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Comeback-Konzerte: Tickettausch oder Gedenkfeier?

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London (dpa) - Dass Michael Jackson nicht zu seiner Mammut-Konzertreihe in London antritt, war für viele ein wahrscheinliches Szenario. Dass er sie nicht antritt, weil er tot ist, haben aber die wenigsten erwartet.

In weniger als drei Wochen, am 13. Juli, sollte es losgehen: Das wohl am sehnlichsten erwartete Comeback in der jüngeren Musikgeschichte. Doch daraus ist nun nichts geworden. Während die Fans mit leeren Händen dastehen, drohen dem Konzertveranstalter nach Medienberichten Zahlungen von bis zu 300 Millionen Pfund (mehr als 350 Millionen Euro).

Nach dem Tod von Michael Jackson sind die Inhaber von einer Million Tickets für die geplanten Londoner Konzerte zunächst im Unklaren über die Rückerstattung gelassen worden. «In diesem Moment sind unsere Gedanken bei Michael Jacksons Kindern, Familie und Freunden. Weitere Ankündigungen für Ticketinhaber werden zu gegebener Zeit bekanntgegeben», teilte der Konzertveranstalter AEG Live am Freitag mit. Bis zum Abend lag diese Ankündigung nicht vor.

Die großen Ticketbörsen wie Ticketmaster und Lastminute.com machten die gebührenfreie Erstattung von Ausfallzahlungen des Veranstalters abhängig. Das Internet-Auktionshaus Ebay riet Bietern, die sich Karten zu vielfach höheren Preisen ersteigerten, mit dem Verkäufer über eine angemessene Rückzahlung zu «diskutieren». Im März wurden die Karten für umgerechnet 58, 76 und 88 Euro verkauft. Diese Woche kamen weitere Tickets auf den regulären Markt, obwohl im Mai vier Konzerte gestrichen wurden.

AEG Live soll britischen Medien zufolge wegen Berichten über Jacksons schlechten Gesundheitszustand Schwierigkeiten gehabt haben, alle 46 Konzerte gegen Ausfall zu versichern. Für die Hälfte der Konzerte im Wert von 300 Millionen Pfund (350 Millionen Euro) gebe es keine Versicherung, hatte AEG-Live-Boss Randy Phillips zuletzt im Mai gesagt. Der Veranstalter wollte selbst dafür aufkommen, um die umfassende Konzertreihe zu ermöglichen. AEG Live gehört zum Imperium des amerikanischen Geschäftsmanns Philip Anschutz. Der Milliardär zählt laut dem US-Magazin «Forbes» zu den reichsten Amerikanern.

Der Deal zwischen AEG Live und Jackson wurde nie veröffentlicht. Der hoch verschuldete «King of Pop» hätte mit seinen London-Konzerten laut Branchenkennern 35 bis 70 Millionen Euro einnehmen können.

Bei Ebay waren am Freitag weitere Tickets für «Jackos» Konzerte in London ab Juli im Angebot. Die Höchstgebote lagen dort bei umgerechnet 1200 Euro für zwei gewöhnliche Karten. Für VIP-Tickets verlangten Anbieter das doppelte.

Ein anderer Anbieter bot ein Paar ungenutzter Eintrittskarten aus dem Jahr 1984 für das Konzert im Rahmen der legendären «Victory»-Tour in der US-Stadt Knoxville für umgerechnet 6000 Euro an.

Die in London ansässige Ticket-Tauschbörse Seatwave hat unterdessen alle Angebote bei sich entfernt. Dort wurden bis Donnerstag noch Hunderte von Karten für die Comeback-Konzerte getauscht.

Als der «King of Pop» im März zur Ankündigung seiner Konzertreihe in der Londoner O2-Arena die Bühne, wirkte er schon sehr zerbrechlich. Seine dahingestammelten Worte «This Is It» (Das ist es) und der gleichnamige Titel der Tour wirken jetzt wie eine düstere Vorahnung. Wie er ein Konzert, geschweige denn eine Reihe von 50 Shows, überstehen sollte, war den meisten ein Rätsel. Seit diesem Auftritt gab es in der Londoner Musikwelt fast nur ein Thema: Kommt er oder kommt er nicht? Und wenn ja: wie lange steht er auf der Bühne?

Auf die Konzerte hatte es dennoch - oder gerade deshalb - einen unvergleichlichen Ansturm gegeben. Innerhalb weniger Stunden versuchten Millionen Fans an Tickets für die ursprünglich zehn Konzerte zu kommen. Pro Sekunde wurden elf Tickets verkauft. Wegen des Ansturms wurden aus zehn Shows schnell 50. Im Internet kursierten rasch Angebote für Karten zum Preis von mehr als 1000 Euro. Gerüchte machten die Runde, dass Jackson an einem neuen Charakteristikum wie dem legendären Tanzschritt «Moonwalk» arbeitete oder dass er exotische Tiere auf die Bühne holen wollte. Grund für den Ansturm war aber auch der Hype um seinen Gesundheitszustand: «Viele denken, es ist die allerletzte Möglichkeit, ihn lebend zu sehen», erklärte damals ein Fan.

Doch die Zweifel wuchsen immer mehr, als die Veranstalter Ende Mai mitteilten, den Konzertauftakt vom 8. auf den 13. Juli zu verschieben. Organisatorisches war angeblich der Grund. Doch wer die Gerüchte verfolgte, dass Jackson Hautkrebs hatte, der fragte sich, ob das der wahre Grund war.

Die Firma AEG Live dementierte stets alle Spekulationen um Jacksons angebliche Krankheiten. «Er ist in fantastischer Form», sagte AEG-Chef Randy Phillips noch vor einem Monat. Und erst am Montag verkündeten die Organisatoren, dass weitere Karten zum Verkauf gestellt würden. Doch Freunde Jacksons, wie der Bühnen-Magier Uri Geller, hielten den Stress der vergangenen Wochen für eine mögliche Todesursache des Superstars. «Das ist alles, woran ich denken kann: Dass ihn der Stress vielleicht umgebracht hat.»

Am Freitag herrschte erst einmal Stille vonseiten der Veranstalter: Auf der Internetseite der PR-Firma The Outside Organisation sowie auf der AEG-Live-Seite stand noch die Ankündigung, dass Jackson in einem Kostüm mit 300 000 Swarovski-Steinen auftreten werde. Auf michaeljackson.com war am Morgen zu lesen, dass Tickets «immer noch zur Verfügung stehen».

Wie es nun weiter geht, war zunächst unklar. Fans schlugen aber schon vor, die Shows dennoch als Würdigung für «MJ» stattfinden zu lassen. So erklärte Fan Dave Standing im Forum der Zeitung «The Times»: «Es gibt doch fantastische Videos, die gezeigt werden könnten.»

Musik / Leute / USA / Großbritannien
26.06.2009 · 23:25 Uhr
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