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Chronologie: Krise bei Banken, Finanzmarkt und Euro

Berlin (dpa) - Die Bankenkrise hatte ihren Ursprung am US-Immobilienmarkt und wurde zur schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit. In Europa belasten zudem die Finanzprobleme diverser Staaten den Euro stark. Nach Banken-Rettungspaketen folgte der Euro-Rettungsschirm. Hier eine Chronologie:

Frühjahr 2008: Die Finanzmarktkrise spitzt sich mit der Fast-Pleite der großen US-Investmentbank Bear Stearns zu. In Deutschland gerät mit der Hypo Real Estate (HRE) die größte Hypothekenbank in Schwierigkeiten. Die HRE muss mit Steuergeldern von rund 100 Milliarden Euro gestützt werden. Heute ist sie in Staatsbesitz.

Sommer/Herbst 2008: Am 15. September ist die US-Investmentbank Lehman Brothers pleite. Der Geldhandel am Interbankenmarkt bricht zusammen. Notenbanken pumpen Milliarden in die Geldmärkte, um einen globalen Finanzkollaps zu verhindern. Die Regierungen legen in Blitz-Aktionen milliardenschwere Banken-Rettungspakete auf.

Frühjahr 2009: Mehrere Regierungen schnüren Konjunkturprogramme und verstaatlichen angeschlagene Banken. In Deutschland wird die Commerzbank teilverstaatlicht. Der Welthandel und in vielen Ländern die Industrieproduktion, die Konsum- und Investitionsnachfrage brechen dramatisch ein.

Winter 2009/2010: Der Euro-Staat Griechenland hat seine Zahlen zum Haushaltsdefizit jahrelang manipuliert. Seine Staatsverschuldung beläuft sich tatsächlich auf rund 260 Milliarden Euro. Die EU-Kommission stellt Griechenland unter Aufsicht.

Frühling 2010: Die Euro-Länder einigen sich auf ein Rettungspaket für Griechenland, der Internationale Währungsfonds (IWF) ist beteiligt. Griechenland soll über drei Jahre Kredithilfen von 110 Milliarden Euro bekommen. In der Eurozone verschärft sich die Krise. Ein Rettungsschirm in Höhe von 750 Milliarden Euro wird aufgestockt. Irland werden als erstem Land 85 Milliarden aus dem Rettungsschirm EFSF bewilligt.

Winter 2010: Um den Euro vor Attacken der Finanzmärkte zu schützen, beschließen die EU-Staats- und Regierungschefs einen dauerhaften Auffangschirm für Pleite-bedrohte Staaten. Der Krisenmechanismus soll 2013 den EFSF ersetzen. Dazu wird der EU-Vertrag geändert.

März 2011: Die Euro-Länder vereinbaren weitreichende Maßnahmen zur Absicherung des Euro. Der EFSF wird ausgeweitet. Die 27 EU-Staaten beschließen die Aufstockung des Rettungsfonds und einigen sich auf eine engere Abstimmung in der Haushalts-, Steuer- und Sozialpolitik.

April 2011: Nach Griechenland und Irland hängt künftig auch Portugal am EU-Finanztropf. Der Staat bekommt ein Hilfspaket von 78 Milliarden Euro und muss im Gegenzug ein striktes Sparprogramm durchziehen.

Mai 2011: Die EU verlangt den Griechen einen noch härteren Sparkurs ab. Athen hat noch bis Mitte Juli Geld, dann droht die Staatspleite.

Juni 2011: EU-Kommission, Europäische Zentralbank EZB und IWF («Troika») stellen in ihrem Prüfbericht fest, dass Griechenland nicht ohne neues Hilfsprogramm über die Runden kommt.

Juli 2011: Die Finanzminister der Euro-Gruppe unterzeichnen den Vertrag zur Schaffung des neuen Krisenfonds (ESM). Sie geben einen neuen Milliardenkredit an Griechenland frei, die Staatspleite ist vorerst abgewendet. - Laut europäischer Bankenaufsicht EBA sind beim Stresstest von 90 Banken in Europa fünf spanische, zwei griechische und ein österreichisches Institut durchgefallen.

September 2011: Das Bundesverfassungsgericht billigt die ersten Rettungspakete für Griechenland und den EU-Rettungsschirm. - Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) will eine «geordnete Insolvenz» Griechenlands zur Euro-Rettung nicht mehr ausschließen. - Der Bundestag billigt die EFSF-Ausweitung. Dabei erreicht die schwarz-gelbe Koalition die Kanzlermehrheit. Damit der Fonds Kredite von 440 Milliarden Euro vergeben kann, wird der Garantierahmen auf 780 Milliarden erhöht. Deutschland haftet dabei mit 211 Milliarden.

EU / Finanzen
20.10.2011 · 12:53 Uhr
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