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Eishockey-Cracks warben für Gaddafis «Grünes Buch»

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Düsseldorf (dpa) - Für die einen war es lediglich eine Provinzposse, für die anderen ein inakzeptabler Missbrauch des Sports. Mit den Unruhen in Libyen kehren die Erinnerungen an einen der skurrilsten Vorgänge in der Geschichte des deutschen Sports zurück.

Ende 1987 sorgte die Vereinbarung des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi mit dem ECD Iserlohn für einen Eklat. Schließlich hatten die Profis des damaligen Eishockey-Erstligisten auf ihren Trikots für Gaddafis Revolutionsfibel, das «Grüne Buch», geworben.

Heinz Weifenbach, Präsident des von Steuerschulden geplagten Clubs, war treibende Kraft des Coups und organisierte eine Gruppenreise nach Libyen. Über 20 handverlesene Journalisten ließen sich mit Weifenbach und Gaddafi in einem Beduinenzelt ablichten. Das gute Essen und der Alkohol sorgten für eine lockere Atmosphäre. Das heikle Thema Menschenrechte wurde auf Wunsch des eigenwilligen Clubchefs damals ausgespart. «Lasst uns die deutsche Art, alle belehren zu wollen, hier aussparen», soll Weifenbach vor den Mitreisenden getönt haben.

Mit der konkreten Zusage, mehr als eine Million Mark für die Trikotwerbung zu erhalten, kehrte die ECD-Vereinsdelegation über Malta und Ost-Berlin aus Libyen zurück. Was zunächst nur als geschickter PR-Gag der Iserlohner galt, wurde am 4. Dezember 1987 Wirklichkeit: Im Spiel gegen Rosenheim warben die Profis aus dem Sauerland auf ihren Trikots für das «Grüne Buch». Das war selbst zwei TV-Teams aus den USA und der Zeitung New York Times einen Beitrag wert.

Es hagelte Kritik aus Politik und Sport. So wertete der damalige Innenminister Friedrich Zimmermann (CSU) die Aktion als einen politischen Missbrauch des Sports. Und auch der damalige Bundestrainer Xaver Unsinn fand deutliche Worte: «Der Sport darf nicht dazu da sein, kriminelle Elemente und den Terrorismus zu unterstützen.»

Die heftigen Reaktionen zeigten Wirkung. Schon im nächsten Spiel traten die Iserlohner gegen Frankfurt wieder in den alten Trikots an. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) hatte für den Fall einer Fortsetzung der ungewöhnlichen Werbeaktion dem Club mit sofortigem Lizenzentzug und den Spielern mit einer Sperre gedroht.

Der ganze Wirbel verhalf den Iserlohnern zwar zu Schlagzeilen, nicht aber zur Erschließung neuer Geldquellen. Am 11. Dezember verkündete Konkursverwalter Winfried Andres, dass der ECD Iserlohn «keine Spiele mehr bestreiten kann und wird».

Sportpolitik / Eishockey
24.02.2011 · 23:04 Uhr
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