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Ende des Alptraums? Zylinder soll Ölfluss stoppen

Ungebremster ÖlaustrittGroßansicht
Washington (dpa) - Lichtblick am Golf von Mexiko: Nach diversen Fehlschlägen hoffen die BP-Ingenieure, die Ölfontäne auf dem Meeresboden endlich zu stoppen.

In einer wahren Millimeterarbeit gelang es den Experten mit Hilfe von ferngesteuerten Robotern, einen 68 Tonnen schweren Zylinder über dem Leck in der Tiefe zu platzieren. Klappt alles, soll kein Öl mehr ins Meer strömen - die nächsten Tage werden entscheidend sein, heißt es bei BP.

Allerdings warnt die US-Regierung vor hochfliegenden Erwartungen. Bereits in den vergangenen drei Monaten sei so viel Öl in den Golf von Mexiko geflossen, dass die Rettungs- und Aufräumarbeiten bis in den Herbst dauern werden, sagte Küstenwachen-Admiral Thad Allen, der von US-Präsident Barack Obama ernannte Einsatzleiter am Dienstag.

Weite Teile der US-Küste sind verseucht, darunter das ökologisch sensible Mississippi-Delta. Viele Badestrände sind durch Teer verschmutzt. Nach wie vor seien etwa 30 bis 35 Prozent der Küstengewässer für die Fischerei gesperrt, sagte Allen. Endgültig solle das Leck ohnehin erst Mitte August versiegelt werden.

Mit Hochspannung verfolgen die Amerikaner im Internet das komplizierte Manöver in 1500 Meter Tiefe - der britische BP-Konzern stellt ein Live-Video ins Netz. Erst umfangreiche Test werden zeigen, ob der erneute Anlauf tatsächlich den lange ersehnten Durchbruch im Kampf gegen die schwerste Ölpest in der US-Geschichte bringt. Die «Integritäts-Prüfung» könnte bis zu 48 Stunden dauern. Bisherige Deckel fingen lediglich einen Bruchteil des ausströmenden Rohöls auf.

BP-Topmanager Kent Wells sprach am Dienstag von weiteren Fortschritten, warnte aber ebenfalls vor allzu großem Optimismus. «Wir wissen, dass der Job noch nicht gemacht ist.» Auch weiterhin tritt noch Öl aus.

Falls sich herausstellen sollte, dass der neue Zylinder richtig dicht auf dem Leck sitzt und das Bohrloch dem Druck standhält, könnte der Ölfluss zumindest zeitweise vollständig oder so gut wie gestoppt werden. «Wenn wir es schaffen, die Quelle zu schließen, werden wir das tun», sagte Wells. Eine andere Option sei es, weiterhin austretendes Rohöl auf Tankschiffe abzupumpen.

Unterdessen verhängte die US-Regierung ein neues Verbot von Tiefseebohrungen. Menschen und Natur müssten vor den Gefahren neuer Bohrungen geschützt werden, sagte Innenminister Ken Salazar am Montag. Gerichte hatten kürzlich einen ersten sechsmonatigen Bohrstopp mit der Begründung verworfen, dass dieser nicht ausreichend begründet gewesen sei. Gegen die staatlich verhängte Zwangspause waren Vertreter der Ölbranche vor Gericht gezogen.

Die Vereinten Nationen nahmen die Ölkatastrophe zum Anlass, den größten Konzernen der Welt beim Umweltschutz schwere Versäumnisse vorzuwerfen. «Das natürliche Kapital der Welt wird im großen Stil vernichtet», warnte UN-Umweltchef Achim Steiner in der «Süddeutschen Zeitung». «Der Raubbau an der Natur durch die Wirtschaft setzt sich seit Jahren ungebremst fort.»

Wildnis, Arten, Lebensräume und Ökosysteme verschwänden in nie dagewesenem Tempo. Eine Schätzung des UN-Umweltprogramms (UNEP) kommt zum Ergebnis, dass die Arten heute 100 Mal schneller aussterben, als es die Evolution vorgibt. Die UN beziffern die Umweltschäden, die allein die 3000 größten Unternehmen der Welt durch den Missbrauch natürlicher Ressourcen, durch Verschmutzung von Luft oder Gewässern sowie das Aussterben von Arten verantworten, auf 1,7 Billionen Euro.

In Brüssel will sich EU-Energiekommissar Günther Oettinger an diesem Mittwoch mit Managern der in der Nordsee aktiven Ölkonzerne treffen. Thema: Neue Regelungen für Bohrungen. Angedacht sind etwa Notfällpläne und schärfere Auflagen und Kontrollen.

Seit dem Untergang der Bohrinsel «Deepwater Horizon» am 20. April fließen laut Schätzungen täglich bis zu 8200 Tonnen Rohöl ins Meer - bisher konnte nur ein kleiner Teil auf Tankschiffe gepumpt werden.

Doch selbst wenn sich die gegenwärtige Operation als erster großer Erfolg erweist - eine endgültige Lösung dürfte es erst Mitte August durch zwei entlastende Parallelbohrungen geben, betonte Allen. Dann solle das Steigrohr mehrere Kilometer unter dem Meeresboden endgültig mit Schlamm und Zement verschlossen werden.

Website der am Einsatz beteiligten US-Behörden und Unternehmen

Umwelt / USA
13.07.2010 · 19:48 Uhr
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