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EHEC zehrt am Budget der Kliniken

Eine Krankenpflegerin betreut in Lübeck auf der Intensivstation des Universitätskrankenhauses Schleswig-Holstein eine an dem EHEC-Erreger erkrankte Patientin.Großansicht

Berlin (dpa) - Die grassierende EHEC-Epidemie reißt Löcher in die Budgets von Krankenhäusern und hat eine Kostendiskussion ausgelöst. Der Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) forderte Finanzhilfen für die Hochleistungskrankenhäuser, die Patienten mit dem lebensbedrohlichen Darmkeim behandeln. Sämtliche EHEC-Fälle müssten außerhalb des vereinbarten Budgets zum vollen Preis abgerechnet werden. Die Krankenhäuser handeln mit den Krankenkassen Budgets für eine bestimmte Anzahl von Patienten aus. Wird diese vereinbarte Patientenzahl überschritten, tragen die Kassen nur noch 35 Prozent der Kosten.

«Hierzu muss das Bundesgesundheitsministerium tätig werden, damit die Kassen sich nicht hinter den gesetzlichen Regelungen verschanzen können», erklärte VUD-Generalsekretär Rüdiger Strehl in Berlin. Der Vizepräsident der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Andreas Tecklenburg, sagte der Nachrichtenagentur dpa: «Wir Krankenhäuser mit Maximalversorgung können nicht das gesellschaftliche Risiko für Epidemien und Seuchen tragen.»

Die Kosten für die Behandlung der EHEC-Patienten seien noch nicht abzusehen, sagte der Klinik-Manager. Pfleger und Ärzte auf den betroffenen Stationen arbeiteten rund um die Uhr, andere Operationen müssten verschoben werden. «Drei Viertel einer Intensivstation ist durch EHEC blockiert», sagte Tecklenburg. Die Medizinische Hochschule Hannover versorgt derzeit knapp 50 EHEC-Patienten, darunter zwölf Kinder, die überwiegend unter der schweren Form HUS leiden.

«Wir haben schon zum zweiten Mal in diesem Jahr einen Epidemieausbruch», erklärte der MHH-Vizepräsident. Bereits im Februar hätten vor allem Unikliniken weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit sehr viele lebensbedrohlich erkrankte Patienten behandelt, die sich mit dem H1N1-Erreger, also mit Schweinegrippe, infiziert hatten. «Das ist neu in Deutschland und darauf muss reagiert werden.»

Der Berliner Gesundheitsökonom Klaus-Dirk Henke warnte im Gespräch mit «Handelsblatt Online» vor einer finanziellen Überforderung der Kliniken. «In Fällen wie der EHEC-Epidemie müsste es eine Art Feuerwehrfonds geben, der die erheblichen zusätzlichen Ausgaben auffängt», sagte der Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliche Finanzen und Gesundheitsökonomie an der Technischen Universität Berlin. Dieser Hilfsfonds könne beispielsweise gemeinsam von den privaten oder gesetzlichen Krankenkassen finanziert werden.

Gesundheit / Infektionen / Krankenhäuser
08.06.2011 · 08:56 Uhr
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