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Ende der Ölpest absehbar - Folgen unabsehbar

Videobild der Arbeiten am abgedichteten Bohrloch im Golf von Mexiko: BP-Ingenieure haben das Bohrloch jetzt mit Zement verschlossen. (Archivbild)Großansicht

Berlin/Washington (dpa) - Das endgültige Versiegeln des Öllecks im Golf von Mexiko rückt in greifbare Nähe - aber die Folgen der Ölpest sind unabsehbar. Experten kritisieren den Bericht der US-Regierung zum Stand der Ölkatastrophe als «außerordentlich optimistisch».

Naturschützer warnen, die Gefahr für die Umwelt sei noch längst nicht gebannt. Vögel und Fische seien weiter in Gefahr.

Der Ölkonzern BP hat unterdessen das Loch im Meeresboden von oben mit Zement verschlossen. Das Manöver am Donnerstag dauerte nur wenige Stunden, und die als «Static Kill» bezeichnete Operation ist damit abgeschlossen. Zuvor hatten Ingenieure das Steigrohr in 1500 Meter Tiefe von oben mit 300 Tonnen Schlamm verstopft.

Bis zum «Finale» wird es noch mehrere Tage dauern. BP bohrt noch einen Nebenzugang zum Hauptbohrloch, durch den ebenfalls Schlamm und danach Zement gepumpt werden sollen. Das soll die Quelle von unten in 4000 Meter Tiefe direkt versiegeln. So will man ganz sichergehen, dass Öl und Gas hier niemals mehr nach oben drängen.

Nach Schätzungen von BP wird es noch fünf bis sieben Tage dauern, bis der Nebenzugang auf das Hauptbohrloch trifft und das endgültige Versiegeln von unten beginnen kann. Dieses Manöver könnte Tage oder sogar Wochen dauern, abhängig davon, ob die BP-Ingenieure Öllecks finden, sagte der Einsatzleiter der Regierung, Thad Allen. Außerdem könnte schlechtes Wetter die Arbeiten noch verzögern.

Skeptisch beurteilten Umweltschützer und Wissenschaftler einen Bericht der US-Regierung, wonach drei Viertel des ausgeströmten Öls bereits abgebaut oder beseitigt worden sind. «Zumindest die Hälfte der 660 000 Tonnen sind immer noch im Meer», sagte der Geochemiker Jürgen Rullkötter dem Sender Deutschlandradio Kultur.

Die Einschätzung beruhe auf vielen optimistischen Annahmen und Vermutungen, sagte der Professor für organische Geochemie an der Universität Oldenburg am Freitag. Zudem sei der Teil des Öls, der nach dem Bericht in sehr kleine Tröpfchen zerteilt wurde, trotzdem noch im Meer - und nach wie vor giftig und schädlich.

Rullkötter bezweifelt auch die Mengenangaben zum bereits verdunsteten Öl: «Ich weiß nicht, wie man auf diese 25 Prozent gekommen ist.» Bei dem von Bakterien abgebauten Öl stelle sich die Frage, ob der Sauerstoffgehalt im Meer für die angenommenen Abbaumengen überhaupt ausgereicht haben kann.

Generell sei die Situation aber durchaus vorsichtig optimistisch zu beurteilen, sagte der Wissenschaftler weiter. Es sei gelungen, einen großen Teil des Öls von der Küste fernzuhalten. Viel Öl sei zudem mit Chemikalien fein zerstäubt worden. «Es besteht die Chance, dass vielleicht innerhalb von ein, zwei Jahren das Öl im Wasser des Golfs weitgehend von Bakterien aufgearbeitet worden ist.»

Die deutsche Umweltorganisation Nabu meint hingegen, die Erholung des Ökosystems in der Region werde Jahrzehnte dauern. «Die Entwarnung der US-Regierung kommt zu früh», rügte Nabu-Präsident Olaf Tschimpke in Berlin. Mehr als 1000 Kilometer Küstenlinie seien verschmutzt, über 40 000 Menschen hätten ihre Lebensgrundlage verloren.

Der Nabu verwies auch auf unbekannte Nebenwirkungen der Chemikalien. «Das hat Tiergruppen in Mitleidenschaft gezogen, die sonst eventuell glimpflicher davongekommen wären: Phyto- und Zooplankton, aber auch die großen Planktonfresser wie Walhaie», sagte der Nabu-Meeresschutzexperte Kim Detloff. «Das abgesunkene Öl gefährdet jetzt die Lebensgemeinschaft am Meeresboden, also festsitzende Tiere wie Korallen, Nesseltiere, Muscheln, aber auch am Boden lebende Fische und Krebse.»

Umwelt / USA
06.08.2010 · 17:52 Uhr
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