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Die Katastrophe ist Ansporn für Japans Frauen-Elf

Frauen-WM 2011 - Deutschland - JapanGroßansicht

Tokio (dpa) - Gute Nachrichten sind in Japan in diesen schweren Zeiten der Natur- und Atomkatastrophe selten - umso bedeutender ist der Sieg, den Nippons Fußball-Frauen über Deutschland errangen.

Entsprechend groß ist der Jubel in der Heimat: «Ein historischer Sieg», «Klasse, erstmals im Halbfinale!» - mit derlei begeisterten Kommentaren reagierte Japans Sportpresse auf den Sensationserfolg der Frauen-Elf von Trainer Norio Sasaki.

Ein Erfolg, der nicht nur den Spielerinnen Ansporn verleiht - mit diesem Sieg wollten die Frauen um Kapitän Homare Sawa zugleich ein Signal an die Erdbeben- und Tsunami-Opfer und deren Angehörige zu Hause im fernen Japan senden. Ein Sieg, der Mut machen und aufmuntern soll.

Rückblende: Vier Stunden vor dem Anpfiff versammelt sich die Mannschaft in einem Zimmer ihrer Unterkunft vor einem Bildschirm, wie der japanische Sportnachrichtendienst Sanspo berichtet. Doch was die Frauen zu sehen bekommen, ist keine Videoanalyse des deutschen Viertelfinalgegners. Die Bilder, die über den Bildschirm flimmern, haben mit Fußball überhaupt nichts zu tun: Es sind Bilder aus der Katastrophenregion im Nordosten des Landes, wo ein Megabeben und ein Jahrhundert-Tsunami vor genau vier Monaten unbeschreibliche Verwüstungen angerichtet und Tausende in den Tod gerissen hat.

Am Ende erscheint der Satz auf dem Bildschirm: «Was ist es, was wir jetzt tun können?» Jeder der Spielerinnen im Raum stehen in diesem Moment laut Sanspo Tränen in den Augen. Doch alle verstehen sofort die Botschaft. «Ich habe den Spielerinnen gesagt, sie sollen, wenn es wirklich hart wird, an die Opfer der Katastrophe denken und sich weiter anstrengen», wird Trainer Sasaki zitiert.

«Japan macht wirklich harte Zeiten durch. Was wir tun können, ist, über das Fernsehen zu zeigen, wie wir uns anstrengen», sagte Stürmerin Karina Maruyama. Sie war es denn auch, die ihre Mannschaft am Ende in der Verlängerung zum Sieg gegen den WM-Gastgeber schießen sollte. Und ihre Nationalmannschaftskollegin Yuki Nagasato, die in der Bundesliga für Turbine Potsdam stürmt, meinte im Interview der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung»: «Wir hoffen, dass sich die Menschen zu Hause mit uns freuen. Das wäre schön, wenn wir damit etwas bewegen könnten.»

Auch wenn die Fußball-WM bislang keine gewaltige Aufmerksamkeit in Japan genoss und die Spiele nur über Satellitenfernsehen zu sehen sind, so löste die Nachricht vom Erfolg im fernen doitsu dennoch Freude und Jubel aus. «Sie haben die Geschichte neu geschrieben», meinte eine begeisterte Anhängerin der Mannschaft, die das Spiel mit anderen Fans in einer Sportbar im Tokioter Szenestadtteil Shibuya verfolgt hatte. «Ich bin den Spielerinnen so dankbar, dass sie bis zum Schluss gekämpft haben.»

Die Mannschaft selbst zeigte sich auch dankbar - für die weltweite Tsunami-Hilfe. Vor dem 1:0-Sieg im WM-Viertelfinale trugen die Spielerinnen ein Plakat mit der Aufschrift «Thank You For Your Support» (Danke für Eure Unterstützung) ins Wolfsburger Stadion.

Fußball / WM / Frauen / Japan
11.07.2011 · 12:23 Uhr
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