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«Daisy» verursacht Schneechaos

Schnee-Chaos im NordenGroßansicht
Hamburg (dpa) - Eisige Schneefalle: Sturmtief «Daisy» hat am Wochenende weite Teile Europas lahmgelegt. In Deutschland war der Nordosten am schwersten betroffen.

Trotz des pausenlosen Einsatzes von Streudiensten, Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten lösten heftige Schneestürme dort am Sonntag das befürchtete Winterchaos aus. «Daisy» schnitt Dutzende Dörfer an der Küste und auf den Ostseeinseln von der Außenwelt ab. Hunderte Menschen mussten frierend in eingeschneiten Autos oder Zügen ausharren. Helfer kämpften verzweifelt gegen drohende Deichbrüche. Das Tief beschert allen Schülern in Mecklenburg-Vorpommern sowie in Teilen Schleswig- Holsteins und Niedersachsens am Montag einen schulfreien Tag.

Seit dem Beginn des ungewöhnlich heftigen Wintereinbruchs stieg die Zahl der Kälte-Toten europaweit auf mehr als 100. Allein in Großbritannien, das unter dem härtesten Winter seit mehr als drei Jahrzehnten stöhnt, kletterte die Opferbilanz auf mindestens 26 Tote. Auf europäischen Flughäfen kam es zu Verspätungen. Mehr als 320 Flüge fielen am Flughafen in Frankfurt am Main aus, tausende Passagiere mussten auf Feldbetten oder in Hotels schlafen. In Frankreich, wo das Winterchaos etwas nachließ, verbrachten etwa 800 Passagiere wegen umgeleiteter Flüge die Nacht zu Sonntag auf dem Flughafen von Lyon.

In Deutschland verursachten die Schneemassen Streckensperrungen und Verspätungen im Bahnverkehr. Dramatisch war die Lage auf den Inseln Fehmarn, Rügen und Usedom. Dort legten hohe Schneeverwehungen den Verkehr weitgehend lahm. Auf Fehmarn war nur noch die Autobahn befahrbar, die den Fährhafen nach Dänemark mit dem Festland verbindet. Zudem fiel am Sonntag auf der gesamten Insel für eine Stunde der Strom aus. Alles sei erstarrt, berichtete Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt. Extremes Hochwasser der Ostsee und der Sturm hätten zudem einen Deich auf 25 Metern Länge beschädigt.

Auf Rügen behinderten bis zu drei Meter hohe Schneewehen ebenfalls den Verkehr, die Busse fuhren nicht mehr. Viele Ortschaften waren von der Außenwelt abgeschnitten. An der Küste und im Binnenland waren Dutzende Dörfer eingeschneit, Kreis- und Landesstraßen unpassierbar. Abgeschnitten waren auch unzählige Dörfer in Ostholstein. Zahlreiche Helfer konnten am Abend einen Deichbruch in Dahmeshöved verhindern. In Nordrhein-Westfalen ereigneten sich am Wochenende mehr als 1000 Verkehrsunfälle, rund 900 waren es im Südwesten Deutschlands.

Katastrophenalarm in Ostvorpommern

Bei der Bahn hatten Schneeverwehungen viele Weichen gestört und einzelne Strecken unpassierbar gemacht. Bahn-Vorstand Ulrich Homburg entschuldigte sich in der «Bild am Sonntag» bei den Fahrgästen. Der hart getroffene Landkreis Ostvorpommern rief Katastrophenalarm aus. Bei eisigen Temperaturen harrten in der Nacht zu Sonntag fast 300 Menschen in Autos, Bussen und Lastwagen zwischen Gützkow und Jarmen in Mecklenburg-Vorpommern auf der blockierten Autobahn A 20 aus, die auch am Sonntagabend noch teilweise gesperrt blieb.

Räumfahrzeuge mussten zunächst die Fahrbahnen vom Schnee befreien, der manchem Auto bis ans Fenster reichte. Insgesamt 44 Reisende wurden seit Samstagabend zwischen Stralsund und Anklam aus zwei Zügen gerettet, die im Schnee feststeckten. Stundenlang hatten frierende Reisende zuvor in den Waggons ausharren müssen. Schneewehen und umgestürzte Bäume blockierten Straßen in mehreren Bundesländern.

Kein Strom mehr

Im Süden Polens mussten mehr als 80 000 Menschen nach heftigen Schneefällen seit Samstag ohne Strom auskommen, weil Strommaste unter der Schneelast nachgaben. Im niederländischen Bollenstreek, der Blumenzuchtregion zwischen Haarlem und Leiden, brach wegen eines defekten Hochspannungsmastes ebenfalls die Stromversorgung zusammen. Rund 100 000 Haushalte saßen stundenlang im Dunkeln.

Im Osten Tschechiens riefen die Bezirke Hradec Kralove, Nachod und Rychnov nad Kneznou am Samstag den Verkehrsnotstand aus. Der Rundfunk meldete vier wetterbedingte Todesfälle. Ein ungewohntes winterliches Bild überraschte die Bewohner der italienischen Hafenstadt Neapel: Ihr berühmter Hausberg, der 1281 Meter hohe Vesuv, präsentierte sich am Sonntagmorgen schneebedeckt. Während weite Teile Europas im Schnee-Chaos versanken, klagte die Wintersport-Hochburg Österreich dagegen über Tauwetter. Anhaltender Regen und warme Temperaturen vermatschten am Wochenende in weiten Teilen des Alpenlandes die letzten Schneereste. In niedrigen Lagen mussten Ski-Lifte schließen.

Verkehrschaos, Stromausfälle und Massenkarambolagen plagten nicht nur Europäer, sondern auch Amerikaner, Chinesen und Inder. Mindestens 239 Menschen fielen nach Medienberichten im Norden und Osten Indiens eisigen Temperaturen zum Opfer. Allein im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh wurden in der Nacht zu Sonntag 15 Kälte-Tote gezählt. Schlechtes Wetter behinderte auch dort den Bahn- und Luftverkehr. In China führten die tiefen Temperaturen zu Stromrationierungen.

Schnee in Florida

In Mexiko kamen wegen der Kälte bis zum Wochenende neun Menschen ums Leben. In den benachbarten USA hat das Wetter am Samstag für eine Seltenheit gesorgt: Schnee in Florida. In dem Bundesstaat, der sonst in den Wintermonaten wegen seines Badewetters beliebt bei Urlaubern und vor allem älteren Menschen ist, fielen dicke Flocken. Das frostige Wetter mit Schnee und eisigen Windböen hält in vielen Landesteilen seit Tagen an, mehrere Menschen starben.

Überflutungen dagegen in Australien, wo auch mehrere Touristen strandeten. Mindestens sieben Menschen wurden noch vermisst, nachdem Hochwasser führende Flüsse sie fortgeschwemmt hatten. Die Bahnstrecke und Autobahn Darwin-Adelaide waren unpassierbar. Im Ort Alice Springs fiel binnen einer Woche so viel Regen wie sonst in einem Jahr.

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10.01.2010 · 22:09 Uhr
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