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Christian Wulff: Erst Zitterpartie - dann Bellevue

«Ich war nie so ein Lautsprecher», sagt Christian Wulff von sich. Doch als Bundespräsident will er auch unbequem sein.Großansicht
Berlin/Hannover (dpa) - Christian Wulff ist mit 51 Jahren der jüngste Bundespräsident. Erst nach einer stundenlangen Zitterpartie war am Mittwoch klar, dass der bisherige niedersächsische Ministerpräsident ins Schloss Bellevue wechseln kann.

Als wenn er es geahnt hätte, hatte Wulff vor einigen Tagen gesagt: «Ich wünsche mir, im ersten Wahlgang gewählt zu werden, aber es geht nicht so sehr nach meinen Wünschen.» Auch wenn er während der Wahl zu lächeln versuchte - der Kandidat der Koalition war so angespannt wie lange nicht.

Rückschläge ist Wulff gewöhnt. Erst nach zwei missglückten Anläufen wurde er 2003 Ministerpräsident in Niedersachsen und stand an der Spitze einer schwarz-gelben Koalition. Ambitionen als Kronprinz von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) stritt Wulff ab. «Mir fehlt der unbedingte Wille zur Macht und die Bereitschaft, dem alles unterzuordnen», sagte er vor zwei Jahren in einem Interview. Das wollte sein politisches Umfeld aber nicht recht glauben. In Umfragen vor einigen Jahren war er schon mal beliebtester Politiker.

Der Katholik aus Osnabrück gibt sich bescheiden. Das fast spitzbübische Lächeln lässt aber ahnen, dass er hinter den Kulissen Strippen zieht. «Ich war nie so ein Lautsprecher», meint er. Diese Art passt aus seiner Sicht besser zum Präsidentenamt. Wulff will aber auch ein unbequemer Präsident sein, um Gräben zwischen Bürgern und Politikern zu schließen.

Als entscheidende Themen seiner neuen Aufgabe nennt er Integration und die zunehmende Veralterung der Gesellschaft. Eine Denkfabrik will er aus Bellevue machen und auch Horst Köhler - seinen zurückgetretenen Nachfolger - dafür gewinnen.

Wulff will als zehnter Bundespräsident nicht nur damit punkten, dass er als Vater eine Spielecke in seinem Amtssitz plant. Er will ein Sprachrohr der Bürger sein, Brücken bauen und auf Menschen zugehen - auch per Internet. Als «Alphatier» sieht er sich nicht. Wulff ist lieber Softie als Rabauke.

Positive Schlagzeilen macht er aber gern. Zuletzt gelang ihm dies, als er mit Aygül Özkan die erste deutsch-türkische Ministerin in Deutschland berief und so für eine Öffnung der CDU eintrat. In Turbulenzen geriet Wulff Anfang dieses Jahres, weil er für Flüge in den Weihnachtsurlaub mit der Familie ein kostenloses Upgrade in die Business-Klasse angenommen hatte. Der Regierungschef räumte einen Verstoß gegen das Ministergesetz ein und zahlte umgehend nach.

Einst war Wulff junger Wilder in der CDU, inzwischen ist er Konservativer der Mitte. Das Amt als stellvertretender CDU- Bundesvorsitzender gibt er nun zwar auf, doch Einfluss auf Bundesebene büßt er nicht zwangsläufig ein. Das einstige Image des Langeweilers, das ihm zu Oppositionszeiten anhaftete, konnte Wulff als Regierungschef abstreifen - auch dank seiner zweiten Frau Bettina. Merkel freut sich schon auf ein bunteres Leben im Schloss an der Spree, in das der neue Präsident Wulff auch seine Frau und zwei Kinder mitbringen wird.

Bundespräsident
30.06.2010 · 22:44 Uhr
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