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DIW: Armutsrisiko in Deutschland steigt

Ein Obdachloser bettelt an einem Fußgängerüberweg in Berlin. (Archivbild)Großansicht
Berlin (dpa) - Jeder siebte Bürger in Deutschland lebte nach einer Studie 2008 an der Grenze zur Armut oder war arm. Das waren 11,5 Millionen Menschen und damit rund ein Drittel mehr als noch vor zehn Jahren, berechnete das Deutsche Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Nach der am Mittwoch vorgelegten Studie sind Kinder und junge Erwachsene besonders betroffen: Fast ein Viertel der 19- bis 25- Jährigen war 2008 armutsgefährdet. Die «Armutsrisikoschwelle» liegt laut EU-Kommission bei 60 Prozent des mittleren Einkommens eines Landes. Als arm gilt, wer weniger als 50 Prozent hat. In Deutschland lag das Durchschnittsentgelt 2009 brutto bei rund 30 900 Euro.

Für das steigende Armutsrisiko unter jungen Menschen nennen die Wissenschaftler vor allem drei Gründe: Die Ausbildung dauert länger und es gibt mehr Hochschulabsolventen, so dass sich der Start ins Berufsleben verzögert. Hinzu kommen schlecht bezahlte Einstiegsjobs sowie der Trend, früher aus dem Elternhaus auszuziehen.

Bei Familien wächst das Risiko mit der Kinderzahl: 22 Prozent der Drei-Kind-Haushalte sind betroffen, bei vier oder mehr Kinder sogar 36 Prozent der Familien. Zudem leben auch mehr als 40 Prozent der Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern an der Armutsgrenze oder darunter. Bei Rentnern ist Armut aktuell kein größeres Problem.

«Höhere Hartz-IV-Sätze reduzieren zwar Einkommensdefizite», so Mitautor Markus Grabka. Aber das Gießkannenprinzip, etwa bei einer Kindergelderhöhung von 20 Euro, bringe nicht viel. Sinnvoller seien Investitionen in Kinderbetreuung und in verbesserte Erwerbschancen für Alleinerziehende und Familien mit jungen Kindern.

Auch nach Ansicht des Bankenverbandes ist Altersarmut in Deutschland kein Massenphänomen. Lediglich 2,5 Prozent der über 64- Jährigen hätten 2008 die Grundsicherung in Anspruch genommen. Dieser Anteil werde sich in den kommenden Jahren nicht nennenswert erhöhen. «Eine generelle Gefahr der Altersarmut ist für die Zukunft nicht zu erkennen», erklärte der Bundesverband deutscher Banken. Allenfalls langfristig sei ein Anstieg nicht auszuschließen.

Es seien aber Anpassungen am Altersvorsorgesystem nötig. Die Einführung einer Mindestrente oder eine Höherbewertung von Zeiten der Langzeitarbeitslosigkeit seien zur Problemlösung ungeeignet. Der Verband plädiert dafür, Selbstständige zum Abschluss einer privaten Altersvorsorge zu verpflichten. «Ihre Eingliederung in die gesetzliche Rentenversichewrung wäre nur eine Scheinlösung.»

Die Politik sollte auch Menschen, die Risikogruppen zuzurechnen sind, besseren Zugang zur kapitalgedeckten Altersvorsorge zu verschaffen. Bei Abschluss jedes Arbeitsvertrages sollte automatisch ein Beitritt zur betrieblichen Altersvorsorge erfolgen, damit mehr Menschen davon profitieren. Darüber hinaus müssten die Hemmnisse beseitigt werden, die bisher Arbeitnehmer von der betrieblichen Altersvorsorge und der «Riester-Rente» abhielten.

SoVD-Präsident Adolf Bauer forderte die Bundesregierung auf, umgehend Sofortmaßnahmen gegen Kinderarmut zu ergreifen. Eine direkte Entlastung der Betroffenen könne erreicht werden, indem das Kindergeld nicht mehr vollständig auf den Hartz-IV-Bezug angerechnet wird.

Arbeitsmarkt / Soziales
17.02.2010 · 15:49 Uhr
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