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«Costa Concordia» - Die Grenzen der Seefahrt

Als in der Nacht von Freitag auf Samstag das Kreuzfahrtschiff «Costa Concordia» vor der italienischen Küste auf einen Felsen auflief, brach Panik an Bord aus. Gläser sollen, so Zeugen, durch die Gegend geflogen sein. Porzellan zerbrach, Stühle und Tische kippten um. Innerhalb kurzer Zeit neigte sich das Schiff um rund 80 Grad - nun liegt es auf der Seite. Rund 40 Prozent des Schiffes liegen auf, verkeilt an den spitzen Felsen.

Unvorbereitet sei die Crew gewesen, berichten die Augenzeugen. Der Kapitän soll als erstes das Schiff verlassen haben und sich, gerade eben an Land angekommen, ein Taxi gerufen haben. «Bringen Sie mich weg von hier», soll er dem Fahrer gesagt haben. Einen Kapitän stellt man sich wahrlich anders vor.

Dabei ist gerade das Verhalten der Crew in solch einer Krisensituation wichtig, sagt Kapitän Klaus Bergmann. Er fährt nicht nur zur See, sondern unterrichtet auch an der Seefahrtsschule im ostfriesischen Leer. Dort, wo die Kapitäne der Zukunft ausgebildet werden, ist auch die Sicherheit immer wieder ein Thema. «Wenn die Besatzung ruhig bleibt, dann überträgt sich das auch auf die Passagiere», sagt er. Deshalb werden solche Ereignisse immer wieder geübt und durchgesprochen - damit im Ernstfall alles klappt.

Sicherheitspläne für jeden Schiffstyp

Was in der Nacht zum Samstag passiert ist, das kann auch er nicht nachvollziehen. Kapitäne und Schiffsoffiziere absolvieren sehr viele Kurse, in denen es um die Sicherheit der Menschen an Bord geht: «Sie sind die wertvollste Fracht», sagt er und räumt auch gleich mit dem berühmten Satz «Der Kapitän geht als letztes von Bord» auf: «Geschrieben steht das nirgendwo», sagt er. Aber: «Es ergibt sich von selbst, immerhin hat der Kapitän die Verantwortung und die Befehlshoheit.»

Selbst die Angestellten auf dem Schiff, die eigentlich gar nichts mit der Seefahrt zu tun haben - also Kosmetikerinnen, Tänzer oder Friseure - haben einen Sicherheitsgrundkursus absolviert, damit sie die wichtigsten Regeln kennen. Die Stewards des Schiffs bekommen Abschnitte mit Kabinen zugewiesen, für die sie zuständig sind: «Wenn einmal etwas auf einem Schiff passiert, dann sollte das wie am Schnürchen laufen», sagt Klaus Bergmann. 

Aber was genau passiert, wenn ein Schiff havariert ist? «Für jeden Schiffstyp werden individuell Pläne entwickelt», erklärt der Kapitän. Was aber gleich bleibt: Kommt es zu einem Zwischenfall, leitet der Kapitän einen Generalalarm ein. Die Passagiere werden informiert, die Schotten dichtgemacht, damit - gibt es einen Riss wie nun auf der «Costa Concordia» - das Schiff nicht weiter voll laufen kann. Die benachrichtigten Passagiere holen unterdessen ihre Westen und gehen in Richtung der Rettungsboote.

Es muss viel Kraft auf das Schiff gewirkt haben

Ganz einfach, eigentlich. Und doch kam es an Bord der «Costa Concordia» zu Panik, Menschen sprangen in das kalte Wasser und versuchten, an Land zu schwimmen. «Irgendwas ist da schief gelaufen», sagt Klaus Bergmann. Was, das kann auch er sich nicht genau erklären. So wie den Unfall an sich. Der erfahrene Kapitän erklärt: «Auf den Bildern mit dem Unterwasserschaden sieht man, dass auf das Schiff viel Kraft gewirkt hat.»

Angeblich, so haben erste Untersuchungen gezeigt, soll der Kapitän mit dem Schiff eine neue Route genommen haben. Durch ein Gebiet, das bekannt für seinen mit Felsen überzogenen Untergrund ist. Aber ist da etwas Wahres dran? Fest steht nur, sagt Klaus Bergmann, dass die Kapitäne immer mehr unter Druck stehen, sie den Passagieren immer wieder etwas Neues bieten wollen: «Aber irgendwo gibt es auch einfach Grenzen», sagt er. Nämlich dort, wo Menschen in Gefahr geraten, die grandiose Aussicht auf eine Insel in einer Katastrophe enden kann.

Bis man Genaueres weiß, kann ohnehin nur spekuliert werden. Die Auswertung des «Voyage Data Recorders» wird dann nähere Erkenntnisse bringen. Dieser Rekorder ist, erklärt der Experte, das maritime Gegenstück zur Blackbox im Flugzeug. Die Daten der letzten 12 Stunden werden dort festgehalten, wie auch die Gespräche auf der Brücke. Rund zehn Tage könnte die Arbeit daran dauern. Dann wird sich vermutlich herausstellen, was wirklich in der Nacht zu Samstag an Bord der «Costa Concordia» passiert ist.

[news.de] · 16.01.2012 · 17:20 Uhr
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