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Deutsche unter Verletzten bei Anschlag in Pune

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Neu Delhi (dpa) - Bei einem Terroranschlag auf das Szene-Café «German Bakery» in der indischen Hippie-Hochburg Pune sind am Samstag neun Menschen ums Leben gekommen. Es war der folgenschwerste Anschlag in Indien seit der Terrorserie von Mumbai Ende 2008.

Unter den Toten des Anschlags in Pune, dem früheren Poona, seien eine Italienerin und ein Student aus dem Iran, sagte der Polizeichef der westindischen Wirtschaftsmetropole, Satyapal Singh, am Sonntag.

Die anderen Toten seien Inder gewesen, die meisten davon im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Unter den 60 Verletzten - darunter zwölf Ausländer - ist nach Angaben der Polizei auch eine 50 Jahre alte Deutsche. Nach Informationen von «Focus Online» handelt es sich dagegen um eine 64-jährige ehemalige Bhagwan-Anhängerin aus München. Die Frau, die seit langer Zeit in Indien lebe, sei durch Splitter nur leicht verletzt worden.

Das Lokal, in dem am Samstagabend eine in einem Rucksack versteckte Bombe explodierte, war bei Indern und Ausländern beliebt. Pune (früher Poona) war in den 1970er und 80er Jahren ein Anlaufpunkt der weltweiten Hippie-Bewegung und Zentrum der Bhagwan-Sekte.

Der Anschlag in Pune war der schwerste dieser Art seit der verheerenden Terrorserie von Mumbai, bei der Ende 2008 mehr als 160 Menschen getötet wurden, darunter drei Deutsche. «Dies ist der erste bedeutende Anschlag seit 14 Monaten», sagte der indische Innenminister Palaniappan Chidambaram. «Alle uns vorliegenden Informationen deuten auf einen Plan, einen Sprengsatz an einem Ort zu zünden, der sowohl von Ausländern als auch von Indern besucht wird.» Die Gegend um das Café in Pune sei seit einiger Zeit von Terroristen ausgekundschaftet worden.

Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag, nach dem unter anderem in der Hauptstadt Delhi die Sicherheitskräfte in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt wurden. Indische Medien spekulierten über die Urheberschaft muslimischer Terrorgruppen. Nach Angaben des Innenministeriums hatte sich der US-Amerikaner David Headley, ein mutmaßliches Mitglied der islamistischen Terrorgruppe Lashkar-e-Taiba (LeT), mehrfach in der Gegend aufgehalten. Die aus Pakistan heraus operierende LeT wird von Indien für die Anschläge vom November 2008 in Mumbai (früher Bombay) verantwortlich gemacht.

Die oppositionelle hindu-nationalistische BJP sprach sich nach dem Terroranschlag gegen Gespräche mit Pakistan aus, die für den 25. Februar geplant sind. Die BJP teilte mit, Terror und Gespräche seien nicht miteinander vereinbar. Indien hatte die Friedensverhandlungen nach den Anschlägen von Mumbai ausgesetzt. Der indische Außenminister S.M. Krishna sagte mit Blick auf die Forderung der Opposition, zunächst müsse das Ergebnis der Ermittlungen abgewartet werden.

Die «German Bakery» gibt es seit 22 Jahren in der Millionenstadt, gut 150 Kilometer südöstlich der Finanzmetropole Mumbai gelegen. Sie befindet sich unmittelbar neben dem Osho Ashram, früher Hauptquartier des Sektenführers Bhagwan Shree Rajneesh. Seit den 1970er Jahren war die Bhagwan-Sekte in Pune Anlaufpunkt für viele Aussteiger aus dem Westen, speziell aus der deutschen Hippie-Szene. Die Bäckerei war ein beliebter Anlaufpunkt für Menschen mit westlichen Wurzeln. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch ein jüdisches Gebetshaus.

Terrorismus / Indien
14.02.2010 · 17:19 Uhr
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