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Christian Wulff: der «friedfertige» Präsidentschaftskandidat

«Ich war nie so ein Lautsprecher», sagt Christian Wulff von sich. Doch als Bundespräsident will er auch unbequem sein.Großansicht
Berlin/Hannover (dpa) - Er wäre der jüngste Bundespräsident. Christian Wulff will ins Schloss Bellevue, obwohl er von sich selbst behauptet, er sein kein «Alphatier». «Die Zukunft gehört den Sanftmütigen, den Friedfertigen», sagt der 51-Jährige.

Niedersachsens Ministerpräsident ist lieber Softie als Rabauke. «Ich war nie so ein Lautsprecher», meint Wulff. Diese Art passt aus seiner Sicht besser zum Amt des Bundespräsidenten. Zugleich will er aber auch unbequem sein, um Gräben zwischen Bürgern und Politikern zu schließen. In der Politik gibt sich der Mann, der lieber Bananensaft als Wein trinkt, bescheiden. Aber sein fast spitzbübisches Lächeln lässt erahnen, dass er hinter den Kulissen kräftig die Strippen zieht.

Seit Jahren wird gemunkelt, ihm werde es in Niedersachsen zu langweilig. Ambitionen als Kronprinz von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) stritt er jedoch ab. «Mir fehlt der unbedingte Wille zur Macht und die Bereitschaft, dem alles unterzuordnen», sagte er vor zwei Jahren in einem Interview. Sein politisches Umfeld wollte das nicht so recht glauben. Wulff mag sich das Kanzleramt nicht zutrauen, doch er hält sich für prädestiniert für das höchste Staatsamt. In Umfragen war er vor Jahren schon mal beliebtester Politiker.

Der Katholik und Familienvater ist zwar der Kandidat Merkels und ihrer schwarz-gelben Koalition. Einige in den eigenen Reihen haben aber Sympathien für den Gegenkandidaten Joachim Gauck erkennen lassen. Den Medien wirft Wulff vor, sie stellten diese Einzelstimmen zu sehr nach vorn. Wulff ist ein Politprofi, doch in diesen Tagen wirkt er manchmal angespannt. So erbat er sich vor der Aufzeichnung eines Fernsehinterviews mehr Zeit, um sich in Ruhe vorbereiten zu können.

Seit 2003 steht Wulff an der Spitze einer schwarz-gelben Koalition in Niedersachsen. 2008 gelang ihm die Wiederwahl. Wulff sei der Architekt der vermutlich erfolgreichsten Zusammenarbeit von CDU und FDP, sagt Niedersachsens FDP-Wirtschaftsminister Jörg Bode. Nach dem Rückzug des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch und der Wahlschlappe von Jürgen Rüttgers in Nordrhein-Westfalen hat der CDU-Bundesvize unter den Länderfürsten jedenfalls beste Karten.

In Turbulenzen geriet Wulff Anfang dieses Jahres, weil er für Flüge in den Weihnachtsurlaub mit der Familie ein kostenloses Upgrade in die Business-Klasse angenommen hatte. Der Regierungschef räumte einen Verstoß gegen das Ministergesetz ein und zahlte umgehend nach.

Zuletzt landete der Regierungschef einen Coup, für den er auch im Ausland gefeiert wurde. Er ernannte mit Aygül Özkan die erste deutsch-türkische Ministerin in Deutschland und trat damit für eine Öffnung der CDU ein. Nicht von allen gut geheißen wurde dagegen der Versuch des Landesvaters, sich mit dem Erfolg der Grand-Prix-Gewinnerin Lena aus Hannover zu schmücken.

Wulff war einst ein junger Wilder in der Partei, inzwischen ist er ein Konservativer der Mitte. Er steht für einen wirtschaftsliberalen Kurs der CDU. Das einstige Image des Langeweilers, das ihm zu Oppositionszeiten anhaftete, konnte Wulff als Regierungschef abstreifen.

Vor vier Jahren gab er nach langjähriger Ehe die Trennung von seiner Frau bekannt. Mit seiner zweiten Frau Bettina posiert er schon mal für Fotos in Boulevardmagazinen. Auch Privates ist für das Paar, das einen gemeinsamen zweijährigen Sohn hat, nicht tabu - bisweilen plaudern sie in Talkshows über die wenige Zeit zu zweit.

Bundespräsident
29.06.2010 · 22:22 Uhr
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