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Chronologie: Der Angriff bei Kundus und die Folgen

Hamburg (dpa) - Wegen des Angriffs auf zwei von den Taliban gekaperte Tanklastzüge bei Kundus steht die Bundesregierung seit Anfang September unter Druck. Bei dem von der Bundeswehr angeordneten Luftschlag gab es bis zu 142 Tote oder Verletzte - darunter viele Zivilisten. Ein Rückblick:

4. September 2009: Trotz afghanischer Berichte über zivile Opfer hält das Verteidigungsministerium in einer ersten Reaktion an der Version der Bundeswehr fest. «Unbeteiligte sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu Schaden gekommen», sagt ein Sprecher.

6. September: Ein Bericht der «Washington Post» wirft der Bundeswehr und ihrem damaligen Kommandeur in Kundus, Oberst Georg Klein, Verfehlungen vor. Ein Reporter war mit einem NATO- Untersuchungsteam unter US-General Stanley McChrystal am Ort des Geschehens.

7. September: Der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) räumt erstmals ein, dass auch Zivilisten unter den Opfern sein könnten.

17. September: Nach Abschluss der afghanischen Untersuchung nennt Afghanistans Präsident Hamid Karsai den Angriff einen Fehler. Nach Angaben aus Kabul wurden bei dem Luftangriff 99 Menschen getötet, darunter 69 Taliban und 30 Zivilisten.

29. Oktober: Die NATO legt dem Verteidigungsministerium ihren Bericht vor: Die genaue Opferzahl sei nicht mehr zu ermitteln. Oberst Klein habe gegen Regeln verstoßen und die Bombardierung im Alleingang ohne Vorwarnung angeordnet. Dabei seien zwischen 17 und 142 Menschen getötet oder verletzt worden - unter ihnen bis zu 40 Zivilisten.

6. November: Der neue Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nennt den Angriff «angemessen». Nach dem Studium des NATO-Berichts habe er keine Zweifel.

26. November: Ein Artikel der «Bild»-Zeitung über einen unterschlagenen Bericht der Feldjäger, der früh von zivilen Opfern spricht, sorgt für Aufsehen. Guttenberg entlässt Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und Verteidigungs-Staatssekretär Peter Wichert. Guttenberg sagt, nach Bekanntwerden der neuen Dokumente müsse er seine Bewertung vom 6. November womöglich revidieren.

27. November: Jung übernimmt die Verantwortung für die interne Informationspolitik und erklärt seinen Rücktritt als Arbeitsminister.

2. Dezember: Zur Aufklärung der Kundus-Affäre beschließt der Verteidigungsausschuss des Bundestages seine Umwandlung in einen Untersuchungssausschuss. Er soll sich am 16. Dezember konstituieren.

3. Dezember: Guttenberg vollzieht eine Kehrtwende im Bundestag. Er bezeichnet das Bombardement nun als «militärisch nicht angemessen». Die neuen Dokumente hätten ihn zur Korrektur seiner Meinung veranlasst.

9. Dezember: Das Magazin «Stern» berichtet, das Internationale Rote Kreuz (ICRC) habe Guttenberg bereits am 6. November schriftlich darüber informiert, dass es viele zivile Opfer gegeben habe.

11. Dezember: Guttenberg reist überraschend nach Kundus.

Konflikte / Bundeswehr / Afghanistan
11.12.2009 · 23:08 Uhr
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