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«Der dm-Check» - Das Sauberimage endet auf der Palmölplantage

Dm ist eine Drogeriekette der Superlative. Sie macht den meisten Umsatz, nämlich 4,5 Milliarden Euro im Jahr, und das obwohl dm weniger Filialen hat als die Konkurrenten Rossmann und Schlecker. Sie führt mit Balea die beliebteste Eigenmarke unter den Drogerien und genießt überhaupt das beste Image bei den Kunden: günstig, qualitativ hochwertig, vertrauensvoll. Aber wie hat sich dm diese Vormachtstellung in Deutschland erarbeitet? Das Erste ist dieser Frage mit seiner Reportage Der dm-Check nachgegangen.

Jeder kennt sie, die dm-Filialen, und würde der Meinung, dass diese gut sortiert und angenehm zu durchstreifen sind, wohl zustimmen. Der Drogeriemarkt kreiert, im Fachjargon gesprochen, mit einfachen Mitteln eine «anspruchsvolle Warensituation». Weitere Gänge, niedrigere, schräg gestellte Regale, mehr Platz an der Kasse - all das verführe den Kunden dazu, bei dm zu verweilen, sagt der Wirtschaftspsychologe Guido Kiell. Und das schlägt sich in der Kundenbindung und Kundenmeinung nieder.

So verfügt dm bei einer Straßenumfrage über deutlich mehr Stammkunden als Rossmann und Schlecker. Während dort 25 beziehungsweise 6 Prozent ausschließlich einkaufen, verbucht dm 48 Prozent für sich allein. Zudem werden Produkte, die alle drei Drogerien anbieten, bei dm als vertrauenswürdiger und besser eingeschätzt. Dasselbe Produkt erhält beim Marktführer im Schnitt 5,1 von sieben Punkten, während Rossmann (4,9) und Schlecker (4,7) hintenanstehen.

Dauertiefpreise von Stadt zu Stadt verschieden

Das Gefühl stimmt also schon einmal bei dm. Aber sind die Angebote auch tatsächlich so gut, wie die meisten Deutschen glauben? Kundentests zufolge hat sich bei diesen das Niedrigpreis-System, das dm verfolgt, bereits so etabliert, dass sie beim Einkauf gar nicht mehr so stark auf Preise achten wie bei den Konkurrenten. Das ist zum Teil auch gar nicht nötig. Denn im Vergleich mit den Standardpreisen von Rossmann und Schlecker schneidet dm bei Markenprodukten und äquivalenten Eigenmarken tatsächlich am besten ab.

Werden die wöchentlichen Sonderangebote der Konkurrenz allerdings mit eingerechnet, dann kauft der Kunde bei Rossman am günstigen ein. Im Test betrug die Ersparnis fünf Euro, Schlecker blieb am teuersten. Der dm-Preisvorteil trifft also nur bedingt zu, zumal die beworbenen Dauerniedrigpreise von Stadt zu Stadt oder gar Stadtteil variieren. So ist eine Penatencreme am Berliner Alexanderplatz teurer als in Köpenick. Davon kriege der Kunde aber meist nichts mit, kommentiert dm-Gründer Götz Werner diesen Umstand.

Und was bekommt der Kunde bei dm für sein Geld? Auch hier ist das Testergebnis nicht eindeutig. Zwar schneidet die Creme der Hausmarke Balea im Hautverträglichkeitstest gegenüber wesentlich teureren Produkten am besten ab. Beim Blindtest mit günstigen dm-Produkten, die gegen Markenprodukte antreten, siegt die Hausmarke jedoch nur beim Spülmittel. Shampoo, Rasiergel und Nagellack ziehen den Kürzeren. Bei der Stiftung Warentest erhält dm mit 2,77 dennoch die beste Durchschnittsnote unter den Drogerieketten.

Hosen in Bangladesch zusammengenäht

Welche Nachhaltigkeit hinter dieser doch soliden Qualität steckt, darüber lässt sich streiten. Zwar gilt dm bei der Mitarbeiterpflege als vorbildlich, bietet Azubis sogar Schauspieltraining an, um Ausstrahlung und Selbstbewusstsein zu stärken, und zahlt nach Tarif. Bei den Herstellern der Produkte lässt dm die Leine dann aber doch etwas zu lang. So kann anhand der Etiketten in vermarkteten Textilien nur selten nachvollzogen werden, woher diese kommen.

Eine Hose ließ sich bei Der dm-Check bis nach Bangladesch zurückverfolgen. Dort wird Kleidung für den Westen in Billig-Nähereien im Akkord hergestellt - meist unter fragwürdigen Sicherheitsbedingungen und zu Hungerlöhnen. Solchen Zuständen versuche man durch einen Verhaltenskodex vorzubeugen, doch alles kontrollieren, das könne man nicht, erklärt dm-Geschäftsführer Erich Harsch dazu. Oft sei er in die genauen Abläufe überhaupt nicht involviert.

Dm-Gründer Götz Werner argumentiert ähnlich, wenn es darum geht, wo das Palmöl herkommt, dass in vielen dm-Kosmetika zu finden ist. Weltmarktführer dafür ist Indonesien, wo sich eine Palmölplantage an die nächste reiht, dafür aber Regenwald vernichtet und Einwohner gewaltsam verjagt werden. «Verantworten muss das der Hersteller. Und wir haben verantwortungsbewusste Hersteller», glaubt Werner.

Nach außen ökologisch, nach innen ... naja

Warum dm nicht auf alternative Stoffe wie Raps oder Soja setzt? Sie seien nicht die einzigen, die Palmöl verwenden, rechtfertigt Geschäftsführer Harsch. Und Alternativen zu erschließen, das gehe nicht von heute auf morgen. Ob man das überhaupt will, ist eine andere Frage. Hinter dem System, Herstellungswege intransparent zu halten, indem nicht eindeutig etikettiert oder auf das Rezepturgeheimnis gepocht wird, steckt jedenfalls Kalkül.

Den Herstellern wird damit ein Hintertürchen offen gehalten, dass dem Sauberimage von dm einige Schrammen verpassen kann. Da nützt es nichts, noch so viele Windeln zu spenden und sich als ökologisch bewusstes Unternehmen zu geben. Soziale Verträglichkeit endet nicht vor der eigenen Haustür. Will man nicht nur gut und günstig, sondern auch fair sein, dann muss man auch so wirtschaften. Das heißt: ohne Profit auf Kosten von Mensch und Umwelt.

[news.de] · 14.05.2012 · 22:31 Uhr
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