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Deutscher über drei Monate in Raumschiff-Nachbau

Bundeswehr-Hauptmann Oliver Knickel lebte drei Monate in einem nachgebauten Raumschiff in Moskau.Großansicht
Moskau (dpa) - Nach mehr als drei Monaten Aufenthalt in einem nachgebauten Raumschiff sind ein Deutscher, ein Franzose und vier Russen in Moskau mit Erleichterung in die Freiheit entlassen worden.

«Das größte Problem war die Monotonie, denn die meisten Tagesabläufe waren identisch», sagte der 29-jährige Oliver Knickel am Dienstag. Der sonst in Eschweiler bei Aachen stationierte Bundeswehr-Hauptmann hatte mit den anderen fünf Männern seit Ende März 105 Tage lang einen Flug zum Mars simuliert. Je nach Stellung der Planeten beträgt die direkt Entfernung zwischen Mars und Erde rund 55 bis 400 Millionen Kilometer. Das Langzeit-Experiment im Institut für biomedizinische Probleme soll Wissen für eine Mission zum Roten Planeten in einigen Jahrzehnten bringen. Eine solche Reise würde vermutlich fast zwei Jahre dauern.

«Am meisten habe ich meine Freundin vermisst», sagte der gebürtige Düsseldorfer Knickel nach der «Landung». Während des Experiments hätten alle Crew-Mitglieder an Gewicht verloren, allein er habe fast vier Kilogramm abgenommen. Für das nächste Experiment, das im März 2010 in Moskau für 520 Tage beginnen soll, «empfehle ich größere Mahlzeiten», sagte Knickel nur halb im Scherz. Die Nahrung wurde komplett aus Deutschland geliefert, und etwas anderes durften die «Versuchskaninchen» nicht essen. Wissenschaftler der Universität Erlangen nutzten die einmalige Isolation, um die Balance des Salz- und Wasserhaushalts zu analysieren.

Nachdem die Luke des Moduls von außen geöffnet wurde, stieg die Crew lächelnd aus dem röhrenförmigen Modell - Knickel an dritter Stelle mit angenähter Deutschland-Fahne am blauen Overall. Mitarbeiter des Moskauer Instituts sowie Familienangehörige der «Marsianer» und Journalisten applaudierten den Männern. «Jetzt haben wir eine Menge Erkenntnisse für nächste Missionen», sagte der Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Johann- Dietrich Wörner, und gratulierte Knickel per Handschlag. «Toll, dass alle durchgehalten haben. Die Sechs sind in den 105 Tagen auch mental fit geblieben», sagte der 55-Jährige nach Einzelgesprächen.

Der staatliche russische Fernsehsender Westi übertrug den Ausstieg live. An dem 15 Millionen Euro teuren Experiment war auch die Europäische Weltraumbehörde ESA beteiligt. Natürlich rechne er mit Fragen, ob ein solch teurer Test in Zeiten der Wirtschaftskrise «nötig» sei, sagte Wörner. «Aber eine der stärksten Triebfedern des Menschen ist eben die Neugier», ist der DLR-Chef überzeugt. «Die Neugier hat den Menschen seinerzeit aus der Höhle getrieben, und sie hat uns später auf den Mount Everest gebracht. Und irgendwann bringt sie uns weiter als zum Mond - vielleicht ja tatsächlich zum Mars.»

Nach Ansicht des Leiters der Abteilung Planetengeologie am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Berlin, Ralf Jaumann, ist eine echte Mars-Mission noch Zukunftsmusik. «Sie müssen erstmal ein Raumschiff zustande bringen, das diese Reise mit Menschen durchstehen kann», sagte Jaumann in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Sie müssen mindestens ein halbes Jahr hinfliegen, Sie müssen ein halbes Jahr auf dem Mars sein.» Wegen der Planetenstellung könne man dann aber nicht sofort zurückkehren. «Sie müssen also warten, bis beide Planeten wieder nah beieinander sind, und dann müssen sie mindestens ein halbes Jahr zurückfliegen.»

Raumfahrt / Europa / Russland
14.07.2009 · 17:20 Uhr
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