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DFB will im Wettskandal schnell bestrafen

Für Theo Zwanziger, den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist der Wettskandal im Fußball auch ein gesamtgesellschaftliches Phänomen.Großansicht
Koblenz (dpa) - Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will die am neuen Wettskandal beteiligten Spieler und Funktionäre möglichst schnell bestrafen.

Sobald beweiskräftige Unterlagen vorliegen, «wird unser Sportgericht und der Kontrollausschuss die sportgerichtlichen Maßnahmen treffen und das entsprechend ahnden», sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger am Samstag am Rande seines Besuchs auf dem Turntag des Deutschen Turner-Bundes (DTB) in der Rhein-Mosel-Halle in Koblenz. Das sportgerichtliche Urteil könne «vielleicht sogar weit vor einer Anklageerhebung und einer richterlichen Entscheidung» fallen.

Der DFB werde auch der Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen helfen. «Sobald wir wissen, gegen wen ermittelt wird, werden wir der Staatsanwaltschaft natürlich alles zur Verfügung stellen, was sie braucht», sagte Zwanziger. «Es liegt ganz in unserem Sinne, dass die Staatsanwaltschaft das so aggressiv angeht.»

Menschen, die den Fußball für ihre kriminellen Zwecken ausnutzten, müssten aus dem Sport entfernt werden, sagte Zwanziger. «Wenn wir die Dinge unter den Teppich kehren würden, dann hätten wir das schleichende Gift der Betrügereien und Manipulationen in unserem Haus.» Am Freitag war Europas Fußball vom größten Betrugsskandal seiner Geschichte erschüttert worden. Laut Staatsanwaltschaft Bochum stehen rund 200 Spiele in mehreren europäischen Ländern unter Manipulationsverdacht, es gebe «bisher über 200 Tatverdächtige».

Zwanziger bekannte, dass er schon lange von den Ermittlungen wusste. «Das ist ja gar nichts Neues. Wir wussten, dass die Staatsanwaltschaft sich einem Ergebnis nähert.» Der DFB will nun prüfen, ob das nach dem Betrugsskandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer 2005 installierte Frühwarnsystem auf dem Wettmarkt Mängel hat. «Ich will jetzt noch nicht sagen: "Es hat versagt." Ich glaube das wäre zu viel. Aber wir müssen gucken, warum wir nicht gewarnt worden sind», sagte Zwanziger.

Der DFB-Boss forderte zudem die Hilfe der Europäischen Union und der Nationalstaaten bei der Bekämpfung von Betrügereien auf dem Wettmarkt. Nur mit staatlicher Unterstützung könne es gelingen, ein unter klaren Auflagen stehendes Sportwettenangebot zu entwickeln, «das in allen Ländern möglichst gleich gehandhabt wird». Es sei klar, dass der Fußball ein hohes «Gefährdungspotenzial» habe, sagte er.

Für ihn ist der Wettkandal aber auch ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. «Das ist Kriminalität.» Diese Betrügereien gebe es nicht nur im Sport, sondern «auf allen Ebenen» der Gesellschaft. «Wo Geld ist, da ist auch Korruption. Der entscheidende Punkt ist, wie gehen die Sportler damit um», sagte er.

«Wir haben 1,4 Millionen Fußballspiele und wenn da 32 Spiele von der Staatsanwaltschaft in Deutschland untersucht werden, dann ist das gut für uns, weil es zeigt, dass wir diese Dinge nicht als Kavaliersdelikt abtun», sagte Zwanziger. «Und wenn die Fans wissen, dass wir diese Dinge (...) ehrlich, offen, transparent und konsequent abarbeiten, dann hab ich überhaupt keine Sorge um das Vertrauen in den Fußball.»

Fußball / Kriminalität / Wetten
21.11.2009 · 13:11 Uhr
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