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Einzelhandel wehrt sich gegen früheren Ladenschluss

Berlin (dts) - Der Einzelhandel wehrt sich gegen eine mögliche Einschränkung der Ladenöffnungszeiten. Als "praxisfremd und altmodisch" bezeichnete Rewe-Chef Alain Caparros Pläne der rot-grünen Landesregierung in Nordrhein-Westfalen, den Ladenschluss von 24 Uhr auf 22 Uhr oder gar 20 Uhr vorzuverlegen. Sollte die Politik ihre Pläne umsetzen, seien allein bei Rewe "tausende Arbeitsplätze gefährdet", sagte Caparros der Tageszeitung "Die Welt" (Montagausgabe).

Er befürchte einen Präzedenzfall. "Wenn in Nordrhein-Westfalen die Öffnungszeiten wieder stärker reglementiert werden, könnte das Signalwirkung für ganz Deutschland haben", sagte der Chef des zweitgrößten deutschen Lebensmittelhändlers. Tatsächlich unterstützt die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di dagegen die Gesetzesinitiative aus Düsseldorf, mit der unter anderem der Schutz der Mitarbeiter verbessert werden soll, und würde sie auch in anderen Ländern begrüßen. "Wir schauen mit großem Interesse nach Nordrhein-Westfalen, denn die Debatte um notwendige Öffnungszeiten ist längst überfällig", sagte Ulrich Dalibor, Ver.di-Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel, der Zeitung. "Der Trend zur Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft muss gestoppt werden, sonst bleibt die Lebensqualität auf der Strecke. Die Entscheidung in NRW wird Auswirkungen auch auf die Diskussionen in anderen Bundesländern haben, davon bin ich überzeugt", so Dalibor. Der Ladenschluss ist seit der Liberalisierung 2006 Ländersache. Caparros dagegen sieht dem Blatt zufolge "einen großen Bedarf bei den Kunden für das Einkaufen am späten Abend". Das Geschäft lohne sich. "In den Rewe-Supermärkten und Penny-Discountern in NRW erwirtschaften wir zwischen 20 und 22 Uhr über zehn Prozent unseres Wochenumsatzes. Und in den Rewe-Märkten, die bis Mitternacht geöffnet haben, kommen dann in der Zeit von 22 bis 24 Uhr nochmal zwei bis drei Prozent Umsatz hinzu. Das ist echtes, organisches Zusatzgeschäft", so Caparros. Auch die Metro-Tochter Real möchte an den langen Öffnungszeiten festhalten. "Von den Kunden wird das sehr gut angenommen. Mit unseren Mitarbeitern haben wir gute Regelungen gefunden, und für uns als Händler rechnet es sich. Wir erkennen also keine Notwendigkeit, warum man den Menschen das Einkaufen nach 20 Uhr wieder verbieten sollte", sagte Real-Chef Roland Neuwald der "Welt". Mitarbeiter bekommen laut Tarifvertrag Gehaltszuschläge, für die Arbeit nach 18.30 Uhr etwa 20 Prozent. Neben der Verbraucherzentrale NRW hat sich auch Karl-Josef Laumann, Vorsitzender des Arbeitnehmerflügels der Union und Vorsitzender der CDU-Fraktion im Düsseldorfer Landtag, gegen eine Einschränkung ausgesprochen. "Die meisten Läden schließen ohnehin um 22 Uhr und nutzen die Öffnungszeiten bis 24 Uhr nicht aus", sagte er der Zeitung. Er habe viele E-Mails bekommen von Verkäuferinnen, die gerne abends arbeiteten, weil dann der Partner die Kinder beaufsichtigen könne. Eine Zunahme von Minijobs aufgrund der längeren Öffnungszeiten, wie sie die Gewerkschaften beklagen, sehe er nicht. Auch Caparros sprach vom großen Interesse der Mitarbeiter an den Spätdiensten - wegen der Zuschläge: "Wir haben keine Probleme, unsere Spätschichten gefüllt zu bekommen. Im Gegenteil: Marktleiter berichten, dass sich auf Stellenausschreibungen für die Spätstunden doppelt so viele Bewerber melden wie auf die anderen", sagte der Rewe-Chef.
DEU / Unternehmen / Gesellschaft
22.01.2012 · 17:27 Uhr
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