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DOSB und DESG stehen hinter Pechstein

Berlin (dpa) - Nach der zweijährigen Sperre für Olympiasiegerin Claudia Pechstein wegen angeblichen Blutdopings haben der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) der Athletin Rückhalt gewährt.

Das DOSB-Präsidium zeigte sich «bestürzt» über die Dopingsperre gegen Pechstein, stellte aber fest, «dass ein positiver Dopingtest nicht vorliegt und die Sanktion allein auf Indizien beruht. Die Beweiskraft dieser Indizien wird von namhaften Sachverständigen bezweifelt. Es wird von dem vor dem CAS laufenden Verfahren abhängen, ob dem Internationalen Verband der Beweis eines Verstoßes gegen die Anti-Doping-Regeln gelingt», teilte das DOSB-Präsidium am Samstag in einer Stellungnahme mit.

«Es gilt nun, den Verdacht so schnell wie möglich aufzuklären», sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper der Deutschen Presse-Agentur dpa auf Anfrage. «Es ist gut, dass es jetzt neutrale Untersuchungen gibt», fügte er hinzu. Vesper bestätigte zudem, der DOSB sei «informiert, aber nicht involviert» gewesen.

Das DOSB-Präsidium unterstrich, Claudia Pechstein habe beteuert, niemals gegen Anti-Doping-Regeln verstoßen zu haben. Dies wolle sie vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS belegen. «Während bei einem positiven Test die Unschuldsvermutung aufgehoben wäre, gilt sie im vorliegenden Fall aufgrund der völlig unterschiedlichen Sachlage weiter», teilte das DOSB-Präsidium mit. Auch die DESG «steht an der Seite der Athletin und geht bis zur rechtskräftigen Verurteilung von ihrer Unschuld aus», heißt es in einer vom Verbandspräsidenten Gerd Heinze und Anwalt Marius Breucker unterzeichneten Erklärung.

Die Disziplinarkommission der Internationalen Skating Union (ISU) hatte bei Claudia Pechstein im Rahmen der Weltmeisterschaften in Hamar am 6./7. Februar erhöhte Werte bei Retikulozyten (junge rote Blutkörperchen) festgestellt. Andere Blutwerte, die auf Doping hindeuten könnten - etwa Hämoglobin oder Hämatokrit -, seien unauffällig gewesen, teilte die DESG mit. Die ISU stützte ihren Vorwurf darauf, dass ein erhöhter Retikulozyten-Wert nur durch Blutdoping zu erklären sei.

Im Verfahren hinzugezogene Sachverständige hielten die von der ISU erhobenen Daten wegen offenkundiger Fehler nicht für verlässlich. Mögliche Ursachen eines erhöhten Retikulozyten-Wertes könnten in einer Krankheit oder Anomalie des Blutes liegen. Aufgrund eines einzelnen Blutwertes sei ein verlässlicher Doping-Nachweis nicht zu führen. Pechstein bot an, sich auf mögliche Anomalien untersuchen zu lassen. Die aufwendige Diagnostik kann allerdings Wochen oder Monate dauern. Die Athletin erklärte sich zudem zu einem mehrwöchigen Screening mit lückenloser Erhebung sämtlicher Blutwerte und EPO-Tests bereit, um ihre Unschuld zu beweisen.

Die aus Mitgliedern der ISU bestehende Disziplinarkommission war der Auffassung, Pechstein hätte den Beweis einer Blutkrankheit schon vor der mündlichen Verhandlung erbringen können. Die Athletin kannte die medizinischen Hintergründe seit Ende Mai und hatte im Juni eine umfangreiche Diagnostik eingeleitet, die allerdings noch nicht abgeschlossen ist. Die Disziplinarkommission war daher der Auffassung, Pechstein trage die Beweislast und sei zu sperren.

Eisschnelllauf / Doping
04.07.2009 · 14:59 Uhr
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