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Chronologie: NS-Verbrechen vor Gericht

Heinrich BoereGroßansicht
München (dpa) - Mehrere NS-Verbrecher mussten sich - wie jetzt der Beschuldigte John Demjanjuk in München - erst Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg vor Gericht verantworten. Einige Fälle der vergangenen Jahre:

28. Oktober 2009: Vor dem Aachener Landgericht beginnt der Prozess gegen Heinrich Boere. Die Dortmunder Staatsanwaltschaft hat den heute 88-Jährigen wegen Mordes angeklagt. Er soll 1944 als Mitglied des SS-Killerkommandos «Feldmeijer» drei Niederländer erschossen haben. Er war in den Niederlanden in Abwesenheit bereits 1949 verurteilt worden, die lebenslange Freiheitsstrafe wurde aber nie vollstreckt.

11. August 2009: Die Münchner Schwurgerichtskammer verurteilt den fast 91-jährigen Josef Scheungraber wegen zehnfachen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe. Der damalige Wehrmachtsoffizier hatte 1944 den Befehl zur Sprengung eines Hauses in der Toskana gegeben, in dem zuvor elf Menschen zusammengetrieben worden waren. Er war deswegen bereits 2006 von einem italienischen Gericht in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

November 2006: Ein Militärgericht in Italien verurteilt den Ex-Wehrmachtsoffizier Heinrich Nordhorn in Abwesenheit zu lebenslanger Haft. Der während des Prozesses 87-jährige Mann war dem Gericht zufolge 1944 an der Tötung von Zivilisten beteiligt.

Dezember 2005: Nach mehr als einjähriger Verhandlung endet der Prozess gegen Ladislav Niznansky in München mit einem Freispruch. Gegen ihn wurde wegen Mordes in 20 Fällen verhandelt. Im Prozess ging es um Massaker in der Slowakei im Januar und Februar 1945.

Juli 2002: Das Hamburger Landgericht verurteilt den früheren Chef des SS-Sicherheitsdienstes in Genua, Friedrich Engel, zu sieben Jahren Haft. Der «Henker von Genua» war laut Gericht für die Erschießung von 59 italienischen Geiseln verantwortlich. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil 2004 wegen ungenauer Beweislage auf. Engel starb 2006 als freier Mann.

Mai 2001: Das Landgericht München I verhängt gegen den NS- Verbrecher Anton Malloth eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes. Er war von 1940 bis 1945 Aufseher in einem Gestapo-Gefängnis im heutigen Tschechien. Im Oktober 2002 starb Malloth mit 90 Jahren in Straubing.

Prozesse / Nationalsozialismus
30.11.2009 · 22:47 Uhr
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