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Das Hauptstadt-Gefühl: Klappt überhaupt noch was?

Checkpoint Charlie in Berlin. Foto: Maurizio Gambarini/ArchivGroßansicht

Berlin (dpa) - Mit großem Tamtam angekündigt, dann ein peinlicher Rückzieher. Dass der neue Flughafen in Schönefeld erst Monate später aufmacht, löst in der Hauptstadt einen kollektiven Seufzer aus: Klappt hier überhaupt noch was? Zu meckern findet der Berliner einiges.

Es gibt einen Berg von Schulden. Ein zu kurzes Dach am Hauptbahnhof. Pannen bei der S-Bahn. Das Guggenheim Museum sagt aus Angst vor Gewalt ein Projekt in Kreuzberg ab. Und dem Fußballverein der Hauptstadt droht der Sturz in die Zweite Liga. «Wenn Hertha ein Tier wäre, dann wäre es ein Lemming», meint Kolumnist Harald Martenstein.

Die Mutter aller Niederlagen liegt fast 20 Jahre zurück. Damals scheiterte die Olympiabewerbung von Berlin spektakulär. Sydney bekam den Zuschlag für 2000. Die gelben Smiley-Bären, mit denen Berlin damals warb, sind in der Flohmarktkiste gelandet. Die Blamage von 1993 hielt Regierungschef Klaus Wowereit (SPD) aber nicht davon ab, mit einer erneuten Olympia-Kandidatur zu liebäugeln.

Bis 2016 werden Berlins Schulden trotz aller Sparanstrengungen auf mehr als 65 Milliarden Euro steigen. Wowereit tröstet die Stadt mit dem Motto «arm, aber sexy». Immerhin: Unter Rot-Schwarz soll Berlin sexy bleiben, aber reicher werden. So steht es sogar in der Koalitionsvereinbarung.

Der 1,2 Milliarden Euro teure Hauptbahnhof wurde zwar pünktlich zur Fußball-WM 2006 fertig. Aber es gab Streit um die Gestaltung des Untergeschosses. Oben erinnert das recht kurz geratene Dach an eine abgebissene Wurst. Das Gelände rings um den blitzenden Bahnhof blieb jahrelang ein ödes Provisorium - inklusive mancher Sandhaufen.

Ein paar Kilometer Luftlinie entfernt, am alten Grenzübergang am Checkpoint Charlie, kann sich der Besucher angesichts des Wurstbuden-Flairs und der kostümierten Soldaten wie auf dem Jahrmarkt fühlen. Dass sich Touristen sehr für die Geschichte und die Reste der Mauer interessieren, hat Berlin lange unterschätzt.

Die S-Bahn machte sich mit Zugausfällen, Managementfehlern, Wartungsmängeln und technischen Pannen unbeliebt - besonders im Winter, der sich an der Spree eisig anfühlen kann. Das New Yorker Guggenheim Museum wollte eigentlich eine Brachfläche nahe der Spree bespielen und zieht jetzt lieber in den ruhigeren Prenzlauer Berg. In Kreuzberg hatten einige Anwohner in dem von BMW unterstützten Museumsprojekt den Vorboten eines Luxusviertels gesehen.

Nun also Schönefeld. Laut Wowereit wird der Flughafen trotz der Verschiebung eine Erfolgsgeschichte. Dafür spricht, dass der Berliner traditionell neuen Orten bei «Tagen der offenen Tür» die Bude einrennt und sie dann ins Herz schließt wie zu Lebzeiten Eisbär Knut. So war es auch beim Flughafen Tempelhof, der 2008 stillgelegt wurde. Damals hätte es fast kollektive Hungerstreiks aus Protest gegen die Schließung gegeben. Heute ist es ein idyllischer, etwas rauer Park.

Luftverkehr / Flughafen
08.05.2012 · 14:42 Uhr
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