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Eisenach zwischen Wut und Erleichterung

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Eisenach (dpa) - Dunkle Wolken hängen über Eisenach. In den Werkshallen von Opel und in der Stadt ist nach der Entscheidung zum geplanten Verkauf der Opel-Werke an den Autozulieferer Magna trotz aller Skepsis leichte Entspannung zu spüren.

«Nach der monatelangen Hängepartie herrscht bei den Mitarbeitern Erleichterung und Freude», sagt Betriebsratschef Harald Lieske am Donnerstag. «Jede andere Entscheidung mit einem anderen Investor hätte das Aus für Opel in Eisenach bedeutet. Es war eine existenzielle Entscheidung für die Menschen.» Seit über 100 Jahren werden in der Thüringer Stadt Autos produziert. Die für Freitag geplante Großdemonstration in Eisenach, an der etwa 3000 Opelaner aus anderen Werken reisen wollten, ist abgesagt.

Lieske erwartet jedoch schwierige Verhandlungen, vor allem was den Zehn-Prozent-Anteil an der neuen Gesellschaft betrifft, den die Belegschaft übernehmen soll. «Das bedeutet sicher Einschnitte bei den Arbeitnehmern», ist sich der Betriebsrats-Chef sicher. So wie er sind viele andere Opelaner in Eisenach skeptisch. Martina Pracht arbeitet seit 17 Jahren am Band bei Opel. Eigentlich hat sie heute frei, doch die Sorge um die Zukunft treibt die Betriebsrätin in das moderne Werk, in dem der Kleinwagen Corsa produziert wird.

Seit Monaten lebt Eisenach mit den Fragen. General Motors? Magna? Staat? Insolvenz? Viele Mitarbeiter wissen nicht mehr, ob sie nun noch wütend sein sollen - oder einfach nur resigniert.

Die Straße zum Werk hat die Stadt Adam-Opel-Straße genannt. Sylvia Görke betreibt seit zwei Jahren mit ihrem Mann ein kleines Sozialkaufhaus wenige hundert Meter vom Werk entfernt. Viele Opelaner sind Kunden. Das Warten, die Unsicherheit, das sei unerträglich, sind sich Görkes einig: Für die Opel-Mitarbeiter und für die Stadt. «Wenn Opel schließt, können sie die Stadt abschließen», sagt Görke. 1700 Mitarbeiter von Opel bauen in Eisenach den Kleinwagen Corsa, weitere 600 Mitarbeiter arbeiten im Servicebereich. Mehrere tausend Menschen sind bei den Zulieferern angestellt. Eisenach hat 43 000 Einwohner.

Viele Mitarbeiter fühlen sich von General Motors maßlos enttäuscht und betrogen. «Wir haben immer viel geleistet, sind das effektivste Werk von allen GM-Werken, haben schwarze Zahlen geschrieben», sagt Pracht. Ihr Kollege Reinhard Schäfer ist nur noch wütend: «Man hat uns 18 Jahre erzählt, wie toll wir sind. Haben die uns die ganze Zeit angelogen?»

Die mediale Belagerung ihres Werktores sind die Opelaner inzwischen gewohnt. Einige reagieren barsch auf die Fragen. Andere reden dann aber doch: Die Stimmung sei explosiv, sagt einer. Er sei wütend, sagt ein anderer. «Elf Monate in der Warteschleife - jetzt reichts», ein Dritter.

Vor dem Werkstor spricht sich derweil die Nachricht rum, dass Magna den Zuschlag erhält. Viele reagieren erleichtert, die meisten aber skeptisch. Das ist eine gute Nachricht, sagt einer. Die Beste unter den Schlechten, ein anderer. «Es wird auch so Lohneinbußen und Stellenabbau geben.» Ob er nun feiern werde, fragt eine Reporterin. «Vielleicht zu Hause mit einer Flasche Wein.» Sein Kollege schüttelt den Kopf. Nein, erstmal abwarten, was kommt. «Uns wurde in den letzten Monaten einfach zu viel erzählt. Wir glauben nichts mehr.»

[Opel-Werk]: Adam-Opel-Straße 100, 99817 Eisenach

Auto / Opel
10.09.2009 · 18:21 Uhr
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