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Ehepaar quälte Mädchen 18 Jahre lang im Hinterhof

Der 58-jährige Phillip Garrido und seine 55-jährigen Ehefrau hielten Jaycee Lee Dugard 18 Jahre lang in ihrem Hinterhof gefangen.Großansicht
San Francisco (dpa) - 18 Jahre war sie eingesperrt und wurde sexuell missbraucht - jetzt hat das Martyrium der Amerikanerin Jaycee Lee Dugard ein Ende. Die Polizei befreite die inzwischen 29-jährige nahe ihres Elternhauses aus der Gewalt eines Ehepaares.

Sie war 1991 als Elfjährige gekidnappt worden. Dugard brachte in der Zeit zwei Kinder von ihrem Entführer zur Welt, wie die Polizei im nordkalifornischen Placerville am Donnerstag mitteilte. Nachbarn und Bekannten beschrieben den Mann als religiösen Fanatiker, der davon sprach, er höre Gottes Stimme.

Der Fall erinnert an die Österreicherin Natascha Kampusch, die acht Jahre lang in der Hand ihres Kidnappers war. Sie war 1998 im Alter von zehn Jahren in Wien entführt und in einem Kellerverlies festgehalten worden. 2006 gelang der heute 21-Jährigen die Flucht, ihr Entführer nahm sich das Leben. Auch Elisabeth Fritzl, die 24 Jahre lang von ihrem eigenen Vater Josef in ein Kellerverlies gesperrt worden war und sieben Kinder bekam, erlitt ein ähnliches Schicksal.

Das Ehepaar aus Antioch, rund 80 Kilometer nordöstlich von San Francisco, wurde am Mittwoch festgenommen. Der 58 Jahre alte Phillip Garrido ist wegen Sexualdelikten vorbestraft. Ihm werden nun unter anderem Entführung und Vergewaltigung vorgeworfen, seiner 55-jährigen Ehefrau Beihilfe zu den Verbrechen. Obwohl Garrido auf dem Gelände seines Hauses laut Medien auch eine Druckerei betrieb, fiel offensichtlich niemandem etwas auf.

Das Mädchen war zuletzt am 10. Juni 1991 in den Ort South Lake Tahoe gesehen worden, rund 270 Kilometer von Antioch entfernt. Das Kind war auf dem Weg von seinem Elternhaus zu einer Schulbushaltestelle. Stiefvater Carl Probyn musste damals hilflos zusehen, wie das Kind von einer Frau und einem Mann in einen Wagen gezogen wurde, der dann davonbrauste. Probyn zufolge wehrte sich das Kind laut schreiend und mit Fußtritten gegen die Kidnapper.

Nach Ermittlungen der Polizei sind die Töchter der Entführten elf und 15 Jahre alt. Die drei lebten abgeschottet von der Außenwelt im Garten hinter dem Einfamilienhaus. Ein hoher Zaun und Plastikplanen versperrten den Einblick. Sie mussten dort laut Sheriff Fred Kollar in heruntergekommenen Zelten und einem Schuppen hausen.

Mutter und Kinder seien gesundheitlich «in verhältnismäßig guter Verfassung». Keines der Kinder habe eine Schule besucht oder einen Arzt gesehen, sagte Sheriff Kollar. «Sie lebten auf diesem Gelände des Hauses in totaler Isolierung.» Nachbarn reagierten bestürzt. Die junge Frau hätten sie nie gesehen, nur gelegentlich die Mädchen, die den älteren Mann als Vater bezeichneten, berichteten Anwohner.

«Wir haben nie jemanden schreien oder um Hilfe rufen hören», sagte Nachbarin Heather McQuaid-Glace nach Angaben der «New York Times».«Er war immer seltsam», meinte Diane Doty über Garrido, deren Grundstück an das der Entführers grenzt. «Aber das Mädchen sah ich nie.»

Der festgenommene Mann war am Dienstag in Begleitung der Kinder in der Stadt Berkeley der Polizei aufgefallen, als er auf dem Universitätsgelände Flugblätter mit religiösen Schriften verteilte. Bei einer weiteren Befragung auf einer Polizeiwache am Mittwoch, zu der er die Kinder und deren Mutter «Allissa» mitbrachte, wurde dann die wahre Identität der 29-Jährigen bekannt.

«Das ist ein Wunder, sie lebend zurückzubekommen», freute sich der in Südkalifornien lebende Stiefvater am Donnerstag in einem TV- Interview. «Ich hatte 18 Jahre die Hoffnung aufgegeben», sage der 60- Jährige. Nach dem Verschwinden des Mädchens war er zeitweise als möglicher Täter unter Verdacht geraten. Erstmals seit ihrem Verschwinden traf die inzwischen 29 Jahre alte Dugard nun wieder mit ihrer Mutter zusammen. Ihre Tochter sei all die Jahre gegen ihren Willen festgehalten worden, sagte Terry Probyn dem Sender ABC. Mutter und Stiefvater leben inzwischen getrennt.

In einem Telefoninterview mit dem TV-Sender KCRA in Sacramento erklärte der mutmaßliche Kidnapper, dass dies «am Ende eine starke, herzerwärmende Geschichte» sein werde. «Eine abscheuliche Sache lief anfangs bei mir ab, aber dann habe ich mein Leben vollkommen verändert.»

Die Entführung hatte damals eine Großfahndung ausgelöst, doch das Mädchen blieb verschwunden. Die Ermittler nahmen den Fall zuletzt 2003 nach der Rückkehr der entführten 15-jährigen Elizabeth Smart unter die Lupe, berichtete der Sender CBS13. Das Mädchen war im Juni 2002 aus seinem Elternhaus in Salt Lake City (Utah) entführt und neun Monate später in Begleitung eines vagabundierenden Paares entdeckt worden.

Kriminalität / USA
28.08.2009 · 15:53 Uhr
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