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Datenpanne: Wikileaks tritt die Flucht nach vorn an

Aus für den Datenschutz bei Wikileaks: Die Enthüllungsplattform hat Originaltexte der US-Botschaftsdepeschen im Web Internet veröffentlicht - und damit geheime Quellen von US-Diplomaten offen gelegt.

Berlin (dpa) - Die Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks geht in die Offensive: Nach der Veröffentlichung aller US-Botschaftsdepeschen im Original hat Wikileaks-Gründer Julian Assange beschlossen, die heiklen Dokumente selbst ungeschwärzt ins Netz zu stellen.

Über den Mitteilungsdienst Twitter erklärte Wikileaks am Freitag, «45 Jahre der US-"Diplomatie" würden nun ans Licht gebracht. «Es ist an der Zeit, die Archive für immer zu öffnen.» Damit sind nun auch die Namen von Informanten der US-Botschaften öffentlich, die teilweise sensible Informationen lieferten. Unmittelbar betroffen ist nach US-Medienberichten ein Kreis von mehr als 100 Personen.

Ursprünglich hatten der Wikileaks-Gründer Julian Assange und seine Medienpartner wie «Der Spiegel» sich darauf geeinigt, die Namen von Informanten, deren Sicherheit durch eine Veröffentlichung gefährdet werden könnte, zu schwärzen. Allerdings geriet die verschlüsselte Datei mit den ungeschwärzten Namen schon bald in Umlauf. Außerdem veröffentliche der britische Journalist David Leigh in einem im Februar veröffentlichten Buch über Wikileaks das Passwort zur Entschlüsselung der Botschaftstelegramme.

Der Mitarbeiter der britischen Zeitung «The Guardian» hatte die sensible Daten von Wikileaks erhalten, als die Enthüllungsplattform und der «Guardian» noch in einer Medienpartnerschaft verbunden waren. Nach mehreren kritischen Artikeln im «Guardian» über die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Assange brach diese Kooperation jedoch auseinander. Inzwischen überziehen sich Leigh und Assange gegenseitig mit Vorwürfen. Leigh rechtfertigte am Donnerstag die Veröffentlichung des Passworts in seinem Buch mit dem Hinweis, er sei davon ausgegangen, dass es damals nur für wenige Stunden gültig gewesen sei.

Die verschlüsselte Datei mit den 250 000 US-Depeschen kursiert schon seit geraumer Zeit im Netz. Ein Mitarbeiter von Assange soll sie am 7. Dezember 2010 über die Filesharing-Website Pirate Bay über das BitTorrent-Protokoll verbreitet haben. An diesem Tag hatte sich Assange in London der Polizei gestellt, nachdem wegen der Vergewaltigungsvorwürfe in Schweden mit einem Haftbefehl nach ihm gesucht wurde. Die über BitTorrent verteilte Datei konnte mit dem Passwort entschlüsselt werden, das Assange dem Guardian-Journalisten Leigh genannt und dieser später in seinem Buch veröffentlich hatte.

Der Streit über den Umgang mit den heiklen Daten aus dem US-Außenministerium führte auch zum Bruch zwischen Assange und Daniel Domscheit-Berg. Der deutsche Netzaktivist war einst ein enger Mitarbeiter von Assange; er trat mit ihm monatelang bei öffentlichen Präsentationen der Enthüllungsplattform gemeinsam auf. Nach dem Bruch warf Domscheit-Berg dem Wikileaks-Gründer einen fahrlässigen Umgang mit den geheimen Daten vor. Assange wiederum beschuldigt Domscheit-Berg, selbst entscheidend zum Leck der Daten beigetragen zu haben.

Das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» kritisierte am Freitag die jüngste Entscheidung von Wikileaks. Die Enthüllungsplattform habe «viel an Vertrauen eingebüßt», sagte Chefredakteur Georg Mascolo der Nachrichtenagentur dpa. Der Schutz von Informanten sei für den «Spiegel» von Anfang an außerordentlich bedeutsam gewesen. «Dass Wikileaks dies nicht gelungen ist, bedaure ich sehr.» Ob das Nachrichtenmagazin auch künftig Enthüllungsplattformen als Quelle nutzen werde, «hängt davon ab, ob sie vertrauenswürdig sind», betonte Mascolo.

Die Grünen wiesen am Freitag eine Forderung des CDU-Politikers Siegfried Kauder zurück, Geheimnisverrat stärker zu bestrafen. Dies sei falsch und populistisch, hieß es in einer Mitteilung der rechts- und medienpolitischen Sprecher Jerzy Montag und Tabea Rößner.

Internet / Medien / Wikileaks
02.09.2011 · 19:55 Uhr
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