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Christen in aller Welt gedenken der Leiden Jesu

Hamburg (dpa) - Tausende Christen in aller Welt haben am Karfreitag der Leiden Jesu Christi gedacht. Papst Benedikt XVI. rief in Rom die Priester auf, «in der Gemeinschaft mit Jesus Christus Menschen des Friedens zu sein, der Gewalt entgegenzustehen und der größeren Macht der Liebe zu vertrauen».

Frieden forderten zum Karfreitag auch evangelische Bischöfe in Deutschland. Der Vorsitzende des Evangelischen Kirchenrats, Bischof Nikolaus Schneider, äußerte massive Kritik am Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. «Wir laufen Gefahr, dass der Einsatz völlig seine Legitimation verliert», sagte er dem «Hamburger Abendblatt» (Samstag).

Bewacht von starken israelischen Polizeikräften und angeführt von Franziskanermönchen pilgerten tausende Christen über die Via Dolorosa in Jerusalem. Der Zug endete an der Grabeskirche, die nach der Überlieferung von Kreuzfahrern an der Stelle errichtet wurde, an der Jesus gekreuzigt und begraben wurde. Nach dem Neuen Testament wurde Jesus am Karfreitag verurteilt, hingerichtet und erstand am dritten Tage wieder auf. An der Grabeskirche kam es zu einem kleinen Zwischenfall, als palästinensische Christen sich den Weg an der Polizei vorbei bahnen wollten. Der Zugang zum Gotteshaus wurde daraufhin vorübergehend gesperrt.

Hunderttausende gedachten am Donnerstag und Freitag auch in Spanien des Leidensweges und trugen in zahlreichen Städten große Christus- und Marienfiguren durch die Straßen. Die größte Prozession der «Semana Santa» (Heilige Woche), wie die Karwoche in Spanien genannt wird, fand in Sevilla statt. Mitglieder frommer Bruderschaften waren in Büßergewänder gehüllt und mit spitzen Kapuzen vermummt. Eine der größten Bruderschaften hatte erstmals Frauen in ihren Reihen mitmarschieren lassen.

Bei den letzten noch erhaltenen Bilderprozessionen in Deutschland zogen im fränkischen Lohr am Main etwa 10 000 Menschen durch die Straßen. Auch im oberfränkischen Neunkirchen am Brand schlossen sich Tausende Menschen der Prozession an. In den bayerischen Orten wurden lebensgroße Figuren durch die Straßen getragen. Die Prozession in München war als «Kreuzweg der Völker» gestaltet. In Berlin begann eine Prozession von hunderten von Gläubigen am Dom im Zentrum der Stadt und führte zu weiteren Kirchen.

Wie seine Vorgängerin Margot Käßmann betonte Kirchenrats- Vorsitzender Schneider zum Karfreitag: «Was in Afghanistan passiert, ist Krieg.» Der Bischof der Nordelbischen Kirche, Gerhard Ulrich, rief ebenfalls zum Frieden auf - auch in Afghanistan. Es müsse angefangen werden, den Frieden vorzubereiten - mit den Kindern in Schulen und Kindertagesstätten bei uns und überall in der Welt, sagte er in Flensburg. Der christliche Glaube kenne seit dem Kreuz Jesu, seit seinem Tod und seiner Auferstehung keine Resignation vor der Gewalt.

Bischöfin Maria Jepsen verurteilte in Hamburg religiös begründete Gewalt. «Es ist erschreckend, wie Menschen sich anmaßen, aus religiösen Beweggründen heraus das Leben anderer zu bedrohen und zu zerstören», sagte die Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck. Als Beispiele nannte sie die Auseinandersetzungen um die Mohammed- Karikaturen sowie die Zerstörungen christlicher Kirchen in Asien und Afrika. «So werden weltweit vor allem Christen bedroht und verfolgt, ermordet, so viele wie noch nie», beklagte Jepsen. Dennoch seien Christen stets dazu aufgerufen, Böses nicht mit Bösem zu vergelten.

Bei angenehm warmem Frühlingswetter kamen in Rom Zehntausende von Pilgern und Touristen am Tag zum Kreuzweg am Kolosseum. Im Schein von Fackeln wollten am späten Abend Pilger des Leidenswegs Jesu auf der «Via Crucis» gedenken. Um die Sünde, die «das Antlitz des leidenden Christus entstellt», kreisten die Meditationen des italienischen Kardinals Camillo Ruini für die 14 Stationen des Kreuzweges. «Gib unserem inneren Auge einen klaren Blick und Wahrhaftigkeit, damit es ohne Heuchelei das Böse erkennt, das in uns steckt», heißt es in dem vom Vatikan vorab veröffentlichten Gebet, mit dem der Kreuzweg im Beisein des Papstes am Abend eröffnet werden sollte.

Als ersten festlichen Höhepunkt hatte Benedikt am Gründonnerstag die traditionelle Fußwaschung in Roms Lateran-Basilika absolviert. Dabei wäscht der Papst zwölf Priestern die Füße, in Erinnerung an die Geste der Demut und Barmherzigkeit Jesu Christi. Am Samstag ist die Osterwache im Petersdom ein erhebender Moment der Feiern - wenn das Osterlicht die zuvor dunkle Kirche immer heller erstrahlen lässt. Am Ostersonntag erteilt der Papst auf dem Petersplatz seinen Segen «Urbi et Orbi» (Der Stadt und dem Erdkreis).

Kirchen / Ostern / Vatikan
02.04.2010 · 15:14 Uhr
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