in 145 bis 160 Tagen ein Nachfolger gewählt.

Präsident Obama erinnerte an die Verdienste Kennedys für Amerika. «Fünf Jahrzehnte lang trug praktisch jedes wichtige Gesetz, mit dem Bürgerrechte, Gesundheit und Wohlstand des amerikanischen Volkes gefördert wurden, seinen Namen und ging auf seinen Einsatz zurück.» Er sei «einer der versiertesten Amerikaner, die je unserer Demokratie dienten». Zugleich zeigte sich Obama dankbar für die Unterstützung während des Kampfes um das Weiße Haus im vergangenen Jahr. «Ich genoss sein Vertrauen und seine gewaltige Unterstützung während meiner Kandidatur für die Präsidentschaft. Und auch, als er tapfer gegen eine tödliche Krankheit kämpfte, konnte ich als Präsident von seiner Ermutigung und seiner Klugheit profitieren.»

«Das Gebrüll des liberalen Löwen ist jetzt vielleicht verstummt, aber sein Traum wird nie sterben», würdigte der Mehrheitsführer im US-Senat, Harry Reid, seinen politischen Weggefährten. Derzeit steht die Debatte über die von Obama geplante und heftig umstrittene Gesundheitsreform an, die Kennedy im Juni als «Hauptanliegen seines Lebens» bezeichnet hatte.

Der britische Premierminister Gordon Brown bezeichnete Kennedy als «Senator der Senatoren». Nicht nur in Amerika, sondern auf allen Kontinenten werde um ihn getrauert, erklärte Brown in London. Sein Amtsvorgänger Tony Blair würdigte Kennedy für dessen «leidenschaftlichen Beitrag» im Friedensprozess in Nordirland. In Irland werde sein Tod wegen seiner Zuneigung zu dem Land mit großer Trauer aufgenommen, sagte die irische Präsidentin Mary McAleese. Auch der irische Ministerpräsident Brian Cowen hob die Verdienste Kennedys in Nordirland hervor. «Er hat seinen beträchtlichen Einfluss im mächtigsten Parlament der Welt genutzt, um diese Insel zu einem besseren Ort zu machen», sagte Cowen. Die Großeltern der drei berühmten Kennedy-Brüder waren irische Einwanderer.

Der mit einer Nichte Edward Kennedys verheiratete Gouverneur des US-Bundesstaates Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, sprach von einem «Mann von starkem Glauben und Charakter». Die Angehörigen teilten mit: «Wir haben den nicht zu ersetzenden Mittelpunkt unserer Familie verloren.»

Der Clan steht wie kaum eine andere amerikanische Familie für Macht und Erfolg, allerdings auch für Rückschläge und Skandale - die Medien nennen es den «Fluch der Kennedys». Roberts Sohn David Kennedy starb 1984 mit 28 Jahren in einem Hotel in Florida an einer Überdosis Rauschgift. Ein weiterer Neffe Edwards, William Kennedy Smith, wurde nach einer gemeinsamen Bar-Tour mit seinem Onkel wegen Vergewaltigung vor Gericht gestellt, aber freigesprochen. Edwards Sohn Patrick wurde mit 21 Jahren Kongressabgeordneter, doch verhinderten Drogensucht und Depression eine politische Karriere. 1999 stürzen John Kennedy Jr. und seine Frau Carolyn mit einem Flugzeug tödlich ab.

Leute / USA
26.08.2009 · 17:19 Uhr
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