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Elterngeld - Legale Tricks für mehr Förderung

Was die meisten jungen Eltern wissen: Elterngeld bezieht sich auf den durchschnittlichen Nettoverdienst der zwölf Monate vor der Geburt des Kindes und wird mit 67 Prozent angesetzt. Der Höchstsatz beträgt 1800 Euro, der Mindestsatz 300 Euro. Das Geld ist steuerfrei. Was einfach klingt, wird jedoch durch mehrere Faktoren beeinflusst. Das kann dazu führen, dass jungen Familien mehr oder weniger Geld ausgezahlt wird, als sie erwartet haben.

Je nach Bundesland müssen werdende Eltern ein rund achtseitiges Formular in verschwurbeltem Bürokratendeutsch ausfüllen, während sich die Gedanken längst um Babysöckchen, Kinderwagen und Schnuller drehen. Doch im Windelchaos ist es meist zu spät, um den optimalen Betrag zu erreichen. Deshalb sollten schon lange vorher alle Unterlagen bereit liegen. Eingereicht werden müssen: Nachweise zum Einkommen vor der Geburt, Kopien der Personalausweise der Eltern, eine Bescheinigung über Mutterschaftsgeld von Krankenkasse und Arbeitgeber sowie eine Arbeitgeberbescheinigung zur Gewährung der Elternzeit und die Geburtsurkunde des Kindes.

Um die Ansprüche zu erhöhen, sollten werdende Eltern bereits ab dem positivem Schwangerschaftstest aktiv werden. So lohnt sich meist ein Steuerklassenwechsel. Denn oft hat die anschließend daheim bleibende Frau zuvor die ungünstigere Steuerklasse. Weil in vielen Partnerschaften der Mann mehr verdient. Ist in den Monaten bis zum Mutterschutz mehr Netto in der Lohntüte der Mutter, liegt ein höherer Betrag für die Berechnung des Satzes zugrunde. Das kann beim Elterngeld - je nach Einkommen - mehrere hundert Euro Elterngeld zusätzlich einbringen.

Wer den Elterngeldrechner des Bundesministeriums für Familie verwendet, um vorab zu klären, wie viel Geld zu erwarten ist, wird sich wundern. Denn dort kommen nie 67 Prozent des durchschnittlichen Nettoverdienstes heraus. Von anderen Elterngeldrechnern im Internet sollte man lieber die Finger lassen. Sonst ist die Enttäuschung vorprogrammiert.

Für den niedrigeren Betrag beim Bundesministerium gibt es einige Gründe. Leider spuckt der Rechner aber den exakten zu erwartenden Satz aus. So wird etwa automatisch ein Pauschbetrag angesetzt und das Nettogehalt bereinigt, sprich verringert. Das heißt: Es ist anzunehmen, dass im Jahr mit dem Baby keine Werbungskosten - wie Fahrtkosten zum Arbeitsplatz - anfallen, die anschließend bei der Steuer geltend gemacht werden. Somit wird das Nettogehalt um eine Pauschale 83,33 Euro pro Monat «bereinigt». Der Ausgangsbetrag und damit das Elterngeld sind niedriger. Hinzukommt, dass seit dem 1. Januar 2011 ab einer Höhe von 1240 Euro netto nicht mehr 67 Prozent, sondern nur noch 65 Prozent des Nettoeinkommens bei der Berechnung berücksichtigt werden.

Ein Rechenbeispiel: Bei einem Nettogehalt von 1500 Euro würden nicht 67 Prozent und somit 1005 Euro ausgezahlt. Stattdessen beträgt das bereinigte Gehalt 1416,67 Euro. Dabei werden nur 65 Prozent für das Elterngeld angesetzt. Das Ergebnis: 920,84 Euro. Ein Unterschied von mehr als 80 Euro.

Zudem gibt es den sogenannten Progressionsvorbehalt, durch den der weiterhin verdienende Ehepartner mit einem höheren Steuersatz belastet wird. Auch bei Nichterwerbstätigen - Arbeitslose, Studenten oder Hausfrauen -, die einen Anspruch auf den Sockelbetrag von 300 Euro haben, wird dies beim Partner angerechnet. Das erhöht die Steuerlast maßgeblich.

Vorsicht mit zu hohen Erwartungen: Ein dreizehntes Monatsgehalt oder Bonuszahlungen werden nicht auf das Nettogehalt draufgerechnet.

Gibt es ein älteres Geschwisterchen unter drei Jahren, gibt es zum Elterngeld noch einen Geschwisterbonus. Der Zuschlag beträgt zehn Prozent vom Elterngeld, mindestens 75 Euro. Außerdem müssen die Elterngeldstellen bei der Berechnung eventuelle Gehaltsnachzahlungen berücksichtigen.

Aus den Vollen schöpfen können Paare, die gemeinsam die Elternzeit nutzen. Beantragt der Vater Elterngeld, wird die Betreuung daheim nicht nur 12, sondern 14 Monate vom Staat finanziell unterstützt. Alleinerziehende erhalten 14 Monate Elterngeld.

Die ersten zwei Monate Elterngeld werden zumeist vom Mutterschutzgeld abgedeckt. Das ist bei Angestellten der Fall. Selbstständige erhalten das Elterngeld vom Tag der Geburt an. Jedoch nur zehn Monate lang. Es sei denn, der Partner bleibt auch daheim. Dann besteht ein Anspruch für zwölf Monate.

Übrigens: Der Antrag auf Elterngeld sollte möglichst bald nach der Geburt des Kindes erfolgen, selbst wenn gerade in den ersten Wochen der Sinn zwischen schlaflosen Nächten, Geschrei und vollen Windeln wenig nach Papierkram steht. Denn die Förderung wird rückwirkend nur für drei Monate bezahlt.

Viele Ratgeberanzeigen im Internet werben damit, Tricks zu verraten, die das Elterngeld verdoppeln können. Doch bei genauem Hinsehen bewegen sich die meisten dieser Tipps am Rande des Gestaltungsmissbrauchs. Dann droht Ärger mit der Elterngeldstelle, die im Zweifelsfall gegen den tricksenden Antragssteller entscheiden könnte.

[news.de] · 09.03.2012 · 15:08 Uhr
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