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«Costa Concordia» - Deutsche Bahn lässt Schiffbrüchige sitzen

Ohne Papiere standen sie am Bahnhof des Frankfurter Flughafens, nur in Hausschuhen und vollkommen übernächtigt. Marianne und Erwin Bleser aus dem Westerwald waren gerade von der havarierten Costa Concordia gerettet worden und wollten einfach nur nach Hause. Doch da hatten sie die Rechnung ohne die Deutsche Bahn gemacht. Eine Fahrt ohne Fahrschein und Geld? Fehlanzeige!

«Eine solche Arroganz habe ich noch nie erlebt», erzählte Marianne Bleser der Rhein-Zeitung. Ein Reisebus brachte die beiden aus dem italienischen Savona an den Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens. Doch ins 110 Kilometer entfernte Langenhahn im Westerwald sollten sie so schnell nicht kommen. Denn die Deutsche Bahn verweigerte ihnen die Mitfahrt. Schließlich hatten die Blesers ihre Wertsachen auf dem Schiff zurücklassen müssen - und mit ihnen auch das vorab gebuchte Bahnticket.

Auch Geld für eine neue Fahrkarte hatten sie nicht dabei. Nachdem sich das Schiff an der italienischen Insel Giglio den Rumpf an einem Felsen aufgeschlitzt hatte und zu sinken drohte, wollte Familie Bleser nur noch weg. An Wertsachen, Handy und Geld dachte in dem Moment verständlicherweise niemand.

Das Zugpersonal am Frankfurter Bahnhof ließ eine solche Erklärung allerdings nicht zu. Sowohl Bahnmitarbeiter als auch Zugschaffner blieben stur und warnten das Ehepaar, den Zug ohne gültige Fahrkarte zu betreten. «Wir waren so fertig, wir wussten nicht, was wir tun sollten», sagte Bleser der Rhein-Zeitung. Ihnen fehlte die Kraft zu diskutieren, also gaben sie klein bei und riefen den Sohn an, der sie abholte.

Bahn bemüht sich um Schadensbegrenzung

Seit sie nun wieder zu Hause sind, steht das Telefon der Blesers nicht mehr still. Mit den Medien möchten sie aber nicht mehr reden. Anfragen weisen sie mit der Erklärung zurück, dass ihre «Nerven derzeit einfach nur blank liegen».

Und was sagt die Deutsche Bahn zu dem Vorfall? «Wir bedauern, dass das von der Kreuzfahrt-Katastrophe betroffene Ehepaar weitere Unannehmlichkeiten auf der Heimreise erlebt hat», sagt ein Sprecher auf Anfrage von news.de, weist aber die Schuld zugleich von seinem Unternehmen: «Generell gilt in solchen Fällen, dass der Reiseveranstalter sicherstellen muss, dass seine Kunden auch in Notfällen wieder sicher nach Hause gebracht werden.»

Immerhin möchte sich die Bahn, die bisher nur aus den Medien von dem Vorfall gehört hat, schnellstmöglich mit dem Ehepaar in Verbindung setzen und sehen, was sie nachträglich für die Betroffenen tun kann. Für diese, so sagt Marianne Bleser der Rhein-Zeitung, steht jedoch fest: «Mit der Deutschen Bahn werde ich so schnell nicht mehr fahren.»

[news.de] · 23.01.2012 · 13:28 Uhr
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