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DGB besorgt über Trend zum Doping im Job

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Berlin (dpa) - Viele Arbeitnehmer putschen sich mit Pillen für den Job auf - jetzt warnt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) vor einem Anstieg von Doping am Arbeitsplatz wegen zunehmenden Drucks in der Wirtschaftskrise. Die Medikamente können Gesunde krank und süchtig machen.

Viele Arbeitnehmer griffen zu leistungssteigernden Mitteln, um wachsendem Stress vermeintlich gewachsen zu sein, sagte DGB- Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach den «Ruhr Nachrichten» (Dienstag). Rund 800 000 Bundesbürger greifen laut einer Studie gegen Stress und Konflikte am Arbeitsplatz regelmäßig zu Pillen. Rund zwei Millionen gesunde Arbeitnehmer in Deutschland wollten trotz hohen Suchtrisikos schon einmal ihre Leistung oder Laune mit Medikamenten steigern.

Buntenbach warnte vor langfristig fatalen gesundheitlichen Folgen. Doping am Arbeitsplatz und verschleppte Krankheiten brächten massive finanzielle Folgekosten für die Unternehmen und die Sozialsysteme. Der DGB forderte die Arbeitgeber zu vernünftigen Arbeitsbedingungen auf. «Die Antwort auf die Krise darf nicht heißen: weitere Verdichtung von Arbeit und mehr Druck am Arbeitsplatz», sagte Buntenbach.

Knapp 20 Prozent akzeptieren laut einer Umfrage der Deutschen Angestellten Krankenkassen DAK schon derzeit Stimmungsaufheller grundsätzlich gegen Probleme, für mehr Leistung und eine bessere Stimmung im Job. Für DAK-Chef Herbert Rebscher sind die Zahlen ein Alarmsignal. «Der Wunsch, immer perfekt sein zu müssen, lässt sich auch durch Medikamente nicht erfüllen», mahnte Rebscher bei der Vorstellung der Studie im Februar. Mit der Erhebung hatte die Kasse für Aufsehen gesorgt.

Buntenbach warnte zudem: «Aus der Sorge heraus, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, schleppen sich die Beschäftigten sogar krank zur Arbeit.» Die Arbeitnehmer in Deutschland melden sich zudem seit Jahren immer seltener krank - die Wirtschaftskrise könnte diese langjährige Entwicklung nach Expertenansicht zusätzlich begünstigen.

Im ersten Halbjahr 2009 lag der Krankenstand in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im Schnitt bei 3,24 Prozent gemessen an den Arbeitnehmern, hatte das Bundesgesundheitsministerium am Montag berichtet. 1995 lag der Krankenstand noch bei 5,07 Prozent. Er sank seither aber mit kleineren Schwankungen kontinuierlich.

Den Versuch, Leistung mit Rauschmitteln zu steigern, gab es bei verschiedenen Völkern in der Geschichte schon immer. Mit der Arbeitsverdichtung werden die Anforderungen nach Expertenansicht größer, die Hemmschwelle sinkt für einen Einsatz im Job.

Gesundheit / Arbeit
14.07.2009 · 11:11 Uhr
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