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Deutscher Soldat in Afghanistan gefallen

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Kundus/Berlin (dpa) - Beim dritten Anschlag innerhalb weniger Tage ist am Donnerstag in Afghanistan erneut ein deutscher Soldat getötet worden. Insgesamt vier Tote und ein Dutzend Verwundeter hat die Bundeswehr damit in den vergangenen neun Tagen zu beklagen.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) sagte: «Wir trauern um den gefallenen Soldaten.» Er bekräftigte aber auch: «Vor Gewalt darf man nicht weichen. Wenn wir jetzt gingen, würde das Vertrauen der Afghanen erschüttert.» Die deutsche Strategie sei richtig. Die Linken widersprachen dem, die Grünen zweifeln.

Bei dem Sprengstoffanschlag am Donnerstag in der Provinz Baghlan auf eine Einheit des Ausbildungsschutzbataillons Masar-e-Sharif wurden außerdem zwei Bundeswehr-Soldaten schwer und drei weitere leicht verletzt. Einer der Verwundeten befand sich in kritischem Zustand. Der gefallene 23-jährige Oberstabsgefreite und die Verletzten gehören alle der Panzerbrigade 21 «Lipperland» aus dem nordrhein-westfälischen Standort Augustdorf an.

Zu dem Anschlag kam es nach Bundeswehr-Angaben um 9.54 Uhr Ortszeit (07:24 Uhr MESZ) 36 Kilometer südlich von Kundus. Die Einheit hatte Sprengfallen entlang einer Verbindungsstraße aufspüren sollen. Dabei wurde ihr Schützenpanzer «Marder 1A5» «angesprengt». Die Verletzten wurden per Hubschrauber in Rettungszentren in Kundus und Masar-e-Sharif gebracht. Der getötete Soldat sei «am Anschlagsort gefallen». Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag.

Der Wehrbeauftragte des Bundestages beklagte dennoch Ausrüstungsmängel. Die US-Streitkräfte verfügten über besonders geschützte Fahrzeuge, aus denen heraus sich Sprengfallen per Roboterarm beseitigen ließen, erklärte Hellmut Königshaus (FDP) in der Mainzer «Allgemeinen Zeitung» (Freitag). Die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan erhielten 2012 zwar vergleichbares Gerät. «Jeder Tag Wartezeit ohne solche Spezialfahrzeuge ist aber ein Tag zu viel.»

De Maizière sagte in Dresden, die Strategie der Bundeswehr «greift, die Taliban verlieren an Boden». Die deutschen Soldaten würden weiter auf Patrouille gehen. «Wir wollen Sicherheit und Entwicklung, nicht Terror und Unterdrückung.» Er sagte weiter: «In unseren Gedanken und Gebeten sind wir bei dem Gefallenen und seinen Angehörigen.»

Auch die Fraktionen im Bundestag drückten ihre Anteilnahme aus. Grünen-Chefin Claudia Roth verlangte aber auch «eine politische Debatte über die seit Monaten andauernde Offensiv-Strategie der ISAF in Afghanistan, die bislang auch von der Bundesregierung unterstützt wird». Sie führe offenkundig nicht zu einer zunehmenden Stabilisierung Afghanistans. Die Linken forderten erneut, «die Bundeswehr unverzüglich aus Afghanistan abzuziehen».

Erst am vergangenen Samstag waren bei einem Anschlag am Sitz des Gouverneurs der Provinz Tachar zwei deutsche Soldaten getötet und sechs weitere verletzt worden. Unter den Verletzten von Talokan ist der deutsche Regionalkommandeur der Internationalen Schutztruppe Isaf für Nordafghanistan, General Markus Kneip. Eine schwer verwundete Soldatin befindet ist in kritischem Zustand, aber nicht mehr in akuter Lebensgefahr. Die ausgeflogene Dolmetscherin liegt im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz im künstlichen Koma und muss beatmet werden. Die 56-Jährige ist nach Angaben der Bundeswehr die erste deutsche Soldatin, die bei einem Auslandseinsatz derart schwer verwundet wurde.

Am Mittwoch vergangener Woche war außerdem bei einem Sprengstoffanschlag auf eine deutsche Patrouille in der Provinz Kundus ein Bundeswehrsoldat getötet worden. Ein weiterer Soldat und ein afghanischer Übersetzer waren bei der Attacke verletzt worden.

Im Zusammenhang mit dem Anschlag in Talokan wurden unterdessen fünf einheimische Polizisten festgenommen. Sie stünden im Verdacht, die Attentäter unterstützt zu haben, sagte Tachars Vize-Polizeichef Hadschi Abdul Salam. Zuvor hatte die Isaf bereits mitgeteilt, dass ein mutmaßlicher Unterstützer der Attentäter gefasst worden sei. Bei dem Attentat waren neben den Bundeswehrsoldaten auch mehrere Afghanen ums Leben gekommen, darunter der Polizeichef für Nordafghanistan, Daud Daud.

An diesem Freitag will die Bundeswehr in Hannover von dem in Kundus Gefallenen und seinen beiden in Talokan getöteten Kameraden Abschied nehmen. Ob Kneip an der Trauerfeier teilnehmen kann, war zunächst unklar. «Es gibt eine feste Absicht zu kommen», sagte ein Bundeswehrsprecher in Hannover. Kneip liegt ebenfalls in der Koblenzer Klinik, wo ihm ein Schrapnell herausoperiert werden soll.

Konflikte / Bundeswehr / Afghanistan
02.06.2011 · 20:51 Uhr
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