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Demonstranten in Bangkok appellieren an EU

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Bangkok (dpa) - Nach wochenlangen Protesten und blutigen Zusammenstößen haben die Regierungsgegner in Bangkok am Donnerstag einen eindringlichen Appell an die EU gerichtet.

Darin forderten sie die Entsendung von Beobachtern, um einen angeblich drohenden Militäreinsatz gegen die als Rothemden bekannten Demonstranten zu verhindern.

«Wir appellieren an Sie als anerkannte internationale Organisation, Experten zu entsenden, um die Aktionen der Regierung zu beobachten», heißt es in dem Schreiben, das dem EU-Botschafter in Thailand, David Lipman, übergeben wurde.

Lipman rief die Demonstranten zum konstruktiven Dialog auf. Die gegenwärtige politische Krise könne nur mit friedlichen und demokratischen Mitteln überwunden werden, sagte er.

Die Proteste begannen Mitte März und eskalierten im April. 27 Menschen starben bei Gewaltausbrüchen auf den Straßen Bangkoks, mehr als 800 wurden verletzt. Zuletzt kam ein Soldat ums Leben - weil er vermutlich versehentlich von der Kugel eines Kameraden getroffen wurde. Nach Regierungsangaben wird der Vorfall untersucht. Mehrere deutsche Reiseveranstalter sagten am Donnerstag Bangkok-Touren bis Mitte Mai ab.

Der thailändische Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva gerät indes auch im eigenen Lager zunehmend unter Druck. Sprecher der Volksallianz für Demokratie (PAD), die aufseiten der Regierung steht, forderten Abhisit auf, die politische Krise rasch zu beenden. Zugleich wurden Rufe nach Rücktritt und Auflösung des Parlaments lauter.

«Wir fürchten, dass Panzer anrücken und ein Blutvergießen droht, deshalb bitten wir Sie um Hilfe, um eine Katastrophe abzuwenden», heißt es in dem Appell an die EU, den Vertreter des außerparlamentarischen Bündnisses «Vereinigte Front für Demokratie und gegen Diktatur» (UDD) übergaben. Die UDD organisiert die Proteste und steht dem 2006 gestürzten Regierungschef Thaksin Shinawatra nahe.

Der thailändische Außenminister Kasit Piromya wies die Forderung nach einer internationalen Intervention entschieden zurück. «Wir haben die Situation sehr gut im Griff, und es ist immer noch eine rein thailändische Angelegenheit», sagte er bei einem Besuch in Jakarta.

In Bangkok gilt schon seit Wochen der Ausnahmezustand. Ansammlungen von mehr als fünf Menschen sind untersagt. Allein am 10. April hatte es bei Zusammenstößen von Armee und Demonstranten 25 Tote in Bangkok gegeben.

Die Regierungsgegner, die Neuwahlen fordern, halten trotz Versammlungsverbots ein Geschäftsviertel in Bangkok besetzt. Die Proteste werden von Thaksin aus dem Exil unterstützt. Der Medienmogul Thaksin hat mit Zusagen von sozialen Zuwendungen viele Anhänger unter der armen Landbevölkerung gefunden. Ein Großteil der Eliten in Bangkok lehnt ihn dagegen ab und wirft ihm Korruption vor.

Konflikte / Thailand
29.04.2010 · 15:11 Uhr
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