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Chronologie: Massenproteste im Iran

Hamburg (dpa) - Seit mehr als einer Woche protestieren hunderttausende Oppositionelle im Iran gegen das aus ihrer Sicht manipulierte Ergebnis der Präsidentenwahl. Ein Rückblick:

12. Juni: Mehr als 46 Millionen Wähler sollen entscheiden, ob der ultrakonservative Präsident Mahmud Ahmadinedschad vier weitere Jahre im Amt bleibt oder von einem seiner drei Herausforderer abgelöst wird. Mit 82 Prozent erreicht die Wahlbeteiligung ein Rekordhoch.

13. Juni: Nach offiziellen Angaben konnte sich der Amtsinhaber mit fast 63 Prozent der Stimmen gegen seinen reformorientierten Herausforderer Mir Hussein Mussawi (knapp 34 Prozent) behaupten. Mussawi spricht von Wahlbetrug, in der Hauptstadt Teheran kommt es zu den größten Krawallen seit den Studentenprotesten 1999.

14. Juni: Bei Straßenschlachten zwischen Anhängern und Gegnern Ahmadinedschads gibt es mehrere Verletzte. Die Polizei nimmt Dutzende Demonstranten fest.

15. Juni: Hunderttausende versammeln sich in Teheran zur größten Protestkundgebung im Iran seit 30 Jahren. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit der Wahl ruft Mussawi seine Anhänger zur Mäßigung auf. Das geistliche Oberhaupt des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, weist den aus Richtern und Geistlichen zusammengesetzten Wächterrat an, etwaige Manipulationen zu überprüfen.

16. Juni: Nach offiziellen Angaben sind bei den Unruhen bisher mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen, in anderen Berichten ist von 15 Toten die Rede. Trotz der Polizeigewalt reißen die Proteste nicht ab, sondern weiten sich auf andere Städte des Landes aus. Das Regime verbietet ausländischen Medien, über die Kundgebungen zu berichten, mehrere iranische Journalisten werden verhaftet.

17. Juni: Wieder gehen mehr als 100 000 Menschen auf die Straße und fordern die Annullierung der Wahl. Mussawi will die Massenproteste bis zu Neuwahlen fortsetzen.

18. Juni: Der Wächterrat lädt die drei unterlegenen Kandidaten ein, an einer Prüfung der Wahlergebnisse teilzunehmen. Sie hatten über 640 Unstimmigkeiten angeprangert. Wieder demonstrieren hunderttausende Regimegegner.

19. Juni: Bei seinem mit Spannung erwarteten Freitagsgebet stellt sich Chamenei hinter Ahmadinedschad und betont die Rechtmäßigkeit der Wahl. In seiner ersten öffentlichen Rede seit Beginn der Proteste übt er Kritik am Westen, der die Ereignisse falsch darstelle. Dennoch will Chamenei «einzelne Stimmen» nachzählen lassen. Eine von Mussawi für Samstag angekündigte Großdemonstration wird verboten.

20. Juni: Bei neuen Protesten von Oppositionsanhängern kommt es in Teheran zu den blutigsten Zusammenstößen seit der umstrittenen Wiederwahl Ahmadinedschads am 12. Juni. Staatliche Medien berichten von einem Selbstmordattentäter, der sich vor dem Mausoleum von Ajatollah Khomeini in die Luft sprengt und einen weiteren Menschen mit in den Tod reißt. Oppositionsführer Mussawi ruft die Führung auf, friedliche Kundgebungen zuzulassen. Er werde den Kampf fortsetzen und sei bereit, dafür zum Märtyrer zu werden. US-Präsident Barack Obama verschärft den Ton gegenüber Teheran.

21. Juni: Nach Berichten des staatlichen Fernsehsenders Press TV kamen bei den Zusammenstößen am Vortag mindestens zehn Menschen ums Leben, zuvor waren nach Regierungsangaben mindestens sieben Menschen getötet worden. Oppositionelle sprechen sogar von mehr als 40 Toten insgesamt im ganzen Land.

Konflikte / Wahlen / Iran
21.06.2009 · 14:25 Uhr
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