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DFB für schnelles Handeln gegen die Wettmafia

Theo ZwanzigerGroßansicht
Hamburg (dpa) - Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will im Kampf gegen die Wettmafia keine Zeit verlieren und hat eine möglichst schnelle Bestrafung der beteiligten Spieler sowie Funktionäre angekündigt.

Sobald beweiskräftige Unterlagen vorlägen, «wird unser Sportgericht und der Kontrollausschuss die sportgerichtlichen Maßnahmen treffen und das entsprechend ahnden», sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger am Samstag in Koblenz. Das sportgerichtliche Urteil könne «vielleicht sogar weit vor einer Anklageerhebung und einer richterlichen Entscheidung» fallen.

Unterdessen hat der angeblich in den Wettskandal verwickelte Profi Thomas Reichenberger vom VfL Osnabrück eine Beteiligung an Spielmanipulationen dementiert. Vor der Drittliga-Partie am Samstag gegen die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund (4:1) trat der 35- Jährige samt Teamkollegen vor die Fans und beteuerte seine Unschuld. «Ich hatte nie Kontakt mit der Wettmafia und habe mit dem Wettskandal nichts zu tun. Ich habe nie ein Spiel manipuliert oder Geld dafür genommen, schlecht zu spielen oder zu verlieren», bekräftigte er.

Von seinem Club erhält Reichenberger Rückendeckung. «Die Verantwortlichen des VfL Osnabrück stehen geschlossen hinter Thomas Reichenberger», sagte Vereins-Präsident Dirk Rasch auf «ZEIT ONLINE». Uli Hoeneß, der Manager des FC Bayern München, versuchte in WDR 2 die Aufregung zu relativieren: «Solange es Verbrecher gibt, wird es so etwas geben. Es ist schlimm, aber ich finde es jetzt nicht so dramatisch, dass man sich stundenlang darüber aufregen muss.» Auch sein Kollege Klaus Allofs mahnte zur Besonnenheit. «Das wichtigste aber ist jetzt, nicht zu spekulieren und Anschuldigungen anzustellen», sagte der Manager von Werder Bremen in «LIGA total!».

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger vertraut bei der Aufarbeitung der Betrügereien auf das geltende Strafrecht. Die Verurteilungen der Vergangenheit etwa von Herrn Hoyzer und Herrn Sapina im Wettskandal 2005 würden zeigen, dass auch auf der Basis des geltenden Rechts Manipulationen und Betrugsvorwürfe im Sport sachgerecht geahndet werden können, sagte die Politikerin dem Berliner «Tagesspiegel am Sonntag».

Bei den Ermittlungen will der DFB die Staatsanwaltschaft unterstützen. «Sobald wir wissen, gegen wen ermittelt wird, werden wir der Staatsanwaltschaft natürlich alles zur Verfügung stellen, was sie braucht», sagte Verbands-Präsident Zwanziger. «Es liegt ganz in unserem Sinne, dass die Staatsanwaltschaft das so aggressiv angeht», ergänzte er. Für das Online-Glücksspiel-Unternehmen bwin besteht ein Ansatz in der Neuausrichtung des Online-Glücksspiels in Europa. Nur ein regulierter Markt mit seriösen Anbietern könne Wettskandale künftig vermeiden, sagte Vorstand Norbert Teufelberger.

Seit Freitag steht Europas Fußball vor dem größten Betrugsskandal seiner Geschichte. Laut Staatsanwaltschaft Bochum stehen rund 200 Spiele in mehreren europäischen Ländern unter Manipulationsverdacht, es gebe «bisher über 200 Tatverdächtige». In Deutschland sind nach vorläufiger Darstellung der Staatsanwaltschaft und der Polizei Bochum insgesamt 32 Spiele der 2. und 3. Liga sowie der Regional- und Oberliga betroffen.

Mit Belgien, der Schweiz, Österreich, Slowenien, Kroatien, Bosnien, der Türkei und Ungarn sind acht weitere Länder ebenfalls im Visier. Größtenteils sollen dort Erstligaspiele betroffen sein. Für Betrügereien sollen nach Medienberichten zwischen 5000 und 30 000 Euro geflossen sein. Im Zuge der mutmaßlichen Betrügereien seien zehn Millionen Euro ausgezahlt worden sein.

Zudem dokumentierte die «Süddeutsche Zeitung» am Samstag auf ihrer Internetseite verdächtige Partien. Dabei handele es sich um zwei Profispiele in der Schweiz, zwei in Belgien sowie eines in Kroatien und eines in der Türkei. Nach Angaben des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» soll außerdem wieder ein Schiedsrichter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ins Visier der Ermittler geraten sein. So soll ein Unparteiischer bei einem Spiel der Regionalliga Süd im Mai Schmiergeld von den mutmaßlichen Wett-Betrügern kassiert haben.

Auch der Regionalligist SSV Ulm soll tiefer in den neuen Wettskandal verwickelt sein. Vier Partien in der Endphase der vergangenen Saison sollen angeblich unter Manipulationsverdacht stehen. «Wir gehen davon aus, dass wir von dem Wettskandal nicht betroffen sind«, erklärte Ulms Vize-Präsident Mario Meuler.

Fußball / Kriminalität / Wetten
21.11.2009 · 21:57 Uhr
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