News
 

Die Spitzenkandidaten in Kurzporträts

Der CDU-Landesvorsitzende und Spitzenkandidat Jost de Jager will Nachfolger von Peter Harry Carstensen (eingeblendet) werden. Foto: Marcus BrandtGroßansicht

Kiel (dpa) - Jurist, Redakteur, Literat, Anwalt, Lehrerin, Erzieherin, Großhandelskaufmann - die sieben Spitzenkandidaten bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 6. Mai bieten eine große Bandbreite von Berufen und Persönlichkeiten:

JOST DE JAGER (CDU): Der 47-Jährige will den populären Peter Harry Carstensen als Regierungschef beerben. «Ich habe vielleicht eine andere Art, auf die Menschen zuzugehen, aber sie fremdeln nicht mit mir und ich nicht mit ihnen», sagt der Wirtschaftsminister und weist das Image eines spröden Aktenfressers von sich. Er sieht sich als Teamplayer mit Macherqualitäten. Als der Pastorensohn beim Evangelischen Pressedienst volontierte, fragte ein CDU-Abgeordneter, ob er sein Nachfolger werden wolle. 1996 kam de Jager in den Landtag, 2005 wurde er Staatssekretär, 2009 Minister und 2011 CDU-Landeschef. Als zentrale Herausforderung sieht er die Energiewende.

TORSTEN ALBIG (SPD): Der 48-Jährige hat schon einiges hinter sich. Als Sprecher der Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine, Hans Eichel und Peer Steinbrück war er in der großen Politik zu Hause, 2009 wurde er überraschend klar Oberbürgermeister in Kiel. 2011 gewann Albig das Duell um die SPD-Spitzenkandidatur gegen Landesparteichef Ralf Stegner. Nun will er Ministerpräsident werden - an der Spitze einer Koalition mit den Grünen. Darauf steuert der Jurist und glühende Anhänger des Handballclubs THW Kiel selbstbewusst zu. Albig ist Pragmatiker, sagt aber, er sei von Rot-Grün überzeugt. Sein Auftreten wirkt manchmal pastoral: «Sie können mich in einen Gottesdienst stellen, und die Leute würden ganz zufrieden rausgehen.»

WOLFGANG KUBICKI (FDP): Der 60-Jährige will die FDP vor dem parlamentarischen Aus bewahren, in Kiel und als Wahlkampfhelfer von Christian Lindner auch in Nordrhein-Westfalen. Mit dem Spruch «Wählen Sie doch, was Sie wollen» blickt Kubicki selbstbewusst von den Wahlplakaten. Bis zu 9 Prozent hält er für möglich, auch wenn die Umfragen die FDP unter 5 Prozent sehen. 2009 schaffte Kubicki mit dem Rekordergebnis von 14,9 Prozent die erträumte Regierungsbeteiligung an der Seite der CDU. Der Fraktionschef steht für liberale Werte und Freiheitsrechte. Der Schnellredner und Scharfdenker zieht gern Strippen - auch mit Blick auf die Bundespartei. Dort stöhnt man nicht selten über ihn. Kubicki ist inzwischen stolzer Opa.

ROBERT HABECK (Grüne): Der 42-jährige Schriftsteller kam erst vor zehn Jahren in die Politik, aber dann ging es rasend schnell. Bald übernahm der gebürtige Lübecker den Landesvorsitz und wurde als Kandidat für grüne Führungsposten im Bund gehandelt. Im Norden profilierte er die Partei in der Opposition als eigenständige programmatische Kraft, seit 2009 als Fraktionschef. Studiert hat er Germanistik, Philosophie und Philologie. Habeck steht für eine neue Offenheit der Grünen gegenüber anderen Parteien inklusive CDU. Im Wahlkampf kam er um eine Präferenzaussage zugunsten der SPD nicht herum, schließt aber ein Bündnis mit der CDU nicht aus. «Rot-Grün ist kein Selbstzweck», sagt er.

ANTJE JANSEN (Linke): Die 62-Jährige gehörte in den 90er Jahren noch zur Parteispitze der Nord-Grünen und vertrat dort den Fundi-Flügel. Im Jahr 2000 verließ die gelernte Erzieherin die Partei wegen des Streits über den Krieg auf dem Balkan und ging fünf Jahre später zur Linken. Heute nennt sich die Fraktionschefin im Landtag selbst Realpolitikerin. «Das müssen die Linken zum Teil noch ein bisschen lernen, dass sie in die Parlamente gewählt wurden, um etwas für die Menschen zu machen», sagt sie. Jansen agiert vor allem als Sozialpolitikerin. Aus ihrer grünen Vergangenheit hat sie einiges bewahrt. «Ich ernähre mich bio, setze mich für die Erhaltung der Natur ein und stricke immer noch meine Strümpfe.»

ANKE SPOORENDONK (Südschleswigscher Wählerverband): Der 64-Jährigen wurde der politische Werdegang quasi in die Wiege gelegt. Schon ihr Vater war für die Partei der dänischen Minderheit aktiv und schickte seine Tochter in eine dänische Schule. Sie studierte in Kopenhagen Geschichte und Germanistik, arbeitete dann an einer dänischen Schule in Flensburg. Im Landtag beerbte sie 1996 die SSW-Legende Karl Otto Meyer. Im Landtag sorgt Spoorendonk dafür, dass sich der kleine SSW im Meinungsstreit mit der Konkurrenz behaupten kann. Sie ersehnt einen Regierungswechsel, weil Mittelkürzungen durch CDU und FDP zulasten der Minderheit gingen. Der SSW würde einer rot-grünen Regierung beitreten.

TORGE SCHMIDT (Piraten): Der 23-Jährige liebt intelligente Computer-Rollenspiele sowie American Football und will nun als Spitzenkandidat mit den Piraten erstmals in den Kieler Landtag. Für den Wahlkampf hat sich der Großhandelskaufmann unbezahlten Urlaub genommen. Er sympathisiert schon seit 2007 mit den Newcomern, seit 2009 ist er Mitglied. Was ihn politisch bewegt? «In der Netzpolitik ist vieles schief gelaufen», sagt Schmidt. Und: «Neues mit aufzubauen ist viel schöner als Altes zu renovieren.» Politische Standpunkte: Schuldenbremse einhalten, keine weiteren Schulreformen, bäuerliche Landwirtschaft ohne Gentechnik statt Agrarindustrie, Datensparsamkeit in der Landesverfassung verankern.

Wahlen / Landtag / Schleswig-Holstein
06.05.2012 · 08:28 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

News-Suche

 

News-Archiv

 
Diese Woche
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen