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Deutschland hat ein Alkoholproblem

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Berlin (dpa) - Viele Deutsche trinken zu viel - immer öfter sogar, bis sie ins Koma fallen. Jeder Bundesbürger nahm im Jahr 2008 im Durchschnitt umgerechnet 9,9 Liter reinen Alkohol zu sich. Das geht aus dem Jahrbuch Sucht 2010 hervor, das die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) vorgestellt hat.

Auch wenn der Verbrauch im Vergleich zu 2007 gleich blieb: «Es ist natürlich viel zu hoch», sagte DHS-Geschäftsführer Raphael Gaßmann. Das Problem der Medikamentenabhängigkeit wird nach Ansicht der Experten ebenfalls größer.

Deutschland liegt beim Alkoholkonsum weltweit in der Spitzengruppe. Nach Luxemburg, Irland, Ungarn und Tschechien kommt Deutschland auf Platz fünf. Die DHS beruft sich auf einen Vergleich der Weltgesundheitsorganisation WHO unter 34 Ländern von 2003, der im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde.

Drastisch nimmt das Komatrinken zu: Rund 109 300 Menschen kamen 2008 mit akutem Rausch ins Krankenhaus. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes doppelt so viele wie im Jahr 2000. Rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland gelten als alkoholabhängig. Die DHS sieht eine regionale Häufung bei Krankenhausfällen eher in Bayern als im Norden. Der Umgang mit Alkohol könne dort ein anderer sein, sagte Gaßmann. Er fordert eine großangelegte Kampagne gegen Alkohol.

Die Suchtexperten zeigten sich besorgt über etwa zwei Millionen Menschen, die von Medikamenten abhängig seien. Dies sei immer mehr ein Problem Älterer, vor allem von Frauen. Fünf Prozent aller Arzneimittel könnten potenziell süchtig machen, sagte DHS-Experte Armin Koeppe. 40 Prozent der über 65-Jährigen nähmen acht Wirkstoffe und mehr ein.

Von Komatrinken sind vor allem Jugendliche, aber auch Senioren betroffen. Im Jahr 2008 mussten rund 25 700 Kinder und Jugendliche ins Krankenhaus gebracht werden, eine Steigerung um fast das Dreifache im Vergleich zu 2000. Noch deutlicher ist der Anstieg bei Senioren. Rund 430 Menschen zwischen 80 und 85 Jahren wurden eingeliefert, mehr als dreimal so viele wie im Jahr 2000.

Die Vorliebe der Bundesbürger für Bier ging zurück. Jeder Deutsche trank 2008 durchschnittlich rund 111 Liter Bier, 0,6 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Dagegen wurde Sekt beliebter. Der Verbrauch von Schaumweinen stieg um 2,6 Prozent auf 3,9 Liter. Der Weinkonsum nahm um 0,5 Prozent auf 20,7 Liter zu.

Von riskantem Trinken sprechen die Experten, wenn Frauen umgerechnet mehr als 12 Gramm reinen Alkohol pro Tag trinken, also etwa einen Viertelliter Bier. Bei Männern ist diese Grenze bei der doppelten Menge, 24 Gramm pro Tag, erreicht.

Der Pro-Kopf-Verbrauch an Zigaretten sank 2008 von 1112 auf 1068 Stück - also von 3 auf 2,9 Zigaretten pro Tag. «Wir haben eine veränderte gesellschaftliche Einschätzung zum Rauchen», sagte DHS- Geschäftsführer Raphael Gaßmann. Das Rauchverbot in Gaststätten und in der Bahn, die höhere Tabaksteuer und das Werbeverbot in Zeitungen, Zeitschriften und im Internet hätten dazu beigetragen. Bis zu 140 000 Todesfälle gebe es noch immer durch das Rauchen.

Jahrbuch Sucht 2010

Sucht / Drogen
07.04.2010 · 18:03 Uhr
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