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Elf Tote bei Explosionen in Minsker U-Bahn

Rettungskräfte und Passanten tragen einen Verletzten in Minsk zu einem Rettungswagen.Großansicht

Minsk/Moskau (dpa) - Bei vermutlich zwei Explosionen in der Metro der weißrussischen Hauptstadt Minsk sind nach Medienberichten mindestens elf Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden. Die Behörden der autoritär regierten Ex-Sowjetrepublik sprachen am Abend von einem Terroranschlag.

Weißrussland galt bislang nicht als Ziel von Terroristen. Dutzende Opfer seien mit Verbrennungen und offenen Wunden auf Tragen von der Haltestelle Oktjabrskaja weggebracht worden, meldete die unabhängige Agentur Belapan.

Präsident Alexander Lukaschenko rief eine Krisensitzung ein. Der oft als «letzter Diktator Europas» kritisierte Staatschef legte in der Station nahe seiner Residenz Blumen nieder und befahl, die Sicherheitsvorkehrungen in dem ohnehin scharf kontrollierten Land noch zu verstärken. Das Fernsehen zeigte Bilder einer stark beschädigten Haltestelle.

Die Explosionen ereigneten sich mitten im Berufsverkehr. Mehrere Krankenwagen und Löschfahrzeuge rasten zum Unglücksort im Stadtzentrum. Dort trafen auch Mitarbeiter des weißrussischen Geheimdienstes KGB ein. Lukaschenko nahm in einem Telefonat mit Kremlchef Dmitri Medwedew ein Angebot für den Einsatz russischer Ermittlungsbehörden an.

Bei einem Bombenanschlag am Tag der Unabhängigkeit im Juli 2008 waren in Minsk etwa 50 Menschen verletzt worden. Wenig später nahm der KGB vier Männer unter Terrorverdacht fest. Sie sollen Mitglieder der nationalistischen Untergrundorganisation Weiße Legion gewesen sein, die sich zur Gewalt im Kampf gegen staatliche Organe bekenne. Der Fall wurde allerdings nie aufgeklärt.

Die Ausgänge der Station Oktjabrskaja führen in Richtung Lukaschenkos Residenz sowie zu seinem Büro. Schwarzer Rauch stieg aus dem U-Bahn-Schacht auf. Amateurvideos zeigten panisch flüchtende Menschen. Verletzte kauerten blutüberströmt in der zentralen Umsteigestation oder auf dem Bürgersteig, wo sie Infusionen erhielten. Ein Augenzeuge sagte nach Medienberichten: «Überall war Glas, dann Staub. Und da war jede Menge Blut.» Zwei weitere Haltestellen wurden gesperrt.

In Internetblogs war in ersten Reaktionen die Rede davon, dass die weißrussische Führung möglicherweise versuche, von den schweren innenpolitischen Problemen des Landes abzulenken. Weißrussland steht vor dem Staatsbankrott und wartet auf einen Milliardenkredit aus dem Nachbarland Russland. Beobachter erwarten, dass der seit 1994 regierende Lukaschenko die Daumenschrauben nun noch schärfer anziehen wird.

Zahlreiche Oppositionelle sitzen seit der gefälschten Präsidentenwahl im Dezember 2010 im Gefängnis oder stehen unter Hausarrest. Führende Regierungsgegner flohen ins Ausland. Das Regime hatte Proteste in der Wahlnacht niederknüppeln lassen. Weißrussland ist das einzige Land in Europa, das die Todesstrafe vollstreckt.

Notfälle / Weißrussland
11.04.2011 · 21:00 Uhr
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