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Duisburg rüstet zur Trauerfeier

Ein großes Spruchband hängt am Zaun über dem Unglückstunnel in Duisburg.Großansicht

Duisburg (dpa) - Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) trotzt weiter der Kritik, die nun auch aus den eigenen Reihen auf ihn einprasselt. Er werde im Amt bleiben, ließ Sauerland am Freitag über seinen Sprecher bekräftigen.

Unterdessen bereitet sich die Ruhrgebietsstadt auf die Trauerfeier vor: An diesem Samstag werden mehrere zehntausend Menschen erwartet.

Bundespräsident Christian Wulff, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) wollen in der Salvatorkirche mit den Angehörigen trauern. Oberbürgermeister Sauerland und Loveparade-Chef Rainer Schaller haben angekündigt, mit Rücksicht auf die Angehörigen nicht an der Trauerfeier teilzunehmen.

Sauerland trage die politische Verantwortung und hafte damit auch politisch für mögliche Fehler seiner Mitarbeiter, sagte der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU) dem ZDF. «Ob ich eine Verfügung unterschrieben habe oder nicht, ist völlig zweitrangig.» 

Auch der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU), sieht Sauerland klar in der Verantwortung. Dass der Oberbürgermeister nach eigener Aussage keine einzige Genehmigung selbst unterschrieben habe, ließ Uhl nicht gelten. «Auflagenbescheide unterschreibt der OB nie selbst, aber sie werden in seinem Auftrag unterschrieben, und er hat als Chef der Stadtverwaltung die Verantwortung», sagte er der «Financial Times Deutschland» vom Freitag.

Unterstützung erhielt Sauerland vom Vize-Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Günter Krings (CDU): Der Oberbürgermeister dürfe nicht zum Sündenbock der Loveparade-Katastrophe gemacht werden. «Ich wundere mich schon, dass sich diese Diskussion so sehr auf eine einzelne Person konzentriert, obwohl doch klar ist, dass gerade so ein Großereignis im Vorfeld von einer Vielzahl von Personen, vor allem von einer Vielzahl von Behörden beurteilt wird», sagte Krings am Freitag der dpa. «Da machen es sich manche zu einfach. Man hat hier schon das Gefühl, dass ein Sündenbock gesucht wird.»

Der Chef des Kulturhauptstadt-Projekts «Ruhr.2010», Fritz Pleitgen, betonte, dass die Spitze der CDU Sauerland dringend helfen müsse. «Der Oberbürgermeister Sauerland ist ein sehr beliebter Oberbürgermeister gewesen, aber offensichtlich jetzt nicht der Situation gewachsen», sagte er im ZDF-«Morgenmagazin». Die Lage sei für Sauerland derzeit sehr schwierig - unter anderem auch finanziell.

Wenn Sauerland sein Amt von sich aus aufgibt, drohen ihm erhebliche finanzielle Einbußen. Er bekäme im für ihn ungünstigsten Fall nur eine vergleichsweise niedrige gesetzliche Rente. «Er verliert nicht nur die Beamtenpension als Verwaltungschef, sondern auch seine Altersbezüge als ehemaliger Berufsschullehrer», sagte der Haushaltsexperte des Bundes der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen, Heiner Cloesges, der dpa. Sollte dagegen der Rat der Stadt Sauerland abwählen, bekäme er gut 3700 Euro Pension.

Der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, forderte, die Verantwortlichen für die Katastrophe müssten klar benannt werden. «Das ist auch ein wichtiges Element für Menschen, die trauern», sagte Schneider im Deutschlandradio Kultur. Er soll am Samstag mit dem Essener Bischof Franz-Josef Overbeck den ökumenischen Gottesdienst zum Gedenken an die 21 Opfer leiten.

Der tödliche Verlauf der Duisburger Loveparade hat auch ein parlamentarisches Nachspiel. Am kommenden Mittwoch wird der Innenausschuss des nordrhein-westfälischen Parlaments zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Die Mitglieder des Innenausschusses werden dafür aus dem Urlaub zurückgerufen.

Noch immer liegen 25 Verletzte im Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter «gegen unbekannt». «Daran wird sich erst etwas ändern, wenn eine bestimmte Verantwortlichkeit gegen eine bestimmte Person erkennbar wird», sagte Sprecher Rolf Haferkamp. «Wir müssen die Kausalkette vom Ereignis zurückverfolgen und sämtliche Fakten sammeln. Da spielen sehr viele Faktoren ineinander.» Die Kölner Polizei hat 63 Beamte eingesetzt, die wegen fahrlässiger Tötung ermitteln.

Die Staatsanwaltschaft trat am Freitag Bedenken an der Neutralität der Ermittlungen entgegen: Wenn Kölner Polizisten, die am Loveparade-Einsatz teilgenommen haben, als Zeugen vernommen werden, würden dazu keine Kölner Ermittler eingesetzt. Zuvor waren die Ermittlungen aus gleichem Grund bereits der Duisburger Polizei entzogen worden.

Notfälle / Loveparade
30.07.2010 · 17:55 Uhr
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