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Das Auf und Ab der deutsch-französischen Beziehungen

Berlin (dpa) - Deutschland und Frankreich haben 1963 ein Freundschaftsabkommen geschlossen. Im Élysée-Vertrag verpflichteten sie sich zu Beratungen in allen wesentlichen Fragen der Außen-, Sicherheits-, Jugend- und Kulturpolitik.

Seitdem sind die ehemaligen «Erbfeinde» zusammengerückt, mussten aber auch einige Täler durchschreiten. Ein Rückblick:

September 1984: Auf den früheren Schlachtfeldern von Verdun treffen sich Frankreichs Staatspräsident François Mitterrand und Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) zum symbolischen Händedruck, zur «Versöhnung über den Gräbern». Die Harmonie der beiden wird zum Katalysator für den europäischen Einigungsprozess.

Januar 1988: Kohl und Mitterrand unterzeichnen die Protokolle über die Gründung eines deutsch-französischen Sicherheits- und Verteidigungsrates sowie eines Wirtschafts- und Finanzrates.

November 1999: Als erster deutscher Bundeskanzler spricht Gerhard Schröder (SPD) vor der Nationalversammlung in Paris.

Juni 2000: Bei einem Besuch in Deutschland spricht der französische Präsident Jacques Chirac als erster ausländischer Staatschef im umgebauten Reichstagsgebäude in Berlin.

Juli 2000: Der neue europäische Luft- und Raumfahrtgigant EADS geht an die Börse. Das Unternehmen ist ein Zusammenschluss aus der deutschen DASA, der französischen Aerospatiale Matra und der spanischen CASA. Seitdem gibt es zwischen Berlin und Paris immer wieder erbitterte Kämpfe um Einfluss, Posten und Arbeitsplätze.

Juni 2002: Berlin und Paris streiten über die milliardenschweren EU-Agrarbeihilfen und die von Brüssel auferlegten strengen Haushaltsziele. Im Oktober einigen sich Schröder und Chirac auf einen Kompromiss.

Januar 2003: Frankreich und Deutschland wollen «Hand in Hand» die Zukunft ihrer Länder und des erweiterten Europas gestalten. Das erklären sie zum 40. Jahrestag des Élysée-Vertrages in Versailles.

September 2007: In der Partnerschaft kriselt es. Der Aktionismus des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy stößt in Berlin auf wenig Gegenliebe. Sarkozy ist einem Zeitungsbericht zufolge genervt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

März 2008: Nach monatelangem Streit verständigen sich Sarkozy und Merkel auf die künftige EU-Mittelmeerpolitik.

Juni 2008: Deutschland und Frankreich einigen sich im Klimastreit. Merkel und Sarkozy vereinbaren Klimaschutzvorgaben für die Autoindustrie, die richtungweisend für die anderen EU-Länder werden sollen.

Oktober 2008: Auf europäischer Ebene fordert Paris die Bildung einer «Wirtschaftsregierung» der Euro-Länder. Merkel ist dagegen.

November 2009: Merkel und Sarkozy gedenken in Paris gemeinsam des Endes des Ersten Weltkriegs. Es ist das erste Mal, dass ein deutscher Regierungschef an einer solchen Feier des damaligen Siegers teilnimmt.

Februar 2010: Deutschland und Frankreich wollen mit einer «Agenda 2020» die nächsten zehn Jahre gemeinsam gestalten und Europa den Takt vorgeben. Merkel und Sarkozy beschließen in Paris 80 Projekte.

Juni 2010: Das Verhältnis zwischen Merkel und Sarkozy gilt als angespannt. Deutschland predigt Haushaltsdisziplin und hat ein riesiges Sparpaket verabschiedet, Sarkozy fordert weiter eine Wirtschaftsregierung der Eurozone und meidet allzu heftige Einschnitte mit der Begründung, Sparpläne würden letztlich nur wieder in die Rezession führen.

September 2010: Sarkozy, wegen Abschiebung von Roma aus Frankreich unter Druck, behauptet, dass auch Deutschland bald Roma-Lager auflösen wolle. Dies habe Merkel ihm gesagt. Die Bundesregierung dementiert ein solches Gespräch.

EU / Minderheiten / Migration / Frankreich / Deutschland
17.09.2010 · 22:44 Uhr
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