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Detroit: US-Islamist im Zentrum der Ermittlungen

US-Präsident Obama hat den eigenen Sicherheitsbehörden eine schwere Rüge erteilt.Großansicht
Washington (dpa) - Nach dem vereitelten Flugzeug-Attentat von Detroit rückt einem Zeitungsbericht zufolge ein in den USA geborener, radikal-islamischer Prediger immer stärker ins Zentrum der Ermittlungen.

Es gebe zunehmend Belege, dass Anwar al-Awlaki in Verbindung mit dem Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab gestanden habe, der das Flugzeug in die Luft sprengen wollte, meldete das «Wall Street Journal». US-Präsident Barack Obama sollte indes am Donnerstag einen Bericht über die im Vorfeld der Tat vorliegenden Geheimdiensterkenntnisse erhalten.

Der im Jemen lebende Al-Awlaki hatte auch Kontakt zu dem Amokläufer auf der US-Militärbasis Fort Hood in Texas. Der muslimische Major Nidal Malik Hasan hatte Anfang November dabei 13 Menschen erschossen. US-Geheimdienste haben dem Bericht zufolge Al-Awlaki, der bis 2002 in einer Moschee im Norden des US-Bundesstaates Nord-Virginia predigte, bereits seit Jahren im Visier. Die genaue Art und der Umfang des Kontakts zwischen dem Prediger und Abdulmutallab sei allerdings unklar, berichtete die Zeitung weiter.

Unterdessen werden immer mehr Details bekannt, wie US-Geheimdienste verschiedene Informationen im Vorfeld des Anschlages vom ersten Weihnachtstag nicht miteinander in Verbindung gebracht hatten. Laut «New York Times» war es US-Agenten schon lange vor der missglückten Attacke bekannt, dass ein Nigerianer im Jemen auf einen Anschlag vorbereitet werde. Entsprechende Diskussionen von El-Kaida-Führern im Jemen habe die auf die Kommunikationsüberwachung spezialisierte Agentur NSA schon vor vier Monaten abgefangen. Allerdings sei es versäumt worden, dies mit anderen Informationen - insbesondere den Warnungen des Vaters des späteren Attentäters - abzugleichen, hieß es. Obama hatte den Sicherheitsbehörden schwere Fehler vorgeworfen.

Die Ergebnisse der NSA-Abhöraktion seien übersetzt und auch innerhalb des Geheimdienstnetzwerks weitergegeben worden, berichtete die «New York Times» weiter. Experten im Nationalen Anti-Terrorzentrum in Washington hätten die Informationen dann aber nicht mit den Warnungen des Vaters von Abdulmutallab in Verbindung gebracht, der Mitte November in der US-Botschaft in Nigeria vor der Radikalisierung seines Sohnes durch Islamisten gewarnt hatte. Sein 23-jähriger Sohn hatte am ersten Weihnachtsfeiertag versucht, in einem voll besetzten Airbus der US-Gesellschaft Delta kurz vor der Landung in Detroit einen in seiner Unterhose versteckten Sprengsatz zu zünden, war dabei aber von Passagieren überwältigt worden.

In US-Regierungskreisen rückt dem Zeitungsbericht zufolge nun das Nationale Anti-Terrorzentrum in Washington ins Zentrum der Kritik. Es war drei Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zur besseren Auswertung und Einschätzung der Terror-Erkenntnisse der verschiedenen US-Geheimdienste geschaffen worden.

Obama hatte den eigenen Behörden eine schwere Rüge erteilt: Es habe im Vorfeld des vereitelten Anschlags verheerende Fehler und Lücken im US-Sicherheitssystem gegeben. Es seien Warnungen übersehen worden. Obama sprach von «potenziell katastrophalen» Mängeln im Sicherheitssystem und forderte personelle Konsequenzen.

Die regionale El-Kaida-Organisation im Jemen hat sich zu dem Attentat bekannt und mit weiteren Terrorakten gedroht. Auch das Weiße Haus geht inzwischen immer mehr von einer «gewissen Verbindung» des Täters zur El Kaida aus. Nach US-Medienberichten spähen die USA bereits mögliche Ziele im Jemen aus, falls Obama einen Vergeltungsschlag gegen die Terroristen befehlen sollte.

Terrorismus / Luftverkehr / USA / Jemen
31.12.2009 · 15:43 Uhr
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