News
 

Durchbruch in Cancún - Lob für Gastgeber Mexiko

Am letzten Tag des UN-Klimagipfels wollen die Teilnehmerländer ein Scheitern abwenden.Großansicht

Cancún (dpa) - Gegen den erbitterten Widerstand Boliviens hat der UN-Klimagipfel im mexikanischen Cancún ein überraschend umfangreiches Klimaschutzpaket verabschiedet. Es kann die Basis für den dringend notwendigen Weltklimavertrag sein.

Das von den mehr als 190 Teilnehmern am Samstag verabschiedete Abkommen sieht auch einen Fonds vor, um armen Ländern bei der Anpassung an den Klimawandel zu helfen. Erstmals wird das auch Ziel, die Erderwärmung auf 2 Grad zu begrenzen, verbindlich bestätigt.

Großes Lob erntete die mexikanische Konferenzpräsidentin Patricia Espinosa, die entgegen der UN-Regeln die Einwände Boliviens ignorierte und die Konferenz damit zum erfolgreichen Abschluss brachte. Espinosa betonte, von Cancún könne ein neuer Geist für den Klimaschutz und für die Zusammenarbeit der Länder ausgehen. Mexikos Präsident Felipe Calderón erklärte: «Wenn wir jetzt nicht beginnen zu handeln (...), werden wir alle den Schaden davontragen.» Durch den Gipfel in Kopenhagen sei ein Jahr verloren worden.

Das erste verabschiedete Papier des Abkommens umfasst die Fortführung des Kyoto-Protokolls, das 2012 endet, das zweite auch die Klimaziele der USA und der Entwicklungsländer. Noch sind aber weiterhin auch viele Absichtserklärungen darin enthalten.

Die EU-Kommission bezeichnete die Einigung als Erfolg. Auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) zeigte sich erfreut. «Das ist ein bedeutender Schritt für die Wiederbelebung des internationalen Klimaschutzes», sagte er. Klimaschützer äußerten sich verhalten positiv, waren sich jedoch einig, dass die Vereinbarung nicht ausreiche, um den Klimawandel wirksam zu bekämpfen.    

Jährlich 100 Milliarden US-Dollar sollen ab 2020 zur Abfederung der Folgen des Klimawandels in den Entwicklungsländern zur Verfügung gestellt werden. Der Wald soll besser geschützt werden, weil durch die Abholzung rund 15 Prozent der CO2-Emissionen entstehen.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erklärte in Brüssel: «Die Vereinbarung von Cancún (...) ist ein wichtiger Schritt hin zu einem umfassenden und rechtlich bindenden Rahmen für ein weltweites Klima- Handeln.» 

Boliviens Delegationsleiter Pablo Solón hatte zuvor immer wieder moniert, die Entwürfe seien zu schwach, um die Erderwärmung ausreichend zu begrenzen. Röttgen betonte, die Entscheidung Espinosas, den Widerstand Boliviens zu ignorieren, sei genau richtig gewesen. «Ich finde, dass heute auch demonstriert worden ist, dass es nicht akzeptiert werden kann, dass sich ein Land allen anderen Ländern mit Erfolg entgegenstellen kann.»

In der Präambel eines der beiden angenommenen Textentwürfe bekennen sich die 194 Mitglieder der Klimarahmenkonvention von Rio (1992) dazu, dass die Erde sich um nicht mehr als zwei Grad erwärmen dürfe. Es seien «große Einschnitte» im Treibhausgasausstoß nötig. Zudem soll im Zeitraum 2013 bis 2015 geprüft werden, ob es nicht sogar ein 1,5-Grad-Ziel geben muss. Das hatten die kleinen Inselstaaten vehement gefordert.

Das verabschiedete Kyoto-Papier fordert die Industrieländer auf, ihre präsentierten Klimaschutzziele nachzubessern. Der Text verweist ausdrücklich darauf, dass die bisher vorgelegten Ziele zur Treibhausgasminderung nicht ausreichen und nennt als Beleg ebenfalls den Weltklimabericht. Nach dessen Report müssen die Industriestaaten ihre Treibhausgase bis 2020 um 25 bis 40 Prozent reduzieren, um das 2-Grad-Ziel zu erreichen. Darauf hatte vor allem die EU gedrungen. Die USA sind dem Kyoto-Protokoll nicht beigetreten, sollen aber auch stärker in die Pflicht genommen werden.

Zudem soll mit Hilfe der Weltbank ein Grüner Klimafonds etabliert werden, um arme Länder bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen. Insgesamt sehen es die Länder nach dem Entwurf als nötig an, dass von 2020 an jährlich rund 100 Milliarden Dollar (75 Mrd. Euro) an Klimahilfsgeldern zusammenkommen. Röttgen kündigte eine Initiative auf EU-Ebene an, um das Ziel von 20 Prozent weniger CO2- Emissionen bis 2020 auf 30 Prozent hochzuschrauben.

«Mit der Übereinkunft von Cancún wurde eine gute Grundlage für die kommenden Klimaverhandlungen in Südafrika gelegt», sagte WWF- Klimaexpertin Regine Günther. Greenpeace sprach von einem Zeichen der Hoffnung. «Das Ergebnis ist besser, als viele hier zeitweise befürchtet haben. Trotzdem - es ist erst der Anfang. Jetzt muss die Arbeit richtig losgehen», sagte der Leiter der Internationalen Klimapolitik von Greenpeace, Martin Kaiser.

Cancún war von vornherein als Zwischenkonferenz gedacht, um den Weg zu einem Klimavertrag vorzubereiten. Dass die Delegierten dabei so weit vorankommen würden, war nicht erwartet worden. Röttgen sagte der dpa mit Blick auf die mutigen Vorschläge, die auch das völlige Scheitern hätten auslösen können, die mexikanische Präsidentschaft habe einen Schuss freigehabt, «und der hat gesessen».

UN / Klima
11.12.2010 · 20:59 Uhr
[5 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

News-Suche

 

News-Archiv

 
Diese Woche
21.08.2017(Heute)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen