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Chronologie: Der Niedergang von Arcandor

Hamburg (dpa) - Der Handels- und Touristikkonzern Arcandor, der bis Mitte 2007 KarstadtQuelle hieß, kämpfte immer wieder mit massiven Problemen. Eine Chronologie der vergangenen Jahre:

1. Juni 2004: Der in tiefrote Zahlen gerutschte Handelskonzern bekommt eine neue Führungsspitze - den bislang für den Versandhandel zuständigen Vorstand Christoph Achenbach.

28. September 2004: Achenbach präsentiert ein radikales Sanierungsprogramm. Die wichtigsten Bausteine: Eine Kapitalerhöhung über 500 Millionen Euro, die Verlängerung von Kreditlinien im Volumen von insgesamt 1,75 Milliarden Euro und massive Verkäufe von Unternehmensteilen, die 1,1 Milliarden Euro bringen sollen.

14. Oktober 2004: Nach einem 29-stündigen Verhandlungsmarathon einigen sich die Gewerkschaft Verdi, der Betriebsrat und der Vorstand auf ein Sanierungspaket. Im Konzern sollen 5700 Stellen gestrichen werden.

3. November 2004: Das Eigenkapital ist auf knapp 83 Millionen Euro geschrumpft, eine Eigenkapitalquote von weniger als 1 Prozent.

Mai 2005: Der bisherige Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff übernimmt auf Betreiben der Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz den Chefposten. Er plant ein weiteres Programm zur Konzernsanierung.

Mai 2005: Der Aktienpool um Schickedanz kündigt die Übernahme der Mehrheit an KarstadtQuelle an.

August 2005: Middelhoff verkauft die Modekette Wehmeyer und schließt Vereinbarungen über den Verkauf der Kette SinnLeffers sowie von 75 kleineren Karstadt-Filialen, die unter dem Namen Hertie geführt werden. Alle drei Ketten melden später Insolvenz an.

Anfang 2006: Middelhoff kündigt den Verkauf der Karstadt- Immobilien zur Entschuldung des Konzerns an. Die Gebäude werden in der Regel veräußert und zurückgemietet.

Februar 2006: Nach der Fusion der Konzerntochter Thomas Cook mit dem britischen Touristikunternehmen MyTravel übernimmt der Konzern die Mehrheit an dem Reiseunternehmen.

Juli 2007: Die KarstadtQuelle AG wird in Arcandor AG umbenannt.

April 2008: Der Arcandor-Aufsichtsrat verlängert den Vertrag von Middelhoff bis Ende 2009.

September 2008: Die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim hält 29,5 Prozent an Arcandor und steigt damit zum größten Aktionär auf. Schickedanz verliert die Mehrheit.

Dezember 2008: Arcandor gibt einen Chefwechsel zum 1. März 2009 bekannt. Neuer Vorstandsvorsitzender soll der Telekom-Finanzchef Karl-Gerhard Eick werden. Die Bilanz für das letzte Geschäftsjahr unter Middelhoff fällt tiefrot aus: Arcandor weist für 2007/08 einen Nettoverlust von mehr als 700 Millionen Euro und Schulden in Höhe von fast einer Milliarde Euro aus.

19. April 2009: Laut Eick müssen bis Mitte Juni Kredite in Höhe von 650 Millionen Euro refinanziert werden. Der Konzern sieht in den kommenden fünf Jahren einen zusätzlichen Finanzierungsbedarf von bis zu 900 Millionen Euro.

15. Mai 2009: Arcandor versucht, Staatsbürgschaften über 650 Millionen Euro zu beantragen.

18. Mai 2009: Eick lehnt die von Metro-Chef Eckhard Cordes favorisierte Fusion der Warenhäuser Karstadt und Kaufhof ab.

3. Juni 2009: Nach Einschätzung der EU-Kommission kann Arcandor die beantragte Staatshilfe nicht erhalten. Der Konzern sei «nicht förderungswürdig, weil er schon vor dem 1. Juli 2008 in Schwierigkeiten gewesen ist».

5. Juni 2009: Arcandor stellt bei der Bundesregierung Antrag auf einen Kredit in Höhe von 437 Millionen Euro aus der Rettungsbeihilfe. Unberührt davon bleibt der Mitte Mai gestellte Antrag auf Staatsbürgschaften in Höhe von 650 Millionen Euro.

8. Juni 2009: Der Lenkungsausschuss des «Wirtschaftsfonds Deutschland» lehnt den Antrag auf eine Staatsbürgschaft von 650 Millionen Euro und einen Kredit über 200 Millionen Euro ab. Der Bund verweigert auch staatliche Rettungsbeihilfen.

9. Juni 2009: Arcandor stellt Insolvenzantrag für die Arcandor AG sowie unter anderem die Töchter Karstadt und Quelle.

13. August 2009: Der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg kündigt den Abbau von rund 3700 der 10 500 Arbeitsplätze bei der Versandhandelssparte Primondo an. Bei Karstadt werden 19 Warenhäuser erneut auf den Prüfstand gestellt.

15. August 2009: Die Suche nach einem Investor für den Arcandor- Konzern wird eingestellt. Jetzt geht es nur noch um die Sanierung der Töchter.

01. September 2009: Das Essener Amtsgericht eröffnet die Insolvenzverfahren für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften. Vorstandschef Eick und fast der gesamte Vorstand verlassen das Unternehmen. Der vorläufige Insolvenzverwalter Görg wird zum Insolvenzverwalter bestellt.

Handel
01.09.2009 · 17:56 Uhr
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