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Der Klassiker: Wembley-Tor und Elfmeter-Dramen

Dietmar Hamann (r.), schoss 2000 das Siegtor im Londoner Wembley-Stadion im WM-Qualifikationsspiel gegen England.Großansicht
Erasmia (dpa) - Auch Joachim Löw dachte nach dem Zittersieg gegen Ghana mit einem besonderen Kribbeln an die große Historie des Klassikers Deutschland gegen England. «Da könnte man viele Dinge erzählen», sagte der Bundestrainer in Erinnerung an das legendäre Wembley-Tor und andere Turnier-Schlachten.

Um kaum eine Begegnung ranken sich in der Welt des Fußballs derart viele Legenden und Diskussionen. «Der Reiz der Partien liegt ursächlich in der Philosophie der beiden Fußball-Nationen. Beide leben traditionell vom Kampf. Und der wird im Aufeinandertreffen ebenso traditionell auf die Spitze getrieben», begründet Uwe Seeler die tief verwurzelte Rivalität. Englands ehemaliger Stürmerstar Gary Lineker sagte den legendären Satz: «Fußball ist ein Spiel, bei dem 22 Spieler dem Ball nachlaufen und am Ende gewinnt immer Deutschland.»

In Bloemfontein kommt es am Sonntag im WM-Achtelfinale zur 32. Auflage. Zehn Siege, sechs Unentschieden und 15 Niederlagen stehen aus deutscher Sicht zu Buche. Die unvergesslichen Momente:

30. Juli 1966, WM-Finale, 2:4 n.V.: Drin oder nicht drin - bis heute wird leidenschaftlich über das legendäre Wembley-Tor gestritten. 2:2 steht es in der Verlängerung, als Geoff Hurst den Ball an die Unterkante der Latte knallt. Von dort springt das Leder auf die Torlinie und zurück ins Feld. Schiedsrichter Gottfried Dienst, ein Schweizer, entscheidet zunächst auf Eckball. Nach Rücksprache mit seinem sowjetischen Linienrichter Bachramow entscheidet er auf Tor. Erst 35 Jahre später gesteht Hurst in seiner Autobiografie, dass der Ball nicht drin gewesen sei. «Nach dem Spiel waren wir alle so kaputt, dass in der Kabine über das Tor gar nicht groß diskutiert wurde», erinnert sich Franz Beckenbauer.

14. Juni 1970, WM-Viertelfinale, 3:2 n.V.: «Wir hatten noch was gut zu machen», schildert Seeler die Stimmung vor dem Anpfiff im mexikanischen Leon, wo Höhenluft und extreme Hitze den Spielern das Atmen schwer machen. Nach 50 Minuten liegt Deutschland mit 0:2 zurück. Dann erzielt Beckenbauer den Anschluss, und Seeler mit einem akrobatischen Hinterkopf-Tor den Ausgleich. In der Verlängerung ist der WM-Torschützenkönig zur Stelle: Gerd Müller trifft zum 3:2.

29. April 1972, EM-Viertelfinale, 3:1: Im EM-Viertelfinale, das damals noch in Hin- und Rückspiel ausgetragen wird, gelingt Deutschland der erste Sieg im Wembley-Stadion. «Das Spiel war das Größte an Spaß, was ich mir vorstellen konnte», sagt Günter Netzer, der bei typisch britischem Dauerregen nach Toren von Uli Hoeneß und Gerd Müller per Elfmeter den Endstand markiert. Netzer: «An diesem Tag wurde die Mannschaft geboren, die Europameister wurde.»

4. Juli 1990, WM-Halbfinale, 4:3 im Elfmeterschießen (1:1 n.V.): Das erste Elfmeter-Drama zwischen beiden Teams. Die Deutschen - Brehme, Matthäus, Riedle und Thon - verwandeln ihre Elfmeter. Bei den Engländern scheitert Pearce an Illgner, Waddle schießt die Kugel übers Tor. «Es war das beste Spiel der WM», urteilt Brehme, der vier Tage später das Endspiel gegen Argentinien per Elfmeter entscheidet.

26. Juni 1996, EM-Halbfinale, 6:5 im Elfmeterschießen (1:1 n.V.): In ihrem «Fußball-Tempel» Wembley haben die Engländer erneut das Nachsehen, und wieder versagen ihnen im Elfmeterschießen die Nerven. Bereits nach zwei Minuten gehen die Gastgeber durch Alan Shearer in Führung, Stefan Kuntz (15.) gleicht früh aus. In der Verlängerung hat die Elf von Berti Vogts viel Glück, und in Andreas Köpke einen tollen Rückhalt: Im Elfmeterschießen verwandeln die ersten fünf Schützen beider Teams, dann scheitert Gary Southgate an Köpke, Andreas Möller verwandelt souverän. Vier Tage später wird Deutschland Europameister.

7. Oktober 2000, WM-Qualifikation, 1:0: Knapp vier Monate nach dem 0:1 bei der EM im belgischen Charleroi, bei der beide Teams in der Vorrunde blamabel scheitern, kommt es zur Revanche. Im letzten Spiel im alten Wembley-Stadion schießt ausgerechnet England-Legionär Dietmar Hamann das Tor des Tages mit einem Freistoß aus 32 Metern. Rudi Völler wird nach seinem dritten Sieg im dritten Spiel zu «Rudi Riese» - aus der Übergangs-Lösung wird der Teamchef bis 2004.

1. September 2001, WM-Qualifikation, 1:5: Carsten Jancker schießt Deutschland in Führung, doch dann nimmt das Debakel mit drei Treffern von Michael Owen seinen Lauf. Rudi Völlers Vater erleidet auf der Tribüne des Münchner Olympiastadions eine Herzattacke. Der Teamchef rast nach Spielende sofort ins Krankenhaus, die Spieler liegen am Boden. Der von Owen genarrte Abwehrrecke Christian Wörns stöhnt: «Jetzt gibt's nur eins: Nach Hause und Rolläden runter.»

Fußball / WM / England / Deutschland
25.06.2010 · 06:50 Uhr
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