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Ein «Bernd-Abend»: Eichinger-Tod überschattet Gala

München (dpa) - Glitzer, Glamour, Blitzlicht-Gewitter: Die «Diva- Awards» in München sind bekannt für opulente Outfits, oft freizügig gekleidete Stars und Sternchen sowie lautes Geschrei am roten Teppich. Jahr für Jahr feiert die Entertainment-Branche sich dort selbst.

Am Dienstagabend aber hielt die Promi-Welt inne: Die Nachricht vom Tod Bernd Eichingers schockte die Party-Gäste kurz vor der Preisverleihung.

Viele der Filmschaffenden, Musiker und Moderatoren erfuhren erst auf dem roten Teppich und vor laufenden Kameras vom Tod des 61-Jährigen, der so oft dabei gewesen war, wenn in München gefeiert wurde. Hatten sie sich zuvor noch über das Dschungel-Camp, den Schnee oder die alljährlich wiederkehrende Frage, wie viel Diva denn in ihnen steckt, ausgelassen, verschlug die Nachricht auf einmal vielen die Sprache.

«Schrecklich, schrecklich. Ich möchte gar nichts mehr dazu sagen. Das ist fürchterlich» - so reagierte der vorher noch gut gelaunte Herbert Knaup, für den der Abend eigentlich ein Grund zum Feiern gewesen wäre. Schließlich wurde er als bester Schauspieler 2010 ausgezeichnet. Später bei der Preisübergabe hatte er seine Sprache wiedergefunden. Die «Diva» werde er immer mit Eichinger in Verbindung bringen, sagte er. Eichinger, «der auch irgendwie eine Diva war, mit seinen weißen Turnschuhen», hinterlasse ein Riesen-Loch in der deutschen Filmlandschaft.

«Es gibt kaum einen Ort, an dem so viele Menschen vereint sind, die mit ihm zusammen gearbeitet haben wie hier heute abend», sagte Veranstalter Ulrich Scheele, der vor der Preisverleihung das Wort ergriff. Er wisse, dass schon viele Tränen geflossen seien an diesem Abend. Bevor es losging mit der Verteilung der insgesamt 14 Preise, erhoben sich alle Gala-Besucher zu einer Schweigeminute.

Obwohl Eichinger seit Jahren in seiner Wahlheimat Los Angeles lebte, kam er immer wieder nach München, wo er auch noch einen ständigen Wohnsitz hatte. Vor allem im Bayerischen Hof lief er oft über den roten Teppich - beim Deutschen Filmball, dem er in diesem Jahr fernblieb, oder bei der «Diva»-Verleihung vor zwei Jahren, als er die Laudatio für Johanna Wokalek hielt.

In der vergangenen Zeit war er immer wieder hart mit der bayerischen Landeshauptstadt ins Gericht gegangen. Beim Filmfest München 2009 beispielsweise holte er zu einem Schlag gegen den Filmstandort aus. Trotzdem - oder gerade deshalb - galt sein Wort in München vielleicht noch mehr als anderswo. Wenn er da war, stand Eichinger im Zentrum der Münchner Filmszene - und der Schickeria.

«Wir denken alle an ihn», sagte Scheele, der die Gäste aufrief, trotz allem zu feiern und zu lachen. «Es wird ein Bernd-Abend werden - lachen Sie, weinen Sie.» Das mit dem Lachen gelang den meisten zumindest zeitweise. Spätestens beim Auftritt von Unheilig um Bernd Graf aber, der seinen Chart-Erfolg «Geboren um zu leben» nur von einem Klavier begleitet und mit Kerzen im Hintergrund sang, hatten viele einen Kloß im Hals. «Weil jeder von uns spürte, wie wertvoll Leben ist», sang «der Graf».

Eichinger hätte gewollt, dass der «Diva»-Abend aller Trauer zum Trotz gefeiert wird, betonte Scheele. Und Anna Fischer, die «Schauspielerin des Jahres», brachte es auf den Punkt: «The show must go on - es muss weitergehen».

Film
26.01.2011 · 08:19 Uhr
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