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Ed Miliband soll Labour regierungsfähig machen

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London/Manchester (dpa) - Linksruck bei der britischen Labour-Partei: Der gewerkschaftsnahe Ed Miliband ist vier Monate nach dem Machtverlust in der Downing Street zum neuen Vorsitzenden der Sozialdemokraten gewählt worden und soll die Partei aus der Opposition heraus wieder regierungsfähig machen.

Im Bruderduell setzte er sich hauchdünn mit 50,65 Prozent der Stimmen gegen seinen fünf Jahre älteren Bruder David Miliband, den früheren britischen Außenminister, durch.

Erst nach vier Auszählungsrunden schlug das Pendel im komplizierten Wahlverfahren zugunsten des früheren Energieministers im Kabinett seines Vorgängers Gordon Brown aus. Bei den ersten drei Auszählungsrunden hatte noch David geführt, aber nicht die absolute Mehrheit erreicht. Die Crux: Die meisten Labour-Abgeordneten und Parteimitglieder waren für David Miliband. Ed konnte nur durch die starke Unterstützung der Gewerkschafter, die als dritte Gruppe mitwählen durften, gewinnen.

Ed Miliband sagte am Sonntag in einem BBC-Interview, er sei nicht der «Leibeigene» der Arbeiterbewegung. «Ich bin nicht der Mann der Gewerkschaften - ich bin mein eigener Mann», sagte er. Die Partei werde unter seiner Führung nicht nach links abdriften. Er machte jedoch deutlich, dass er etwa für Steuererhöhungen für Banken statt für soziale Kürzungen eintrete, um das riesige Haushaltsdefizit in Großbritannien abzubauen.

Am Dienstag wird eine Grundsatzrede Milibands auf dem Parteitag in Manchester erwartet. Bereits unmittelbar nach der Wahl hatte er angekündigt, dass er die seit Jahrzehnten zerstrittene Partei wieder einen wolle. Beobachter glauben, dass mit der Wahl Ed Milibands auch das Ende von «New Labour» eingeläutet wurde. Unter diesem Motto hatte Tony Blair in den 1990er Jahren seinen wirtschaftsnahen Kurs verkauft. Blair selbst soll vor der Wahl von einer «Katastrophe» gesprochen haben, falls Ed Miliband gewinnt.

Eds Bruder David, der im Rennen um den Parteivorsitz schon einmal Gordon Brown den Vortritt gelassen hatte und jetzt von seinem eigenen Bruder besiegt wurde, habe auf seine Niederlage «großherzig und zuvorkommend» reagiert, sagte der neue Parteichef. Ob der frühere Außenminister weiterhin in vorderster Reihe bei Labour mitarbeiten und in ein Schattenkabinett eintreten werde, wollte Ed Miliband nicht beantworten. «Ich glaube, er braucht Zeit, um darüber nachzudenken, welchen Beitrag er leisten kann - ich glaube, er kann einen sehr großen Beitrag zur britischen Politik leisten.» Die Brüder hatten sich nach der Bekanntgabe des Ergebnisses herzlich umarmt.

Insgesamt hatten sich fünf Kandidaten um das Amt des Labour-Vorsitzenden und damit des Chefs der größten britischen Oppositionspartei beworben. «Als ich mit 17 Jahren dieser Partei beigetreten bin, hätte ich in meinen wildesten Vorstellungen nicht glauben können, einmal diese Partei zu führen», hatte Ed Miliband in einer ersten Reaktion.

«Wir müssen nicht nur Tausende, sondern Zehntausende, Hunderttausende junge Leute überzeugen, dass wir ihre Stimme in der britischen Politik sind», schwor Miliband seine Parteifreunde ein. «Ich werde in jeder Minute meines Vorsitzes versuchen, den Mitgliedern ihr Vertrauen in mich zurückzugeben», sagte er. Es gelte jetzt, die Partei zu einen. «Die Arbeit einer neuen Generation beginnt.»

Premierminister David Cameron, Chef der konservativen Tories, sagte: «Ich war selbst Oppositionsführer. Ich weiß, wie anstrengend, aber auch wie wichtig diese Aufgabe ist.» Der konservative Abgeordnete Michael Fallon sagte, Miliband sei in seinen politischen Aussagen sprunghaft. Er habe keine Antwort auf die wichtigsten Fragen. «Da ist ein großes schwarzes Loch.»

Parteien / Labour / Großbritannien
26.09.2010 · 13:59 Uhr
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