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DGB-Chef: Defizite bei Behebung des Fachkräftemangels

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Berlin (dpa) - Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, hat der Bundesregierung Defizite bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels vorgeworfen. «Sie hat es nicht geschafft, die inländischen Fachkräftepotenziale zu heben», sagte Sommer der dpa in Berlin.

«Das Jammern von Arbeitgebern und Regierung über einen "Fachkräftemangel" ist unglaubwürdig, solange immer noch zu wenig getan wird für die Beschäftigung und Weiterbildung von jungen Menschen, Frauen, Migranten und älteren Beschäftigten.»

Sommer äußerte sich mit Blick auf ein Treffen am kommenden Dienstag, zu dem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Spitzen der großen Wirtschaftsverbände und der Gewerkschaften ins Gästehaus der Bundesregierung auf Schloss Meseberg nördlich von Berlin eingeladen hat. Bei dem Gedankenaustausch geht es um die Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Beschlüsse sind nicht zu erwarten. Allerdings soll eine Bilanz des Treffens von vor einem Jahr gezogen werden. Damals stand die Sicherung des Fachkräftebedarfs im Mittelpunkt.

Sommer hält es für richtig, dass die Bundesregierung mit den Sozialpartnern über das Thema Fachkräftebedarf und die Sicherung des Wohlstandes redet. «Aber Reden ist Silber, Handeln ist Gold: Die Bundesregierung muss die Herausforderungen endlich anpacken.» Fachkräftebedarf sieht der DGB-Chef in der Pflege-, Gesundheits- und IT-Branche, nicht jedoch einen allgemeinen Fachkräftemangel.

Noch immer gebe es 1,5 Millionen junge Menschen ohne Berufsabschluss, die auf ihre zweite Chance warteten. Auch bei der Beschäftigung von Älteren sei «so gut wie nichts passiert». Und bei Langzeitarbeitslosen regiere der Rotstift. «Mit diesen Maßnahmen verschwendet die Bundesregierung leichtsinnig die vorhandenen Potenziale.»

Scharf kritisierte er das geplante, aber auch koalitionsintern umstrittene Betreuungsgeld. Es ist für Eltern gedacht, die für ihre Kinder keinen Kita-Platz beanspruchen. Die dafür vorgesehenen Milliarden seien in den Wind geschossen, sagte Sommer. «Statt mit einer guten Kinderbetreuung mehr Frauen in Arbeit zu bringen, wird mit dem Betreuungsgeld ein rückwärtsgewandtes Signal gesendet.»

Die Sicherung des Wohlstands in Deutschland wird nach Sommers Überzeugung nur durch konsequente Umsetzung der Energiewende gelingen. «Leider hat die Bundesregierung auch auf diesem Weg wertvolle Zeit verloren.» Notwendig für Wachstum und Wohlstand seien «gute Arbeit und innovative Produkte». «Mit niedrigen Löhne und einem Abbau von Arbeitnehmerrechten werden wir die Herausforderungen der Zukunft mit Sicherheit nicht bewältigen», sagte der DGB-Chef.

Arbeitsmarkt / Wirtschaftspolitik / Gewerkschaften
03.06.2012 · 11:36 Uhr
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