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Chronologie: Die Krisengeschichte der Nordbank

Hamburg/Kiel (dpa) - Die HSH Nordbank steckt seit fast zwei Jahren in der Krise. Im November 2007 räumte sie erstmals Belastungen aus dem US-Immobiliendesaster ein. Die Landesbank schrieb damals 91 Millionen Euro ab und stockte die Risikovorsorge auf lediglich 319 Millionen Euro auf. Ein Rückblick:

10. März 2008: Bankchef Hans Berger beziffert die Wertberichtigungen auf 1,1 Milliarden Euro, die Verluste auf rund 200 Millionen Euro. Der geplante Börsengang wird abgesagt.

24. September: Nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers bestätigt die Bank weitere Abschreibungen über 500 Millionen Euro für das 3. Quartal. Damit steigen die Belastungen auf mehr als 2,3 Milliarden Euro.

3. November: Die Bank beantragt Staatsbürgschaften von bis zu 30 Milliarden Euro.

10. November: Vorstandschef Berger tritt zurück. Nachfolger wird Finanzvorstand Dirk Jens Nonnenmacher.

16. Dezember: Vorstand und Aufsichtsrat einigen sich auf eine strategische Neuausrichtung des Instituts. Die Bank soll sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

13. Februar 2009: Zum Überleben benötigt die Bank eine Eigenkapitalspritze von drei Milliarden Euro sowie Schutzgarantien von zehn Milliarden Euro von Hamburg und Schleswig-Holstein.

24. Februar: Die Landesregierungen von Hamburg und Schleswig- Holstein beschließen die von der Bank geforderte Kapitalerhöhung sowie die Schutzgarantien.

7. März: Der Bankenfonds SoFFin unterstützt das Geschäftsmodell der HSH Nordbank. Die Landesbank kann die Liquiditätsgarantien von bis zu 30 Milliarden Euro ausschöpfen, sobald die Anteilseigner und Landesparlamente der Umsetzung des Konzepts zugestimmt haben.

1. April: Hamburg segnet das Rettungspaket für die Bank ab. Am 3. April stimmt der schleswig-holsteinische Landtag zu.

7. April: Die Hamburger Staatsanwaltschaft leitet ein Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche der Bank ein und prüft den Verdacht der Untreue im Zusammenhang mit der Finanzmarktkrise.

27. April: Für das Jahr 2008 liegt der Verlust bei 2,8 Milliarden Euro.

20. Mai: Die HSH Nordbank bekommt eine Kapitalspritze von drei Milliarden Euro.

11. Juni: Das Hamburger Landesparlament setzt einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss ein, um das Finanzdebakel bei der HSH Nordbank aufzuarbeiten. Am 17. Juni unternimmt auch der schleswig-holsteinische Landtag diesen Schritt.

3. Juli: Der neue Aufsichtsrat wählt Ex-Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper zum Vorsitzenden.

10. Juli: Kopper bestätigt eine Sonderzahlung an Vorstandschef Nonnenmacher. Es soll um 2,9 Millionen Euro gehen.

1. August: Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG listet laut Medien etliche Fälle auf, in denen die Banker gegen die «Mindestanforderungen an das Risikomanagement» verstießen.

12. August: Die Bank will wichtigen Mitarbeitern eine «Bleibeprämie» von maximal 120 000 Euro zahlen. Politiker sind empört.

21. August: Die Bank ist im ersten Halbjahr mit 537 Millionen Euro in die Verlustzone gerutscht.

26. August: Der Aufsichtsrat billigt die Trennung des Instituts in eine Kern- und eine Abbaubank (Bad Bank). Durch die Fokussierung auf Kerngeschäfte soll die Bilanzsumme der künftigen Kernbank um die Hälfte auf 112 Milliarden Euro gesenkt werden.

7. September: Vor dem Untersuchungsausschuss des Landtages in Kiel räumt die Bank deutliche Schwächen im Risikomanagement ein.

21. September: Die HSH Nordbank hat 45 Millionen Dollar an die US-Investmentbank Goldman Sachs gezahlt, obwohl die Verpflichtung dazu strittig war.

28. September: Die Hamburger Staatsanwaltschaft leitet wegen der Zahlungen ein Ermittlungsverfahren gegen Nonnenmacher, seinen Stellvertreter Peter Rieck und den früheren Bank-Chef Berger ein. Das Verfahren wegen Verdachts auf Untreue geht auf eine Strafanzeige des Hamburger Rechtsanwalts Gerhard Strate zurück.

30. September: Bei der Staatsanwaltschaft geht eine Gegenklage der HSH-Nordbank gegen Strate wegen falscher Verdächtigung ein.

13. Oktober: Die Vorstandsspitze hat nach einem Bericht von NDR Info verlustreiche Geschäfte ihrer Londoner Niederlassung selbst genehmigt. Bei den riskanten Investments mit der Bezeichnung «Omega» geht es um Kreditersatzgeschäfte, die der Bank einen vorläufigen Schaden von 500 Millionen Euro eingebrockt haben. Entscheidende Teile der «Omega»-Geschäfte sollen vor der Finanzaufsicht verheimlicht worden sein.

Banken
13.10.2009 · 16:37 Uhr
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